21.04.2017 - 13:15, René Weder

BVB-Bomber: Mit dieser Tat geht eine beispiellose kriminelle Energie einher

 

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Kein religiös motivierter Fanatismus, keine rechtsextrem getriebene Tat, sondern pure Geldgier soll das Motiv des mutmasslichen BVB-Bombers sein. Das ist krank, beängstigend und zeigt uns, wozu fehlgeleitete Menschen in unserer Gesellschaft fähig sind.

Was wir wissen: Am 11. April gehen zeitlich passend gezündet drei Bomben neben dem BVB Mannschaftsbus, der sich auf dem Weg ins Stadion befindet, hoch. Sie sind in einer Hecke versteckt. Ein Spieler und ein Polizist werden verletzt. Weil der Täter eine Bombe zu hoch platziert, nimmt die Tragödie nicht noch schlimmere Ausmasse an. Die Polizei findet mehrere Bekennerschreiben unterschiedlicher Absender. An der Echtheit bestehen schnell Zweifel.

Was seit heute teilweise bestätigt ist: Am 9. April bezieht der 28-jährige Deutsch-Russe Sergej W. ein Zimmer im Dachgeschoss des Dortmunder Mannschaftshotels. Schon zuvor soll er sich mehrfach im Hotel aufgehalten haben – immer mit Wunsch auf ein Zimmer im Dachgeschoss – und freier Sicht auf den Tatort. In seinem Zimmer bereitet er die letzten Schritte seiner Tat vor. Der Beschuldigte kauft am Tag des Anschlags von seinem Hotelzimmer aus 15’000 Verkaufsoptionen der BVB-Aktie. Er spekuliert auf sinkende Aktienkurse. Ein möglicher Gewinn wird Ermittlern zufolge auf vier Millionen Euro beziffert. 

Der Anschlag auf den BVB

  • DEUTSCHLAND EXPLOSIONEN AN BVB-BUS
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  • Germany Soccer Explosion
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Offenbar handelte der Täter alleine

Anzunehmen ist, dass der Täter die Bomben am 11. April gegen 19:15 Uhr manuell per Funkschaltung zündet, als der Bus an der Hecke, wo die Sprengsätze versteckt waren, vorbeikommt. Er nimmt den Tod einer ganzen Mannschaft in Kauf, um sich zu finanziell bereichern. Das ist an Widerwärtigkeit kaum zu überbieten.

Die Polizei tappt zehn Tage im Dunkeln – oder sie lässt die Öffentlichkeit zumindest in diesem Glauben, um die Ermittlungen nicht zu beeinflussen. Am frühen Morgen des 21. April verhaften Einsatzkräfte Sergej W.. Ihm wird von der Bundesanwaltschaft versuchter Mord in 20 Fällen, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Er soll nach aktuellem Ermittlungsstand keine Komplizen gehabt haben. 

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Bild: Infografik: DPA

Sadistisch, narzisstisch, gierig: Fehlgeleitet in mehreren Aspekten

Es gibt noch viele offene Fragen: Wer hat die Bomben gebaut? War der mutmassliche Täter der Polizei bekannt? Wer steckt hinter all den Bekennerschreiben? Wieso gerade der BVB?

Antworten werden in den nächsten Tagen erwartet. Sie spielen für den Moment noch keine Rolle, denn in Dortmund überwiegt die Erleichterung über den Fahndungserfolg. Für die Mannschaft ist die Gewissheit, dass es sich um einen irren Einzeltäter handelte, vielleicht einfacher zu verarbeiten, als wenn eine Gruppierung den Anschlag hätte verüben wollen.

Die Analyse des Täters, seines Profils und seiner Motive steht bevor. Klar ist: Diese Tat bedingt einer beispiellosen kriminellen Energie. Um einen derart abartigen Plan umzusetzen, zunächst eine Profi-Mannschaft auslöschen zu wollen und danach von sinkenden Aktienkursen finanziell zu profitieren, muss eine Persönlichkeit gleich mehrfach fehlgeleitet sein und es stellt sich die Frage, inwiefern ein Rechtsstaat hier für Gerechtigkeit sorgen kann.  

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