Nati-Spieler Djibril Sow redet im Interview mit blue Sport über den FC Sevilla, sein Leben in Andalusien, Halloween – und das anstehende Duell mit dem grossen FC Barcelona.
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- Mit blue Sport redet der Schweizer Dijbril Sow (28) über sein Leben im fussballverrückten Sevilla, und verrät, weshalb er Ivan Rakitic dankbar ist und weshalb er Landsmann Ruben Vargas fast schon zum Wechsel nach Andalusien gedrängt habe.
- Zum Duell gegen den FC Barcelona sagt der Zürcher: «Wenn sie im Flow sind, sind sie kaum zu stoppen. Aber sie sind verwundbar, wenn es ihnen nicht auf Anhieb gut läuft. Dann spürt man ihre Unerfahrenheit. Anders als bei Real.»
- Sevilla mit Sow und Vargas gegen das grosse FC Barcelona gibt's am Sonntagabend um 21:00 Uhr live auf blue TV zu sehen.
Djibril Sow weiss schon länger, was sich hinterm Begriff Euphorie verbirgt. Er erlebte als Young Boy, wie das Wankdorf 2018 beim titelentscheidenden Spiel gegen Luzern fast implodierte, als Jean-Pierre Nsame die Berner kurz vor Ende zum Sieg und dem ersten Meistertitel nach 32 Jahren schoss. Er war dabei, als die Frankfurter Eintracht durch Europa fegte und die Fans der Hessen auf dem Weg zum Europa-League-Titel 2022 auch auswärts die Stadien füllten. Unvergessen ist vor allem, als mehr als 30 000 Frankfurter das Camp Nou von Barcelona kaperten.
So 09.02. 20:55 - 23:05 ∙ blue Sport Live ∙ Sevilla FC - FC Barcelona
Event ist beendet
Und doch öffnen sich dem 27-jährigen Sow in Sevilla, wo er seit 2023 spielt, noch mal neue Dimensionen. «Du kannst nicht auf die Strasse gehen, ohne dass dich jemand erkennt», sagt Sow. «Das sind Fussball-Verrückte. Überall sprechen sie dich an für ein Foto. Das ist völlig okay, aber es ist auch eine Umstellung.» Die Spanier seien «halt emotional und temperamentvoll» - was man besonders merke, wenn davor in der Schweiz und Deutschland gespielt habe, sagt Sow. «Auch für die Familie war es neu.» Er kennt mittlerweile Orte, wo es etwas ruhiger zugeht. Und doch gilt: «Man kann natürlich rausgehen als Spieler – aber es wird schnell zu viel.» Zuletzt erlebte er das an Halloween Ende Oktober. «Viele Leute wissen, wo man wohnt. Und dann kommen natürlich viel mehr Kinder vorbei, die ihre Sprüche aufsagen», sagt Sow. «Aber das ist ja auch lustig.»
Rakitic hat Sow am Anfang sehr geholfen
Ohnehin hat sich der 41-fache Schweizer Nati-Spieler gut beim FC Sevilla eingelebt. Inzwischen spricht er auch Spanisch. Eine Sprache, die ihm vor seinem Wechsel fremd war. «Das war sicher die grösste Hürde. 95 Prozent der Menschen in Sevilla sprechen nur Spanisch und kaum Englisch oder Deutsch.» Inzwischen klappt die Verständigung bestens – was auch im Arbeitsalltag unerlässlich ist. Sow sagt: «Auch der Trainer konnte nur Spanisch.» Das war zu Beginn José Luis Mendilibar, der Sevilla zum Sieg in der Europa League gecoacht hatte – und bald Geschichte war. Vier Trainer hat Sow in gut eineinhalb Jahren in Andalusien bereits erlebt. Der heutige heisst Garcia Pimienta.
Zu Beginn seiner Zeit in Südspanien wurde Sow vom schweizerisch-kroatischen Weltstar Ivan Rakitic unterstützt. «Er hat mir viel geholfen und vieles für mich übersetzt.» Inzwischen spielt der 36-jährige Rakitic in Kroatien bei Hajduk Split. Dafür hat er nun mit Ruben Vargas (26) einen Nati-Kollegen im Team; zudem lebt auch Ricardo Rodriguez (32) in der Stadt, der für den Lokalrivalen Real Betis spielt. Vargas habe er fast schon zum Wechsel nach Sevilla gedrängt: «Ich habe ihm gesagt, dass es ihm mega gut täte, hier zu spielen. Sevilla ist ein grosser Klub, auch wenn wir eine schwierige Phase haben.»
Sow: «Wir trainieren hier sehr wenig Taktik»
Früher Dauergast und mehrfacher Titelgewinner in der Europa League, darbt der FC Sevilla derzeit nur im unteren Mittelfeld. «Für Ruben ist es aber der perfekte Schritt. Zum Glück hat es geklappt.»
Die neue Sprache, die neue Heimat (Sow: «Die Lebensqualität in Sevilla ist extrem hoch. Es ist die wärmste Stadt in Europa.») – das war schon Umstellung genug für Sow und seine Familie und wird es auch für Vargas sein. Doch auch sportlich unterscheidet sich Spanien von Deutschland. «Was mich wirklich überrascht hat, war dass wir sehr wenig Taktik trainieren. In Deutschland wird nichts dem Zufall überlassen. Viel Taktik, viel Analyse», erzählt Sow. «Hier haben wir praktisch nie eine Videoanalyse und solche Sachen.» Dafür sei die Intensität des Spiels in La Liga höher.
Titelrennen: Sow glaubt an Real
Am Sonntag, dem 9. Februar, empfängt Sevilla den FC Barcelona, der mit xx Punkten Rückstand auf Leader Real an dritter Stelle der Tabelle liegt. Im Oktober war Sevilla auswärts chancenlos. «Da waren sie extrem stark. Auch beim Stand von 4:1 und 5:1 haben sie nicht nachgelassen. Ich war tot nach dem Spiel», erinnert sich Sow, der allerdings bezüglich der Titelchancen der Katalanen einschränkt: «Nach dem Spiel gegen uns war ich sicher, dass sie das Titelrennen machen. Aber sie haben eine junge Mannschaft, der man zwischendurch anmerkt, dass sie unerfahren ist.»
Daher sieht Sow Real Madrid derzeit im Vorteil. Hinter den Königlichen lauert auch Stadtrivale Atletico. «Real hat für mich nicht den attraktivsten Spielstil. Aber sie haben eine enorme Qualität und Mentalität. Sie können Spiele auch zum Schluss immer noch auf ihre Seite ziehen.»
Und was erwartet er fürs Barça-Spiel am Sonntag: «Wenn sie im Flow sind, sind sie kaum zu stoppen. Aber sie sind verwundbar, wenn es ihnen nicht auf Anhieb gut läuft. Dann spürt man ihre Unerfahrenheit. Anders als bei Real.» Das wollen Sow & Co. nutzen.