Die Formel-1-Saison neigt sich dem Ende zu. Drei Rennen vor Schluss liegt Lando Norris mit 24 Punkten Vorsprung in Führung. Oscar Piastri und Max Verstappen sind in Lauerstellung. Versalzen sie dem Briten die Suppe?
Beim GP der Niederlande in Zandvoort Ende August sass Lando Norris nach einem Motorschaden mit dem Kopf in den Händen neben der Strecke. Er sah zu, wie sein Teamkollege Oscar Piastri zum Sieg fuhr und den Vorsprung in der Fahrer-WM auf 34 Punkte ausbaute.
Sechs Rennen sind seitdem vergangen und das Blatt hat sich gewendet – Norris steht vor seiner Krönung. Er profitierte seither nicht nur von einem Platztausch in Monza, als der Brite nach einem langsamen Boxenstopp hinter Piastri fiel und das Team per Stallorder den Australier aufforderte, den 2. Platz wieder seinem Teamkollegen zu überlassen, sondern auch vom Formtief Piastris.
Seit dem Rennen in Zandvoort hat Piastri nicht mehr gewonnen und wartet gar seit seinem 3. Platz in Monza auf einen Podestplatz. Der Australier hat seitdem nur 42 Zähler geholt – Norris in der gleichen Zeit 97. Damit hat der 26-jährige Brite nicht nur den Rückstand auf Piastri wettgemacht, sondern ihn auch gleich überholt.
«Ich ignoriere, was Leute sagen»
Mit 24 Punkten Vorsprung hat sich Norris in die Favoritenrolle katapultiert. Hinzu kommt, dass er an den vergangenen beiden Rennwochenenden unantastbar war – Pole-Position und Sieg in Mexiko, Pole-Position sowohl für den Sprint als auch für den GP und Sieg im Sprint und im Hauptrennen in Brasilien.
Was neben seiner Hochform für ihn spricht, ist seine im Verlauf dieser Saison gesteigerte mentale Stärke. Die schlechten Starts und die kleinen Fehler während der Rennen konnte er ausmerzen, die Buh-Rufe und Pfiffe in Mexiko und Brasilien gekonnt weglächeln. «Ich ignoriere, was Leute sagen», meinte er in São Paulo nach seinem insgesamt elften Erfolg in der Formel 1.
Während der Brite die Negativität ausblenden kann, scheint sich diese im Kopf seines australischen Teamkollegen festzusetzen. So habe die Situation mit der Stallorder in Monza beim darauffolgenden Rennen in Baku eine Rolle gespielt, wie der 24-Jährige im Podcast «Beyond the Grid» sagte. In Aserbaidschan verschlief Piastri den Start und fuhr nach 50 Sekunden in die Wand.
Dennoch sei die Beziehung zu Norris weiterhin sehr gut, wenn nicht sogar noch besser. «Manchmal gibt es kurzlebige Emotionen neben der Strecke, wir sind aber beide gut darin, Dinge auf der Strecke zu lassen», sagt der Australier.
Verstappen in Lauerstellung
Viele haben erwartet, dass der Titelkampf zwischen den beiden McLaren-Piloten bis zur letzten Runde in Abu Dhabi geführt wird. Was die meisten wohl nicht erwartet hätten, ist, dass es zu diesem Zeitpunkt der Saison dank Max Verstappen noch ein Dreikampf um die WM-Krone ist.
Der Niederländer konnte drei der letzten sieben Rennen für sich entscheiden und war viermal nicht schlechter als Dritter. Weil aber Norris nun wieder vorgelegt hat, beträgt der Rückstand des 28-Jährigen drei Rennwochenenden vor dem Ende 49 Punkte – zu vergeben sind noch deren 83 (in Katar steht das letzte Sprintrennen der Saison auf dem Programm).
Verstappen muss schon fast auf ein Wunder hoffen, auch wenn er an diesem Wochenende in Las Vegas im Vergleich mit den McLarens zu favorisieren ist. Der Red Bull ist bei Strecken mit langen Geraden stärker einzuschätzen.
In Katar und Abu Dhabi dürften dann wohl wieder Norris und Piastri Vorteile haben. Beim 57-Runden-Rennen in Katar wird allerdings auch die Strategie eine grosse Rolle spielen. Wegen sehr hohem Reifenverschleiss hat die FIA beschlossen, dass mit einem Reifensatz maximal 25 Runden gefahren werden können.