19.06.2017 - 14:30, Patrick Lämmle, Teleclub

Kritik ist unnötig: Der Videobeweis ist genial

 

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Lange haben wir auf den Videobeweis gewartet, nun wird er beim Confed Cup getestet. Das ist grossartig, sorgt er doch für mehr Gerechtigkeit und unterstützt die Schiedsrichter. Mit der Umsetzung hapert es aber noch. Das ist aber kein Grund den Videobeweis schlecht zu reden – im Gegenteil.



Wer am Sonntag Confed Cup geschaut hat, der hat sich möglicherweise mehrmals verwundert die Augen gerieben. Viermal wollten sich die Unparteiischen bei Torszenen absichern, ob sie mit ihren Entscheidungen richtig gelegen haben. Und so analysierten die Profi-Schiedsrichter im dunklen Kämmerlein die strittigen Szenen und kurze Zeit später teilten sie dem Unparteiischen auf dem Rasen per Funk mit, was Sache ist.

Im Spiel zwischen Chile und Kamerun schiesst Vargas in der ersten Halbzeit ein Tor – nach Studium des Videobeweises wird der Treffer aberkannt. In der 2. Halbzeit erzielt Vargas erneut einen Treffer, doch der Torjubel bleibt ihm im Hals stecken, wieder verlangt der Schiri die Überprüfung der Szene. Der Treffer zählt, es war hauchdünn kein Abseits. Fürs menschliche Auge war es unmöglich, die Szene mit Sicherheit richtig zu beurteilen. Selbst mit gestopptem Bild sind sich die Experten nicht sicher, ob dem Tor ein Abseits vorausging oder nicht. Erst als eine Linie über das Bild gezogen wird, ist klar, dass der Angreifer eben nicht im Abseits stand. Kameruns Trainer Hugo Broos sagte nach dem Spiel das einzig Richtige: «Wichtig ist: Es wurden die richtigen Entscheide getroffen. Der Videobeweis kann etwas sehr Wichtiges werden. Das hat sich heute gezeigt.»

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Zunächst läuft das Spiel weiter und Chile (in weiss spielend) erzielt das 2:0. Der Linienrichter zeigt danach Offside an. Die Videoschiedsrichter analysieren die Szene und geben den Treffer – hauchdünn kein Offside.
Bild: Teleclub

Heute ist das Spiel nicht schneller – Stichwort Rudelbildung

Mühsam ist indes, dass es für den TV-Zuschauer und ganz besonders für die Fans im Stadion keine Auflösung gibt. Man schaut dann dem Unparteiischen zu, wie er sich den Knopf ins Ohr drückt und selbst gespannt auf das Urteil seiner Berufskollegen wartet. Nach vielleicht einer halben Minute – für viele eine gefühlte Ewigkeit – übermittelt er, was im stillen Kämmerlein entschieden wurde. Das ist nicht zufriedenstellend. Weder für die Fans, noch die Spieler. Was viele vergessen: Würde der Videobeweis nicht zum Zuge kommen, es würde nach umstrittenen Szenen noch viel länger dauern, bis weitergespielt würde. Denn seien wir ehrlich: Nach jeder heiklen Szene rennen heutzutage Spieler der «benachteiligten» Mannschaft zum Schiedsrichter und reden mindestens eine halbe Minute auf ihn ein und wollen den Entscheid anfechten, obschon das in der über 100-jährigen Fussballgeschichte noch nie etwas gebracht hat. Dass es also ein paar Sekunden dauert bis Klarheit herrscht, ist definitiv kein Problem. Zumal an diesem Turnier länger nachgespielt wird, da die Nettospielzeit (effektive Spielzeit) erhöht werden soll. So soll dem Zeitspiel der Riegel geschoben werden.

Emotionen werden wegen dem Videobeweis nicht kleiner

Das Problem ist aktuell, dass die Fans und Spieler im Stadion nicht wissen, was passiert. Eine relativ einfache Lösung wäre, dass man die Szene auf den Grossleinwänden aufschlüsselt. Das könnte ähnlich aussehen, wie beim Tennis. Wenn dort ein Spieler eine Challenge nimmt, um beispielsweise einen Aus gegeben Punkt zu überprüfen, dann starrt das ganze Publikum gespannt auf die Screens. Auch das dauert jeweils einen Moment, doch die Spannung bleibt, denn man ist hautnah dabei, wenn der Entscheid gefällt wird. Im Fussball wäre das kaum anders.

Aber vergessen wir nicht: Man befindet sich in der Testphase. Wenn jetzt «Fehler» passieren, so ist das kein Problem, dafür ist eine Testphase ja da. «Fehler» machen, um es künftig besser zu machen. Ich bin mir sicher, dass wir uns daran gewöhnen werden und der ganze Prozess perfektioniert wird. Dass der Videobeweis richtig ist, daran zweifeln nur Hardcore-Fussball-Nostalgiker.

Stellen Sie sich vor, Shaqiri schiesst im kommenden Sommer an der WM im Halbfinal in der 119. Minute das 1:0 gegen Deutschland. Der Treffer wird zuerst wegen Abseits nicht gegeben, doch dann beweist das Video, dass es gleiche Höhe war und folglich zählt der Treffer. Ich würde durchdrehen vor Freude, mit mir jeder Nati-Fan. Umgekehrt wäre es weniger toll. Emotionen – und davon lebt der Sport – wären aber auch dann im Spiel.

Videobeweis nur bei spielentscheidenden Szenen

Eingegriffen werden soll nur bei entscheidenden Situationen wie Toren, Abseits, Roten Karten oder Penaltys. Wir müssen also nicht alle fünf Minuten mit einer Unterbrechung rechnen.

Bisherige Highlights vom Confed Cup

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