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Der Adler ist gelandet: Im Gegensatz zur letzten WM 1994 ist die USA längst im Weltfussball angekommen.
Keystone
Nach der WM 1994 fast bei Null gestartet, ist der Fussball in den USA heute eine globale Wirtschaftsmacht und ein echter Zuschauermagnet. Ein Blick auf die Zahlen, die Stadien und die Geschichte hinter einer rasanten Sport-Revolution.
Als die WM 1994 stattfand, gab es in den USA überhaupt keine funktionierende Profiliga. Nach dem Kollaps der legendären North American Soccer League im Jahr 1984 (in der einst Pelé und Beckenbauer spielten) gab es in den USA zehn Jahre lang keine landesweite Top-Profiliga. Als die USA die WM 1994 ausrichteten, war die Bedingung der FIFA, eine solche zu gründen. Das passierte mit der Major League Soccer (MLS), die 1993 formell ins Leben gerufen wurde, aber erst 1996 ihren tatsächlichen Spielbetrieb aufnahm – mit mageren 10 Teams. Heute ist die MLS auf 30 Vereine angewachsen und füllt moderne Stadien im ganzen Land.
Fussball galt in den USA jahrzehntelang als Randsportart. Umfragen – unter anderem im Auftrag des Wirtschaftsmagazins «The Economist» – zeigen jedoch ein historisches Novum: Rund 10 % der Amerikaner nennen Fussball inzwischen ihren Lieblingssport. Damit hat Soccer den traditionellen amerikanischen Volkssport Baseball (9 %) vom dritten Platz verdrängt – hinter American Football und Basketball.
In den 90er-Jahren mussten die Teams in riesigen, meist halbleeren American-Football-Arenen auf unpassenden Spielfeldern oder gar Football-Kunstrasen kicken. 1999 setzte Columbus Crew mit dem ersten reinen, für den Fussball konzipierten Stadion einen Meilenstein. Heute spielen fast alle MLS-Teams in hochmodernen, speziell für den Fussball gebauten Arenen. Diese Stadien bieten eine enge, europäisch inspirierte Stadionatmosphäre. Ein entscheidender Faktor, warum die Begeisterung und die Ticketnachfrage so massiv gestiegen sind.
Während die Männer in den Neunzigern sportlich und finanziell kriselten, dominierte das Frauen-Nationalteam die Weltspitze. Ihre historischen Erfolge (wie die Heim-WM 1999 vor über 90.000 Fans im Stadion) bewiesen Sponsoren und TV-Sendern erstmals das gigantische wirtschaftliche Potenzial von «Soccer» in den USA – das hielt die Geldgeber für den gesamten Sport bei der Stange. Zudem lösten die Frauen einen beispiellosen Jugend-Boom aus, der Fussball zum Familiensport Nummer eins machte. Aus dieser damals geschaffenen Talent- und Fanbasis speisen sich heute neben der eigenen, extrem boomenden Frauen-Profiliga auch die vollen Stadien der MLS sowie die professionellen Männer-Akademien.
1994 spielte man mangels Alternativen in riesigen American-Football-Arenen vor oft spärlicher Kulisse. Mittlerweile hat der Fussball eigene Massen angezogen: Im Juli 2023 brach das Derby zwischen LA Galaxy und dem Los Angeles FC im Rose Bowl mit 82.110 Zuschauern den Allzeit-Rekord für ein reguläres MLS-Spiel. Der Zuschauerschnitt der gesamten Liga liegt mittlerweile stabil bei über 22.000 pro Partie – ein weltweiter Top-10-Wert. Aufgrund der vielen Spiele mit 30 Teams liegt die MLS mit über 11 Millionen Zuschauer weltweit gar auf Platz 2 was die Gesamtzahl der Zuschauer pro Saison anbelangt.
Finanziell hat sich der US-Fussball komplett professionalisiert. Kostete der Einstieg als Teambesitzer in die MLS in den frühen 2000ern noch rund 5 bis 10 Millionen Dollar, knackte 2015 mit dem New York City FC erstmals ein Verein die 100-Millionen-Dollar-Grenze. Heute liegt die Franchise-Gebühr für neue Teams bei mehreren 100 Millionen Dollar. Der jüngste Neuzugang San Diego FC stellte 2025 mit einer Franchisegebühr von 500 Millionen Dollar den aktuellen Allzeit-Rekord auf. Spitzenklubs wie Inter Miami oder der Los Angeles FC haben mittlerweile einen Marktwert von über einer Milliarde Dollar.
Mussten die USA früher alternde Weltstars (wie damals Lothar Matthäus oder später David Beckham) einkaufen, um Aufmerksamkeit zu generieren, sind sie heute eine echte Talentschmiede. Junge US-Spieler wechseln reihenweise im Teenager-Alter für zweistellige Millionenbeträge zu europäischen Spitzenklubs (wie Christian Pulisic, Weston McKennie oder Folarin Balogun). Der US-Fussball hat sich von einem völlig isolierten Markt ohne messbare Transferaktivitäten zu einem globalen Player entwickelt, der jährlich über 800 internationale Spielertransfers abwickelt und dabei ein Gesamtvolumen von knapp 400 Millionen Dollar an Transfergebühren bewegt.