Nach dem Scheitern in der WM-Qualifikation hat Kameruns Verbandsboss Samuel Eto’o einen neuen Cheftrainer bestimmt – doch Ex-Coach Marc Brys erkennt das nicht an und agiert weiterhin, als sei er im Amt. Jetzt hat er seinen Kader für den Afrika-Cup bekannt gegeben.
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- In Kamerun herrscht ein Machtkampf um den Posten des Nationaltrainers, da der entlassene Marc Brys seine Absetzung durch Verbandspräsident Samuel Eto’o nicht anerkennt und weiterhin als Trainer agieren will.
- Sowohl Brys als auch sein offiziell ernannter Nachfolger David Pagou haben jeweils eigene Kader für den bevorstehenden Afrika-Cup nominiert, was die Spaltung im Verband weiter vertieft.
- Spekulationen um Eto’os Einfluss auf Spieler-Nominierungen – insbesondere das Fehlen von Torjäger Aboubakar – sorgen zusätzlich für Unruhe.
Die WM 2026 geht ohne Kamerun über die Bühne. Mit Marc Brys wurde die Qualifikation verpasst, was Verbandspräsident Samuel Eto’o dazu veranlasst hat, den Trainer zu entlassen und David Pagou als neuen Chefcoach zu installieren.
Pagou gab sich bei seinem Amtsantritt demonstrativ entschlossen. Bei seiner Präsentation erklärte der 56-Jährige: «Ich bin das Kind eines Militärs. Daher werden wir versuchen, die Disziplin wiederherzustellen und diesem Team ein neues Image zu verleihen.»
Ob Pagou tatsächlich die Autorität besitzt, diesen Führungsanspruch umzusetzen, ist allerdings offen. Zweifel daran äussert ausgerechnet sein Vorgänger. Der Belgier Marc Brys betreute die «Unbezähmbaren Löwen» offiziell vom 3. April 2024 bis zum 1. Dezember 2025.
Brys entlassen – oder doch nicht?
Sportlich fiel seine Bilanz durchaus positiv aus: In 17 Partien kassierte Kamerun nur zwei Niederlagen. Doch beide hatten gravierende Folgen. Das 0:1 gegen Kap Verde am 9. September kostete den Gruppensieg in der WM-Qualifikation. Und mit dem erneuten 0:1 im Playoff-Halbfinale gegen die Republik Kongo am 13. November war das WM-Aus für 2026 in den USA, Kanada und Mexiko besiegelt.
Für Eto’o war das offenbar der Wendepunkt. Kamerun hält mit acht WM-Teilnahmen den afrikanischen Rekord – das Verpassen der Endrunde gilt als nationales Versagen. Der Verbandschef zog die Konsequenzen, entliess Brys und präsentierte Pagou als neuen Mann an der Seitenlinie.
Der Belgier widerspricht dieser Darstellung allerdings vehement. Er argumentiert, nicht vom Verband, sondern direkt vom Sportministerium engagiert worden zu sein. Entsprechend könne auch nur diese Instanz ihn absetzen. In der flämischen Nachrichtensendung «VTM Nieuws» ging Brys frontal auf Eto’o los: «Eigentlich bin ich nicht überrascht. Es kommt von jemandem, der narzisstisch ist und sich für den Besten hält. Eto’o hatte von Anfang an das Ziel, mich loszuwerden, schon von der ersten Minute an hat er mich beleidigt. Ich war ihm einfach zu stark.»
Zwei unterschiedliche Kader
Da Brys sich weiterhin als amtierender Nationaltrainer betrachtet, hat er seinen eigenen Kader für den Afrika-Cup bekanntgegeben. Parallel dazu präsentierte auch Pagou eine Auswahl (siehe am Ende des Artikels). Laut Brys sei diese jedoch von Eto’o persönlich «diktiert» worden.
Auffällig ist bei Pagous Aufgebot das Fehlen prominenter Namen. Torhüter André Onana gehört ebenso wenig dazu wie Stürmer Vincent Aboubakar. Gerade die Nicht-Nominierung von Aboubakar, eigentlich der Captain des Nationalteams, sorgt in Kamerun für Diskussionen.
In Medien und sozialen Netzwerken kursiert eine These, die für zusätzlichen Zündstoff sorgt: Eto’o ist mit 56 Treffern Rekordtorschütze der Nationalmannschaft, Aboubakar folgt mit 45 Toren. Demnach soll der Verbandspräsident befürchtet haben, seinen Spitzenplatz zu verlieren – und auf einen Verzicht gedrängt haben.
Bestätigt sind die Spekulationen aber nicht. Gesichert ist hingegen, dass Brys auf Konfrontation setzt. In seinem Kader stehen sowohl Aboubakar als auch Onana. Ebenfalls dabei: Eric Maxim Choupo-Moting von den New York Red Bulls. Auch der frühere Bayern-Stürmer fehlt im Aufgebot von Pagou.
Im Gespräch mit «TV5 Monde» stellte Brys zuletzt nochmals klar: «Solange es kein vom Präsidenten des Landes unterschriebenes Dokument gibt, auf dem er David Pagou zum Trainer erklärt, bleibe ich der Trainer. Darüber gibt es keine Diskussionen, und so läuft es in Kamerun seit 30 Jahren.»
Der Afrika-Cup startet am 21. Dezember. Bis dahin dürfte sich das Machtgerangel im kamerunischen Fussball weiter zuspitzen.