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Thun schafft den Coup

Die grössten Meister-Sensationen im europäischen Klub-Fussball

00:26

So jubeln die Thuner Spieler über den Meistertitel

Der FC Thun wird dank eines 3:0-Sieges des FC Sion in St. Gallen vorzeitig Schweizer Meister. Nach dem Schlusspfiff in St. Gallen gibt es bei den Berner Oberländern kein Halten mehr.

Der FC Thun schafft die grosse Überraschung und sichert sich als Aufsteiger den Schweizer Meistertitel. Es ist im europäischen Fussball nicht die erste Meister-Sensation.

Der Meisterzug des FC Thun wird nur kurz gebremst. Jetzt ist klar, dass sich die Berner Oberländer die Butter nicht mehr vom Brot nehmen lassen – und sich somit in die Liste der grössten Meister-Sensationen im europäischen Klub-Fussball einreihen.

Teaser image

«Jetzt ist Feiern angesagt»

Das sagen die Thuner Meisterhelden nach der Erlösung

Nottingham Forest (1978)

Als der legendäre Brian Clough 1975 das Traineramt übernahm, konnte niemand ahnen, dass Nottingham Forrest in den folgenden drei Jahren den englischen und europäischen Fussball erobern würde. Direkt nach dem Aufstieg aus der zweiten Liga gelang Nottingham mit dem Meistertitel 1978 der Coup. Saisonübergreifend bleibt das Team in 42 Ligaspielen ungeschlagen – ein Rekord, der erst 2004 vom FC Arsenal gebrochen wird. In den beiden folgenden Jahren triumphiert Nottingham gar im Europapokal der Landesmeister.

30. April 1978: Nottingham-Trainer Brian Clough (links) und Assistenz-Coach Peter Taylor präsentieren den Pokal.

30. April 1978: Nottingham-Trainer Brian Clough (links) und Assistenz-Coach Peter Taylor präsentieren den Pokal.

Bild: Keystone

Hellas Verona (1985)

Erst drei Jahre zuvor steigt Hellas Verona in die Serie A auf. Völlig überraschend weist die Mannschaft aus dem Norden die Schwergewichte im italienischen Fussball in die Schranken, kassiert in 30 Liga-Spielen nur 2 Niederlagen und marschiert in der Saison 1984/85 zum ersten und bisher einzigen Meistertitel der Vereinsgeschichte.

FC Aarau (1993)

Nur die wenigsten rechnen vor der Saison 1992/93 damit, dass der FC Aarau erstmals seit 1914 wieder Schweizer Meister werden kann. Allein dass Aarau die Vorrunde auf Rang 5 abschliesst, ist als Erfolg zu werten. Doch der Hunger der Schützlinge von Trainer Rolf Fringer ist längst nicht gestillt.

In der Finalrunde startet der FCA regelrecht durch. In 14 Partien setzt es nur eine Niederlage ab – und schon am drittletzten Spieltag fällt die definitive Entscheidung. Nach einem 2:1-Heimsieg über Sion reist das Team geschlossen in den Letzigrund, wo sich der FCZ gegen Servette mit 3:2 durchsetzte – und den FC Aarau damit vorzeitig zum Meister machte.

Die Spieler des FC Aarau feiern 1993 im eigenen Stadion den Schweizermeister-Titel.

Die Spieler des FC Aarau feiern 1993 im eigenen Stadion den Schweizermeister-Titel.

Bild: Keystone

1. FC Kaiserslautern (1998)

Es ist wohl die grösste Überraschung der Bundesliga-Geschichte. Nachdem Kaiserslautern im Sommer 1996 erstmals in seiner Vereinsgeschichte absteigt, übernimmt an der Seitenlinie ein gewisser Otto Rehhagel das Ruder. Und der Erfolgstrainer führt den FCK zuerst zum direkten Wiederaufstieg – und schafft dann als Aufsteiger den ganz grossen Coup.

