Heuchlerische Berichterstattung – für Hegerberg interessiert sich niemand

5.12.2018 - 17:22, pat

Am 24. Mai 2018 gewann Ada Hegerberg mit Lyon zum dritten Mal in Folge die Champions League.
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Können Sie twerken, fragte der Moderator der Ballon-d’Or-Gala» die Gewinnerin. Der «Skandal» war perfekt, alle Medien berichteten darüber, in den sozialen Medien erntete der Moderator einen Shitstorm. Doch hat sich ernsthaft jemand für Ada Hegerberg interessiert? Nö.

Die Frage war dumm, primitiv, unnötig: Zu Recht ärgerten sich Leute darüber, dass sich die Weltfussballerin mit einer solchen Frage konfrontiert sah. Eine Frage, die einem männlichen Pendant niemals gestellt würde. Wo bleibt da der Respekt gegenüber der Weltfussballerin Ada Hegerberg? Gegenüber dem Frauenfussball im Allgemeinen?

Doch das Ganze ist auch ein wenig heuchlerisch. Denn was sich Hegerberg wohl wirklich gewünscht hätte, das wären Schlagzeilen über ihre sportlichen Erfolge gewesen. Stattdessen wurde sie zu einem «Sexismus-Opfer» degradiert. Das kann nicht in ihrem Sinn gewesen sein, denn weder sie noch der Frauenfussball gewinnen dadurch an Popularität. All jene, die sich wirklich für die Fussballerin Ada Hegerberg interessieren, die dürfen nun gerne weiterlesen.

Die Karriere von Weltfussballerin Ada Hegerberg?

Hegerberg erblickte am 10. Juli 1995 im norwegischen Sunndalsora das Licht der Welt. Am Montag wurde sie zur besten Fussballerin der Welt gewählt – weil sie eine verdammt gute Kickerin ist.

Luka Modric, Ada Hegerberg und Kylian Mbappé posieren nach der Preisvergabe für die Fotografen.
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Mit 16 Jahren debütierte sie in der höchsten norwegischen Liga, erzielte in ihrer ersten Saison in 20 Spielen 12 Tore. 2012 wechselte sie gemeinsam mit ihrer Schwester Andrine zu Ligakonkurrent Stabæk. In 15 Spielen erzielte Ada Hegerberg 21 Tore und setzte sich im Pokalfinale ein Denkmal – beim 4:0-Sieg gegen Røa IL erzielte sie drei Treffer.

Nach diesem Erfolg zog sie weiter nach Deutschland zu Turbine Potsdam und erreichte dort in der zweiten Saison das Halbfinale der Champions League. Im Juli 2014 wechselte Hegerberg, immer noch im Teenager-Alter (19), zum französischen Serienmeister Olympique Lyon. Der Klub ist inzwischen das Mass aller Dinge im europäischen Frauenfussball und gewann zuletzt dreimal in Folge die Champions League. Die französische Meisterschaft hat Olympique Lyon seit der Saison 2006/07 immer gewonnen. Inzwischen gibt es aber ernstzunehmende Konkurrenz – das Frauenteam von PSG will Lyon den Titel streitig machen und liegt in der laufenden Saison nach zwölf Runden nur zwei Punkte hinter dem Leader.

Ada Hegerberg mit Teamkollegin Shanice van de Sanden nach dem Gewinn der Champions League.
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Zurück zu Hegerberg. Ihre Torquote ist schlichtweg der Wahnsinn: In 95 Spielen für Lyon erzielte die 23-Jährige sagenhafte 120 Tore! In dieser Saison erzielte sie wettbewerbsübergreifend in 14 Spielen 14 Tore. Und die besten Jahre, bleibt sie von Verletzungen verschont, hat sie noch vor sich.

Rücktritt aus der Nati mangels Respekt

Ihre Karriere im Nationalteam beendete Hegerberg im Sommer 2017 nach gut vier Jahren und 66 Spielen. An der EM 2013 in Schweden erreichte sie mit Norwegen das Finale, unterlag dort Deutschland denkbar knapp mit 0:1. An der WM 2015 erzielte sie in vier Spielen drei Tore und war damit die beste Torschützin ihres Teams – im Achtelfinale scheiterte Norwegen an England (1:2). Nach dem Aus bei der EM 2017 war sie enttäuscht, wie wenig Respekt dem Frauenfussball in Norwegen entgegengebracht wird. Das Team scheiterte in der Gruppenphase sang- und klanglos, verlor alle Spiele und erzielte dabei erstmals kein einziges Tor.

Hegerberg ärgerte sich, dass sie in Norwegen aufgehört hätten, über die Entwicklung zu sprechen. «Andere Länder haben uns überholt.» Dabei sei Fussball der wichtigste Sport für norwegische Mädchen, dennoch hätten die Männer viel bessere Möglichkeiten und kassierten doppelt so hohe Prämien. Im Oktober 2017 reagierte der Verband, seither sind die Prämien der Frauen gleich hoch wie jene der Männer. Dennoch meinte Hegerberg am Montag bei der Gala, dass sie zurzeit ein Comeback ausschliesse, da der Respekt gegenüber den Fussballerinnen immer noch fehle. Sollte sich das nicht ändern, so könnte es sein, dass wir die beste Fussballerin der Welt bei der WM 2019 nicht im Einsatz sehen. Es wäre ein Jammer.

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