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Jetzt meldenZum dritten Mal in Folge muss GC in die Barrage, zum dritten Mal können sich die Hoppers retten. So dramatisch wie dieses Jahr war es aber noch nie. Erst in der Verlängerung wird Aarau in die Knie gezwungen. Der Barrage-Thriller in fünf Akten.
Die Anspannung ist im Letzigrund spürbar, als GC-Stürmer Lee Young-Jun in der 88. Minute nach einer Tätlichkeit vom Platz fliegt. Es steht 1:1, die Verlängerung steht bevor – und die Zürcher müssen mit einem Mann weniger spielen. Minutenlang kommt aus der GC-Kurve, die die Mannschaft davor das ganze Spiel lang angepeitscht hatte, kein Mucks mehr.
Doch dann, kurz vor Ende der ersten Hälfte der Verlängerung, sieht auch ein Aarauer Rot. Linus Obexer hat den Fuss viel zu hoch, kickt Amir Abrashi voll ins Gesicht – nach VAR-Intervention schickt ihn Schiedsrichter Urs Schnyder unter die Dusche. Der numerische Vorteil für den FCA ist dahin.
Und Abrashi? Der blutet – aber selbstverständlich spielt der GC-Krieger weiter.

Amir Abrashi. No words needed.
Keystone.
Auf einmal kocht der Letzigrund wieder. Und das gibt auch den Hoppers auf dem Platz zusätzliche Motivation. Es läuft die 108. Minute, als Hassane in den Aarau-Strafraum eindringt – und fällt. Penalty! Der GC-Profi wird getroffen, fällt aber sehr leicht – der VAR schaltet sich nicht ein.
Auch blue Schiedsrichter-Experte Bruno Grossen meint: «Er stellt ihm das Bein, es ist ein korrekter Entscheid.» Ngom ist es sowieso egal. Er bleibt cool und bringt GC in Führung. 2:1.
In den Schlussminuten drückt Aarau auf den Ausgleich, doch GC kämpft tapfer bis zum Schluss. Um 22:53 Uhr ist es geschafft. GC bleibt in der Super League. Wieder retten sich die Hoppers in höchster Not. Zum dritten Mal in Serie über die Barrage.
Beim Schlusspfiff brechen alle Dämme. Bier fliegt auf die Medientribüne, die Fans haben Tränen in den Augen, die Spieler liegen sich in den Armen. Der vom Kampf gezeichnete Abrashi liegt im Rasen, hält sich den Kopf. Trainer Peter Zeidler legt sich neben ihn und tut es ihm gleich. Ein Bild für die Geschichtsbücher.

Zeidler und Abrashi können es kaum fassen.
blue Sport
Auf der anderen Seite sind die Aarauer am Boden zerstört. So nah waren sie dran, nach elf Jahren endlich wieder in die Super League aufzusteigen – wieder hat es nicht geklappt. «Es ist extrem bitter, wir hatten die Chancen», sagt FCA-Verteidiger Marco Thaler. Sportchef Elsad Zverotic ist ebenfalls komplett bedient: «Wir haben alles gegeben, es tut extrem weh.» Trainer Brunello Iacopetta geht es nicht anders.
Während Zverotic nach Erklärungen sucht, wird Abrashi von der GC-Kurve gefeiert. «Jeder GC-Fan lässt sich diese Lippe abdrucken und hängt sie zuhause auf», schmunzelt blue Sport Experte Pascal Schürpf. «Ein unglaublicher Leader, genau solche Typen brauchen wir im Fussball.»
Abrashi selbst sagt im Interview mit blue Sport: «Eine Platzwunde hält mich nicht auf, um für GC zu kämpfen!» Der GC-Captain entschuldigt sich noch bei den Fans, weil sie in dieser Saison so leiden mussten. Jetzt sei er einfach nur erleichtert, dass die Hoppers in der Liga bleiben.
Bleibt die Frage, wie es mit Abrashi weitergeht. Klar ist, dass er den Hoppers erhalten bleibt. Doch in welcher Funktion? «Ich liebe GC und ich liebe Fussball. Jetzt muss ich mich erholen und überlegen, aber ich liebe diesen Klub einfach zu fest. Ich muss mir jetzt alles durch den Kopf gehen lassen.»
Ganz sicher auch in der nächsten Saison dabei sein wird Peter Zeidler. Er wurde erst kurz vor Saisonende geholt und mit einem Vertrag ausgestattet, der auch für die Challenge League gegolten hätte. Jetzt hat es der Deutsche geschafft, GC in der Liga zu halten. «Ich bin natürlich erleichtert und freue mich riesig», sagt er.
Noch während seines Interviews mit blue Sport wird Zeidler von einem Aarau-Fan aufs Übelste beleidigt. Als das Wort «H***nsohn» fällt, wird es Zeidler zu viel. Er bricht das Interview ab und stellt den Zuschauer zur Rede. Nach wenigen Augenblicken kehrt der GC-Coach zurück, sagt noch ein paar Sätze zur kommenden Saison, ehe er erneut gestört wird. «Ich will nur Respekt von den Zuschauern. Das müssen sie lernen, sowas stört mich. Respekt gehört im Fussball dazu, von unseren Fans aber auch von den Jungs aus Aarau.» Zeidler bedankt sich noch – und läuft davon.