Gleich im ersten Saisonspiel bezwingen die Lauterer auswärts den grossen FC Bayern – und lassen die Münchner anschliessend während der gesamten Spielzeit hinter sich. Angeführt von Kapitän Ciriaco Sforza muss sich der Aufsteiger über die gesamte Saison nur vier Mal bezwingen lassen und macht das «Wunder vom Betzenberg» mit einem 4:0-Sieg über Wolfsburg am vorletzten Spieltag perfekt.

«So etwas wird es nie wieder geben», ist sich Meistermacher Otto Rehagel sicher.

Lautern-Captain Ciriaco Sforza stemmt die Meisterschale.

Lautern-Captain Ciriaco Sforza stemmt die Meisterschale.

Bild: Imago

Deportivo La Coruña (2000)

Ein gewisser Roy Makaay sorgt für das Wunder von Deportivo La Coruña. Der Niederländer wechselt im Sommer 1999 von Absteiger Teneriffa zu Deportivo und schiesst in der Folge ein Drittel aller Tore seines neuen Arbeitgebers. Die Galicier profitieren auch davon, dass die beiden Giganten Real Madrid und Barcelona in dieser Saison nicht wie gewohnt auf Touren kommen. La Coruña verliert 11 von 38 Liga-Partien, doch die 69 Punkte reichen zum einzigen Meistertitel der Vereinshistorie – auch dank der Investitionen von Präsident Augusto César Leondoiro.

FC St.Gallen (2000)

Nach einer 96-jährigen Durststrecke sorgen Jörg Stiel, Marc Zellweger, Charles Amoah, Ionel Gane und Giorgio Contini unerwartet für Meister-Ekstase in der Ostschweiz. In der Vorsaison hat der FCSG grosse Mühe und beendet die Spielzeit mit 12 Spielen ohne Sieg. Anschliessend verstärken sich die Espen fast ausschliesslich mit Spielern aus der damaligen Nati B – und sind in der neuen Saison unter Trainer Marcel Koller dennoch das Mass der Dinge. 

Bereits zur Winterpause grüsst St.Gallen von der Tabellenspitze, vier Runden vor Schluss ist das Meisterrennen nach einem Unentschieden zwischen Basel und Servette bereits entschieden. Vor den TV-Geräten feiern die Ostschweizer ausgelassen den zweiten Meistertitel der Vereinsgeschichte.

Hoch lebe der Meistertrainer: Marcel Koller wird von seinen Spielern nach dem Gewinn der Meisterschaft gefeiert.

Hoch lebe der Meistertrainer: Marcel Koller wird von seinen Spielern nach dem Gewinn der Meisterschaft gefeiert.

Bild: Keystone

VfB Stuttgart (2007)

Mit Ludovic Magnin und Marco Streller schafft der VfB in der Saison 2006/07 die grosse Überraschung, verweist Schalke und Bremen auf die Ehrenplätze und sichert sich den fünften Meistertitel der Vereinsgeschichte. An einem dramatischen letzten Spieltag drehen die Stuttgarter gegen Cottbus einen 0:1-Rückstand noch in einen 2:1-Sieg. Umjubelter Siegtorschütze in der 63. Minute: der spätere Weltmeister Sami Khedira.

Ludovic Magnin (links) und Marco Streller lassen sich nach dem Titel-Triumph mit Stuttgart feiern.

Ludovic Magnin (links) und Marco Streller lassen sich nach dem Titel-Triumph mit Stuttgart feiern.

Imago

VfL Wolfsburg (2009)

Zur Halbzeit der Saison findet man die Wolfsburger nur auf Platz 9. In der Rückrunde aber startet der VfL unter Trainerlegende Felix Magath eine sensationelle Aufholjagd – angeführt vom besten Sturmduo der Bundesliga. Grafite und Edin Dzeko erzielen nicht weniger als 54 Liga-Tore. In Erinnerung bleibt insbesondere die 5:1-Gala gegen die Bayern. Mit dem gleichen Resultat schiesst Wolfsburg mit Diego Benaglio im Tor am letzten Spieltag auch Werder Bremen ab – und ist zum bisher einzigen Mal in der Klubgeschichte Deutscher Fussball-Meister.

Ein Kuss für die Meisterschale von Wolfsburg-Goalie Diego Benaglio.

