Wieso die finanzielle Vorherrschaft der Premier League lange absehbar war

15.3.2019 - 18:35, Tobias Benz

Die Trainer Pochettino, Guardiola, Solksjaer und Klopp haben dank prall gefüllten Kassen gut lachen.
Bild: Getty

Mit Tottenham Hotspur, den beiden Manchester-Klubs und dem FC Liverpool stehen in der Champions League vier englische Mannschaften unter den letzten Acht. Ein lange absehbarer Trend setzt sich durch.

Jahrelang waren es die spanischen Teams, die in den europäischen Wettbewerben dominierten. In den letzten zehn Jahren kam der Sieger der Champions League sieben Mal von der iberischen Halbinsel, in der Europa League war man sechs Mal erfolgreich. Diese Dominanz scheint sich nun langsam in Richtung England zu verschieben.

Selbstverständlich wurden noch keine Titel vergeben, aber von den verbliebenen acht Mannschaften in der Champions League sind vier aus der Premier League. In der Europa League bietet sich ein ähnliches Bild. Mit Chelsea und Arsenal stehen die Briten auch hier in der Pole-Position für die Trophäe. Und das ausgerechnet zu Zeiten des Brexits.

Während sich die britische Regierung in London alle Mühe gibt, endlich aus der Europäischen Union auszutreten, weigern sich die Fussballriesen der Nation stursinnig gegen das Ende ihrer europäischen Verbundenheit. Einzig beim FC Burnley scheinen die Worte von Theresa May nicht auf taube Ohren gefallen zu sein – der Siebtplatzierte der letztjährigen Premier League vollzog den fussballerischen Brexit bereits am 30. August. Wenn da den Abgeordneten im britischen Unterhaus nicht der Mund offen stehen bleibt.

Money, money, money

Was die englischen Mannschaften so stark macht, ist seit langem kein Geheimnis mehr – es ist Geld. Sehr viel Geld. Die Fernsehrechte der Premier League für die Jahre 2016 bis 2019 wurden für fast acht Milliarden Dollar an «Sky» und «BT» verkauft. Das ist ein Vielfaches im Vergleich zu dem, was andere Ligen einnehmen und macht sich nun langsam aber sicher auch auf dem Platz bemerkbar.

Bezahlt werden die Unsummen selbstverständlich von den englischen Zuschauern, die monatlich Hunderte von Franken dafür ausgeben müssen, um ihrem Lieblingsteam von der heimeligen Couch aus zuzuschauen. Aber die Premier League lässt sich nicht nur auf der Insel gut verkaufen, sondern auf dem ganzen Globus. Und genau dort liegt der Grundstein zum finanziellen Paradies, in dem sich der englische Fussball zurzeit befindet.

Die Macht der Anstosszeiten

Die Engländer trennten sich lange vor der Jahrtausendwende und viel früher als die anderen Ligen Europas von ihren traditionellen Anstosszeiten. Indem neben dem Samstag auch der Freitag, Sonntag und Montag als Spieltag eingeführt wurde und die Spiele nicht immer genau um 15:00 Uhr, sondern auch schon um 12:45 Uhr oder um 17:00 Uhr angepfiffen wurden, schuf die Premier League ein einzigartiges globales Angebot. Plötzlich konnten die Spiele der englischen Teams weltweit verfolgt werden. Im Nahen Osten am späten Nachmittag, in den USA vor der Mittagspause und in Indonesien bei Einbruch der Nacht. Und dazu gab es auch fast keine Spielüberschneidungen mehr. 

Zum Vergleich: Die spanische Primera Divison und die italienische Serie A zeigen immer noch viele Partien spätabends, mit Anspielzeiten gegen 21:00 Uhr. Der Nahe Osten befindet sich zu dem Zeitpunkt im Tiefschlaf, in Asien ist noch niemand aufgestanden und in den USA stehlen am Nachmittag Baseball, American Football, Eishockey und Basketball die Show.

Ein Näschen für Marktwirtschaft

Der Premier League sind dadurch Mehreinnahmen garantiert. Obwohl andere europäische Ligen mittlerweile das englische Konzept kopiert haben, dürfte sich an der Vormachtsstellung der Premier League so bald nichts ändern. In vielen Ländern fernab von Europa hat sich der englische Fussball bereits etabliert und es sind treue Fangruppen entstanden.

Dass vier der letzten acht Teams in der Champions League aus England kommen, ist also kein Zufall, sondern das Ergebnis eines lange absehbaren Trends, der sich nun langsam aber sicher durchsetzt. Die Briten haben sich marktwirtschaftlich äusserst clever verhalten und sich gegenüber dem Rest von Europa einen klaren Vorteil verschafft. Zumindest im Fussball – der Brexit ist noch einmal eine ganz andere Geschichte.

Zurück zur StartseiteZurück zum Sport

Weitere Artikel