Notfallplan Nations League Wieso ein Abstieg für die Nati ganz gut wäre

Von Martin Abgottspon

10.6.2022

Xherdan Shaqiri konnte in den letzten Partien keine entscheidenden Akzente setzen.
Xherdan Shaqiri konnte in den letzten Partien keine entscheidenden Akzente setzen.
Getty Images

Die Nati braucht in der Nations League schon fast ein Wunder um nicht abzusteigen. Vielleicht wäre es aber ohnehin besser, wenn dieses ausbleibt. Zumindest im Hinblick auf die WM 2026.

Von Martin Abgottspon

10.6.2022

Drei Spiele, drei Niederlagen: Die Nations League sorgt bei Schweizer Fans in diesen Tagen eindeutig nicht für Freudensprünge. An ein Weiterkommen ist zur Halbzeit der Gruppenphase schon fast nicht mehr zu denken, viel wahrscheinlicher ist es, dass die Nati sogar in die Weltgruppe B absteigt.

Gegen die Tschechen wäre ein Sieg im Rückspiel Pflicht, zudem müsste das Team von Murat Yakin auch gegen Portugal oder Spanien einen Sieg einfahren, um einen Abstieg noch zu verhindern. Keine einfache Aufgabe, wie man zuletzt gesehen hat.

Streller: «Ein Schritt in die richtige Richtung»

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Ein massgeschneiderter Notfallplan

Doch was hätte der Abstieg in die Weltgruppe B zu bedeuten? Auf den ersten Blick wäre es natürlich ein herber Dämpfer. Statt gegen Fussball-Grossmächte wie Deutschland, Italien oder Spanien würde man auf Nationen wie Bulgarien, Norwegen oder Rumänien treffen. Da die Nations League ohnehin schon nicht die grösste Aufmerksamkeit generiert, würde sie aus Schweizer Sicht noch unbedeutender. Von vollen Stadien ist nicht auszugehen, was auch finanziell negativ zu Buche schlagen würde.

Und trotzdem könnte ein Abstieg zumindest aus sportlicher Sicht für die Schweiz ein echter Glücksfall sein. Denn auch in Zukunft soll die Nations League weiterhin ein Bestandteil der grossen Endrunden-Kampagne bleiben. Das heisst, Teams können sich über die Nations League doch noch für eine EM oder WM qualifizieren, wenn sie das in der regulären Qualifikation nicht sowieso schon geschafft haben. 

Österreich hat die zweite Chance verpatzt

Die besten Gruppensieger jeder der vier Weltgruppen erspielen sich bei der Nations League die Chance auf ein Playoff-Ticket. Im Hinblick auf die WM 2026 könnte die Schweiz sich dadurch relativ gute Chancen ausmalen, die Nations League als Notfallschirm zu nutzen. Da die Schweiz in der Weltgruppe B gegen praktisch jedes Team als Favorit in die Partie gehen würde, wären die Chance auf eine nachträgliche WM-Qualifikation weit höher einzuschätzen.

So hat sich beispielsweise auch Österreich beim letzten Nations-League-Turnier die Chance bewahrt, sich doch noch für die WM in Katar zu qualifizieren. Allerdings scheiterten unsere östlichen Nachbarn beim Playoff-Turnier in diesem Frühling dann aber an Wales. Das Team um Gareth Bale wiederum hat sich mit einem Sieg gegen die Ukraine nun für die WM 2022 qualifiziert.

WM-Qualifikation so einfach wie noch nie?

Natürlich bleibt zu hoffen, dass die Schweiz den Notfallplan Nations League gar nicht braucht. Dafür scheinen die Chancen ebenfalls so gut wie nie. Bei der nächsten WM werden sich aller Voraussicht nach nämlich erstmals 48 Nationen für die Endrunde qualifizieren. Die Zahl der Teilnehmer in jeder Konföderation würde steigen. Dieser Plan ist von der FIFA zwar noch nicht definitiv abgesegnet, wird aber mit grosser Wahrscheinlichkeit so kommen.

Allerdings muss man auch bedenken, dass der Nati in naher Zukunft ein kleiner Umbruch bevorsteht. Zwölf Spieler aus dem aktuellen Kader sind bereits 30 Jahre oder älter. So gesesehen ist es irgendwie ganz beruhigend zu wissen, dass man unabhängig von der Qualifikation noch eine Chance hat, an der WM dabei zu sein.

Mit einem Abstieg in der Nations League würde die Nati tatsächlich den besten Grundstein dafür legen.