Ein Kuss für die Meisterschale von Wolfsburg-Goalie Diego Benaglio.

Bild: Keystone

Bursaspor (2010)

Nachdem für 26 Jahre die drei Istanbuler Grossklubs Fenerbahçe, Galatasaray und Beşiktaş die türkischen Meistertitel unter sich ausmachten, durchbricht Bursaspor die Dominanz in der Saison 2009/10 und holt sich sensationell den Titel – nach einem dramatischen letzten Spieltag.

Bursaspor stieg mit einem Punkt Rückstand auf Fenerbahçe in die letzte Runde und erfüllte mit einem 2:1-Sieg gegen Beşiktaş seine Pflicht. Weil der Stadionsprecher im Fenerbahçe-Spiel dann fälschlicherweise verkündete, dass Bursaspor nur 2:2 gespielt habe, verwaltete Fener gegen Trabzonspor das Remis nur noch und griff nicht mehr an.

Nach dem Schlusspfiff wurden deshalb sowohl in Bursa als auch in Istanbul das Feld gestürmt. Bei den Fener-Fans schlug die Stimmung allerdings schnell um, als die Falschmeldung korrigiert wurde.

FC Midtjylland (2015)

Der FC Midtjylland wird erst 1999 durch den Zusammenschluss zweier Vereine gegründet. 2014 übernimmt Matthew Benham die Mehrheit am Club und führt ein datenbasiertes Analysesystem ein, um Spieler zu scouten und Spielzüge zu perfektionieren.

Der Moneyball-Ansatz bringt Erfolg: Am 21. Mai 2015 macht Midtjylland mit einem 0:0-Remis beim FC Vestsjælland am drittletzten Spieltag den entscheidenden Schritt und ist erstmals Meister. 

Leicester City (2016)

Das Wunder von Leicester nimmt seinen Lauf eigentlich schon im April 2015. Die Foxes finden sich abgeschlagen am Tabellenende der Premier League, neun Runden vor Schluss beträgt der Rückstand auf das rettende Ufer sieben Punkte. Dann aber reiht Leicester sieben Siege aneinander und schafft in extremis den Klassenerhalt.

In der Sommerpause wechselt mit Claudio Ranieri ein neuer Trainer in die Kleinstadt in den East Midlands und stellt ein Team zusammen, das nur ganz schwer zu schlagen ist. In 38 Liga-Partien setzt es für das Überraschungsteam nur drei Pleiten ab, auf den prognostizierten Einbruch wartet die grosse Konkurrenz vergeblich – obwohl die Wettquote auf den Meistertitel des Underdogs zu Saisonbeginn bei 1:5000 liegt. Als Verfolger Tottenham am drittletzten Spieltag nur Remis spielt, ist die Sensation perfekt: Leicester ist erstmals Meister der Premier League.

Gökhan Inler (ganz rechts) und Leicester nehmen den Meisterpokal entgegen.

Gökhan Inler (ganz rechts) und Leicester nehmen den Meisterpokal entgegen.

Bild: Keystone

Mjällby AIF (2025)

2016 steht Mjällby vor dem Aus. Erst am letzten Spieltag der Saison rettet sich der schwedische Dorfklub vor dem Abstieg in die vierte Liga – und vor der Insolvenz. Es ist zugleich Ausgangspunkt eines Fussball-Märchens, das neun Jahre später eine nicht für möglich gehaltene Krönung erhält.

Die Mannschaft aus dem kleinen 1400-Einwohner-Dorf in der südlichen Provinz Blekinge hat keine Stars oder grosse Investoren. Vielmehr setzt man auf grossen Zusammenhalt. Viele Spieler leben zusammen in einer Art Studentenwohnheim.

Mit 20 Siegen aus 27 Spielen dominiert Mjällby die Saison 2024/25 und liegt schon am drittletzten Spieltag uneinholbar an der Spitze. Und die schwedische Zeitung «Aftonbladet» titelt: «Die Sensation ist Realität.»

Mjällbys Helden starten nach der geschafften Meister-Sensation die Kabinenparty.

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Bild: Keystone

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