Warum es gegen Paderborn Elfmeter gab und gegen die Bayern nicht

tbz

2.6.2020 - 07:05

Emre Can verschuldet gegen Paderborn einen Elfmeter. Im Spiel gegen die Bayern hätte es diesen wohl nicht gegeben.
Bild: Getty

Handspiel oder nicht? Die ewige Frage könnte die diesjährige Bundesliga-Saison zugunsten der Bayern entschieden haben. Aber wieso gibt es in gewissen Fällen Elfmeter und in anderen nicht?

Mit einem 6:1 bei Paderborn hält Borussia Dortmund am Wochenende die kleine Resthoffnung auf die Meisterschale am Leben. Zu reden gibt nach dem Spiel aber vor allem das eine Tor der Gastgeber. Dieses fällt per Elfmeter nach einer Szene, die es in sehr ähnlicher Form bereits im Bayern-Spiel gab. Der einzige Unterschied: Damals gab es keinen Elfmeter für den BVB. Nun erklärt DFB-Schiri-Boss Lutz Fröhlich warum.

Im Top-Spiel der Bundesliga vor einer Woche lenkt Jérôme Boateng einen Schuss der Dortmunder aus kurzer Distanz um den Kasten der Münchner. In der Zeitlupe wird klar: Der Bayern-Verteidiger spielt den Ball dabei mit dem Arm. Allerdings ist dieser nur leicht vom Körper abgespreizt und Boateng selbst guckt in die entgegengesetzte Richtung. Von Absicht kann also nicht die Rede sein – es gibt keinen Elfmeter.

Fünf Tage später blockt Dortmunds Emre Can in Paderborn ebenfalls einen Schuss aus kurzer Distanz mit dem Arm. Auch Can guckt dabei in eine andere Richtung – die Szenen sind sich zum Verwechseln ähnlich. Der grosse Unterschied: Hier zeigt Schiedsrichter Siebert auf den Punkt. Auch die Konsultation des Video-Schiedsrichters ändert nichts am Entscheid. Der Frust bei den BVB-Fans ist verständlich. Aber wie kommt es bei zwei so ähnlichen Szenen zu zwei so unterschiedlichen Entscheiden? DFB-Schiri-Boss Lutz Fröhlich löst gegenüber der «Bild» auf.

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Gegen Bayern blieb Borussia Dortmund ein möglicher Hand-Elfmeter verwehrt. In Paderborn wurde in ähnlicher Situation nun gegen den BVB entschieden. Lucien Favre zeigt dafür kein Verständnis.

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«Entscheidend, was der Schiedsrichter wahrgenommen hat»

«Beide Fälle sind im Grenzbereich und es waren keine offensichtlichen und klaren Fehlentscheidungen», so der 62-Jährige. Das Problem aus Sicht des BVB ist also, dass der Schiedsrichter im Bayern-Spiel ursprünglich keinen Elfmeter gibt. So wird es für den Video-Schiedsrichter zu einem Ding der Unmöglichkeit, die Entscheidung umzuwerfen. Das darf er nämlich nur, wenn es sich um einen klaren Fehlentscheid handelt.



Im Spiel gegen Paderborn zeigt Schiedsrichter Siebert aber nach Cans Handspiel direkt auf den Punkt. Der BVB tappt damit erneut in die VAR-Falle. Denn nun ist es für die Assistenten in Köln erneut nicht zulässig, den Entscheid zu ändern.

Die Regel macht den Dortmundern also gleich zweimal einen Strich durch die Rechnung. Trotzdem sieht sie Fröhlich als notwendig: «Es muss entscheidend bleiben, was die Schiedsrichter auf dem Platz wahrgenommen haben, sonst wären die Schiedsrichter ja nur noch draussen an den Monitoren und genau das wollen wir ja nicht.»

Verständnis über den Frust ist aber auch beim Schiri-Boss vorhanden: «Es hätte der gängigen Auslegung eher entsprochen, hätte es den Strafstoss beim Spiel Dortmund gegen Bayern gegeben, den bei Paderborn gegen den BVB dafür aber nicht. Denn bei Can war der Arm sehr nah am Körper. Bei Boateng sieht man schon eher eine Bewegung in die Flugbahn des Balles.»

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