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Jetzt melden0:6 gegen YB: Meister Thun erlebt im Berner Derby einen Abend zum Vergessen. Thun-Boss Andres Gerber verweist auf den grossen Umbruch und betont, dass man nicht mehr das gleiche Team habe.
Am Samstagabend kommt es im Berner Oberland zum Kantonsderby zwischen Schweizer Meister Thun und den Young Boys. Beide Teams gehörten am ersten Spieltag zu den Auftaktsiegern. Die Thuner dürfen dabei mit 10'014 Zuschauern zum sechsten Mal in Folge ein ausverkauftes Stadion vermelden.
Alles ist angerichtet für einen tollen Abend. Doch nach 45 Minuten zeigen die Mundwinkel bei den Thun-Anhängern nach unten. Die Stadtberner führen bereits zur Pause vorentscheidend 3:0.
«Das ist nicht das, was man sich erhofft und wünscht. Und gleichzeitig haben wir gewusst, dass das passieren kann», meint Thun-Präsident Andres Gerber im Pausen-Interview mit blue Sport.
Er macht mehrere Gründe für den Totalausfall aus: Der Gegner YB, die Doppelbelastung, die vielen Wechsel – Thun-Trainer Gian-Luca Privitelli rotierte nach den europäischen Strapazen gleich auf sechs Positionen – sowie die vielen Abgänge. Das Ganze sei hart, aber man müsse sofort versuchen, in allem Mühsamen das Positive zu sehen. «Das ist eine Lektion für uns alle. Wir müssen daran wachsen, nicht zerbrechen», mahnt er.
«Wir werden jetzt am Meistertitel gemessen, aber wir sind nicht mehr die gleiche Mannschaft. Das ist eine komplett neue Situation», betont der Thun-Boss.
Das unglückliche Aus in der 2. Qualifikationsrunde der Champions League gegen Dinamo Zagreb (2:3 nach Verlängerung) unter der Woche hat Gerber dank seiner langjährigen Erfahrung im Fussball-Business schon verdaut. In der Mannschaft selbst könne das aber vielleicht anders aussehen.
«Die meisten im Klub haben nicht viel Erfahrung. Wir haben ganz viele Spieler, die neu sind – auch neu in der Super League – und zum ersten Mal gegen YB und zum ersten Mal vor 10'000 Zuschauern spielen», erläutert der 53-Jährige, der darum auch Verständnis zeigt für den lahmen Auftritt seiner Schützlinge.
Zudem könne es auch anders laufen, nachdem man in den «ersten zehn Minuten gut mitgehalten» habe, so Gerber. «Dann kommt das Tor aus dem Nichts raus. Das war sicher ein Knackpunkt. Während sich bei uns eine gewisse Verunsicherung breitmachte, wurden sie befreiter. Sie haben diese Klasse», resümiert er.
Schon am 6. August geht es für den FC Thun in der Qualifikation für die Europa League gegen den isländischen Meister Vikingur Reykjavik weiter. Gut möglich, dass Gerber und sein Sportchef Dominik Albrecht bis dahin auf dem Transfermarkt noch zuschlagen.
«Es wird noch das eine oder andere gehen, aber wir wollen jetzt nichts erzwingen und auch nicht irgendwelche Paniktransfers machen. Wir gehen unseren Weg. Und dabei gibt es halt auch einige Lektionen, die in die Hose gehen können», fasst Gerber zusammen.
Am Ende geht das Spiel glatt mit 0:6 verloren. Verteidiger Nicolas Bürgy ist nach der Derby-Pleite bedient. «Wir haben alles vermissen lassen, was uns letzte Saison so stark gemacht hat. Wir haben als Mannschaft versagt, aber auch jeder individuell», macht er klar. Natürlich sei die Doppelbelastung ein Faktor, aber das soll keine Ausrede sein. Es habe überall gefehlt, meint der 30-Jährige.
Bürgy, der diese Saison aus Dänemark in die Heimat zurückkehrte, ist froh, geht es am Donnerstag gegen Reykjavik weiter: «Wir können wieder beweisen, dass wir es besser können. Die Mannschaft hat Qualität, vor allem als Team selbst, weil jeder den anderen besser macht, auch wenn man davon gegen YB nichts gesehen hat.»