Zoff im Training

Wars das in Brescia? Trainer schickt Balotelli vom Platz

SB10

21.11.2019

Mario Balotteli ist wieder einmal in den (Negativ-)Schlagzeilen.
Bild: Keystone

Die Skandalakte von Mario Balotelli scheint um ein Kapitel reicher zu werden. Er soll von Brescia-Trainer Fabio Grosso vom Trainingsgelände verwiesen worden sein, nachdem er offenbar zu wenig Einsatz zeigte. Auch ein Abgang ist ein Thema.

Grosse Unruhe herrschte am Donnerstag Nachmittag im beschaulichen Örtchen Torbole, das idyllisch am Gardasee liegt. Dort trainiert der italienische Erstligist Brescia Calcio. Und seit dieser Saison ist auch der verlorene Sohn Mario Balotelli im Kader zu finden. Er wurde zwar in Palermo geboren, wuchs aber nur wenige Kilometer von Brescia entfernt bei einer Adoptivfamilie auf.

Das Ausnahmetalent stand später zwar bei illustren Klubs wie Inter, Manchester City, Milan oder Liverpool unter Vertrag, doch mehr als durch sportliche Leistungen fiel der Stürmer durch seine vielen Disziplinlosigkeiten auf, was «Super Mario» an einer Weltkarriere hinderte.



Begeisterung ist weg in Brescia

Seit diesem Sommer spielt der inzwischen 29-Jährige also wieder in seiner Heimatstadt. Doch statt eines Aufschwungs geistert in der Lombardei das Abstiegsgespenst herum. Das Team ist derzeit Tabellenletzter in der Serie A. Und die grosse Euphorie um Balotelli ist auch verflogen. Seit seinem Debüt für «Le Rondinelle» (die kleinen Schwalben) am fünften Spieltag – vier Partien musste er aufgrund eines Platzverweises im letzten Spiel für Marseille aussetzen – holte Brescia in sieben Partien nur einen Punkt, was auch Trainer Eugenio Corini Anfang November den Kopf kostete. In sieben Spielen traf Balotelli bisher erst zwei Mal. 

Zu allem Übel wurde er beim Auswärtsspiel in Verona Opfer von dumpfem, Rassismus. Hellas-Fans hatten ihn mehrfach mit Affenlauten und rassistischen Rufen beleidigt.



Seit Anfang November ist mit dem früheren italienische Nationalspieler Fabio Grosso auch ein neuer Coach am Werk. Der 41-jährige Grosso stand in der italienischen Weltmeister-Elf von 2006. Im Finale gegen Frankreich verwandelte er den entscheidenden Elfmeter. Zuvor hatte er bereits im Halbfinale beim 2:0 gegen Deutschland das vorentscheidende 1:0 in der 119. Minute erzielt.

Hoffnung auf Rückkehr lebt immer noch

Und Grosso musste nun kurz nach seiner Amtsübernahme seinen Schützling Mario Balotelli vom Trainingsgelände verweisen. Gemäss Medienberichten liess er es an Einsatz vermissen, so dass Balotelli im Trainingsspiel nur das Ersatzleibchen fasste und am Wochenende die Ersatzbank drohte.

Balotelli soll danach direkt in der Garderobe verschwunden sein, um kurz darauf mit seinem Auto abzudüsen. Die Klubführung hingegen spielt die Geschichte herunter und erklärte, dass Balotelli bei Taktik-Tests vorzeitig ersetzt worden sei und er deshalb so früh in die Umkleidekabine marschierte.

Nach einer durchzogenen Leistung gegen Polen in der Nations League verzichtete Roberto Mancini (r.) auf Mario Balotelli.
Bild: Getty

Selbst wenn diese Version stimmen sollte, hat sich Balotelli mit dieser Episode keinen Gefallen getan. Schliesslich wollte er seine Rückkehr nach Italien auch dazu nutzen, sich wieder in die Squadra Azzurra zu spielen. Seit September 2018 wurde er nicht mehr in die Nationalelf berufen.

Die Massnahme von Grosso könnte auch das Kapitel Brescia für ihn beenden. So soll es in seinem Vertrag eine Klausel geben, wonach der Verein ohne Strafzahlung in der Winterpause den Kontrakt auflösen kann.

Trotz allem darf sich Balotelli – wenn er etwa an seine Leistungen aus der Ligue 1 anknüpfen kann – noch Hoffnungen auf ein Comeback in der Landesauswahl machen. Nati-Trainer Roberto Mancini kennt seine Fähigkeiten aus früheren Tagen – er war sein Vorgesetzter sowohl bei Man City als auch bei Inter — und schloss eine Rückkehr für die EM 2020 nicht aus. Balotelli selbst hatte als gutes Omen an einer EM seinen bisherigen Karriere-Höhepunkt. 2012 schoss er Italien mit seinem Doppelpack im Halbfinal gegen Deutschland ins Endspiel. Es wäre schön anzusehen, wenn Balotelli im Sommer für die «Azzurri» wieder die Muskeln spielen lassen könnte.

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