Fehler gefunden?
Jetzt meldenNach dem Besitzerwechsel bei den Grasshoppers will die neue Führung in Zürich vieles anders machen. GC-Präsident Ludovic Deléchat spricht über das Ende der Ära Alain Sutter, die Rolle der Fans und seine Vision.
Die Grasshoppers haben seit Ende Juni neue Eigentümer. Die Bridge Football Group löste den Los Angeles FC nach drei ernüchternden Jahren als Besitzer ab. Das Gesicht der neuen Besitzer, die chinesische Geldgeber im Hintergrund haben, ist Ludovic Deléchat. Der Anwalt ist Wahlzürcher und neuer GC-Präsident. Er stellte sich am Mittwoch im GC-Hauptsitz in Zürich erstmals den Medien.
Im Interview mit blue Sport erklärt er, warum man überhaupt auf die Idee kam, bei den Grasshoppers einzusteigen: «Für uns war es eine Chance. Wir kennen natürlich die Geschichte des Rekordmeisters. GC ist der erfolgreichste Klub der Schweiz.»
Dass die vorherigen Besitzer aus Amerika ein stattliches Defizit von rund 15 Millionen Franken pro Jahr ausgleichen mussten, sei ihnen nicht entgangen: «Natürlich sind wir uns auch der finanziellen Herausforderungen des Klubs bewusst. Jetzt geht es darum, GC auf und neben dem Platz zu verbessern», so Deléchat. Auf diese Art und Weise wolle man sich auch finanziell verbessern und dafür wolle man hart arbeiten.
Ähnliche Ansagen machten auch schon die beiden vorherigen Besitzer. Was darf den GC-Fans also Hoffnung machen, dass es diesmal wirklich besser kommt? «Wir wissen, woher wir kommen und dass GC eine schwierige Zeit hatte mit drei Barragen in Folge. Unsere Aufgabe ist es, GC wieder erfolgreich zu machen, aber wir werden keine Versprechen abgeben», so Deléchat.
Neben harter und transparenter Arbeit wolle man auch mit den Fans kommunizieren, erklärt der neue GC-Präsident weiter. So wolle man auch die Anhänger zurück zum Klub und ins Stadion bringen. Wichtiger Schritt dafür sei auch, in Zukunft vermehrt auf den Nachwuchs zu setzen. Er selbst sei GC-Fan, verrät Deléchat und als Fan wolle man ja Spieler sehen, die aus der eigenen Akademie kommen. So wolle man auch die GC-DNA zurückbringen.
Ein Versprechen gibt Deléchat dann aber doch noch ab: «Wir werden nah bei den Fans sein und uns lokal aufstellen. Wir werden zeigen, was wir hier täglich tun können. Ich erwarte nicht, dass wir mit Freude empfangen werden, aber zumindest, dass sie uns Zeit geben, damit wir zeigen, was wir tun können.»
Im Konzept der Bridge Football Group, zu der auch der FC Den Bosch (2. Liga in Holland), Pro Vercelli (3. Liga in Italien) und Shaanxi Union (2. Liga in China) gehören, hat es keinen Platz für Sportchefs im klassischen Sinn. Im sogenannten MCO (Multi-Club-Ownership) werde diese Aufgabe zentral gelöst, deshalb wurde auch der bisherige Sportchef Alain Sutter seines Amtes enthoben. «Wir glauben nicht an die starke Figur eines Sportchefs», so Deléchat. Natürlich habe man Fachleute für das Scouting, aber wenn es darum gehe, Zielspieler zu verpflichten, liege es am CEO, die Verhandlungen zu führen.
Deléchat erklärt im Detail:
- Ausgewählt werden die Spieler von einem «Recruitment Team», unter Aufsicht von Technical Advisor Dries Boussatta. Dieser ist selbst Ex-Profi, machte drei Länderspiele für Holland und lebt in Amsterdam.
- Danach wird die Meinung von Trainer Peter Zeidler eingeholt.
- Wenn es um die Verhandlungen, also ums Business geht, ist es die Aufgabe des CEOs, diese zu führen. Dieser neue GC-CEO wird schon bald vorgestellt.
- Deléchat selbst wird die finalen Verhandlungen überwachen.
Und wo will GC nach zuletzt drei Jahren mit Abstiegsangst sportlich hin? «Wir wissen, wo wir jetzt stehen. Es muss für alle klar sein, wir sind bei Jahr Null.» Erstmal wolle man deshalb besser sein als letzte Saison, das sei schon mal klar. Der Schweizer Cup sei zudem ein gutes Ziel, findet Deléchat.
In der Liga wolle man sich kontinuierlich verbessern: «Und danach, wer weiss? Wir haben gesehen, was der FC Thun in der letzten Saison geschafft hat. Das war sehr eindrücklich und zeigt auch, dass man mit den richtigen Zutaten Dinge auch schneller erreichen kann, als man vielleicht erwartet hätte.»
Bevor GC in zweieinhalb Wochen in Lausanne in die neue Super-League-Saison startet, steht von Donnerstag bis Sonntag erstmal ein Mini-Trainingslager in Griechenland an – mit einem Testspiel gegen Panathinaikos am Samstag als Highlight.