Zurbriggen über seinen Rücktritt mit 27 «Alle wollten immer nur Pirmin – ich war ausgebrannt»

Patrick Lämmle

4.2.2026

Zurbriggen: «Alle wollten immer nur Pirmin – ich war ausgebrannt»

Zurbriggen: «Alle wollten immer nur Pirmin – ich war ausgebrannt»

02.02.2026

Pirmin Zurbriggens Prominenz stieg 1985 mit dem WM-Sieg fast ins Unermessliche – 1990 hatte er vom Rummel genug und trat mit 27 zurück. Bereut hat er es nie, obwohl er deshalb den Ski-Thron Marco Odermatt überlassen musste.

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Michael Wegmann, Michael Schifferle

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Mit dem Sieg in der WM-Abfahrt 1985, dem ein wochenlanges Bangen ums «Knie der Nation» vorangegangen war, war Pirmin Zurbriggens Popularität schlagartig ins schier Unermessliche gestiegen.
  • «Alle wollten immer nur etwas vom Pirmin. Ich hatte immer weniger Zeit, mich seriös auf die Wettkämpfe vorzubereiten, gerade körperlich. Ich war irgendwann ausgebrannt.» Deshalb, und weil er mit Monika «eine wunderbare Frau» an seiner Seite hatte, ist er mit 27 zurückgetreten.
  • Ob er seinen frühen Rücktritt nicht bereue, weil er von Marco Odermatt als erfolgreichster Skifahrer abgelöst wurde, werde er oft gefragt, sagt Zurbriggen und lacht. «Es muss für einem selbst stimmen. Und für mich stimmts.»

Irgendwann wurde es ihm einfach zu viel. Die Medien, die Fans, die Trainings, der dicht gedrängte Weltcup-Kalender, Weltmeisterschaften, Olympische Spiele, Schweizer Meisterschaften, Werbetermine. Pirmin hier, Pirmin da, Pirmin überall. Mit 27 Jahren trat Pirmin Zurbriggen, das Walliser Skidenkmal, 1990 zurück – nach 40 Weltcupsiegen, vier Weltmeistertiteln, einem Olympiasieg, vier grossen Kristallkugeln für Gesamtweltcupsiege und rund einem Dutzend kleiner Kristallkugeln für Siege in Disziplinenwertungen. «Ich sagte mir: Genug ist genug. Es reicht.»

1985 war Zurbriggens Popularität schlagartig ins schier Unermessliche gestiegen. Mit dem Sieg in der WM-Abfahrt in Bormio, dem ein wochenlanges Leiden und Bangen ums «Knie der Nation» vorangegangen war, war der damals 22-jährige Walliser gefühlt über Nacht ins grelle Licht der Öffentlichkeit gedrängt worden. Nicht, dass ihn das Interesse grundsätzlich gestört hätte – nur wurde alles so viel, dass er immer mehr Mühe, das zu tun, was er eigentlich am liebsten tut: trainieren, Ski fahren, Sport treiben.

Sein Wunsch? Einfach nur Ski fahren…

«Alle wollten immer nur etwas vom Pirmin. Ich hatte immer weniger Zeit, mich seriös auf die Wettkämpfe vorzubereiten, gerade körperlich. Ich war irgendwann ausgebrannt.» Dazu kam, dass Zurbriggen «eine wunderbare Frau» an seiner Seite hatte; mit Monika ist er seit 1989 verheiratet. Und der Skistar war auch bald Vater, inzwischen von fünf Kindern. «Wenn du Ski-Profi bist, musst du den Fokus zu 100 Prozent darauf richten. Sonst bringt es nichts. Ich aber merkte, dass ich daheim wichtige Sachen vernachlässigte.» Das war es Zurbriggen irgendwann nicht mehr wert.

Wäre es gewesen, wie es sich der US-Rennfahrer Bode Miller einst erträumte, wäre Zurbriggen nicht zurückgetreten. «Ich will einfach nur Ski fahren, sonst nichts», sagte Miller. Im Zeitalter der Medien eine Illusion. Für Miller wie auch für Zurbriggen.

Rücktritt nie bereut

Pirmin Zurbriggen über Rücktritt mit 27: «Ich habe es nie bereut»

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02.02.2026

Hat er seinen frühen Rücktritt eigentlich je bereut – zumal ihn Marco Odermatt mit inzwischen 53 Siegen in der Weltcup-Statistik überflügelt hat? Zurbriggen lacht und sagt: «Darauf werde ich ständig angesprochen. Aber nein. Es muss für jeden selber stimmen. Und für mich hat es so gestimmt. Wäre ich weitergefahren, hätte ich vielleicht nicht eine solch flotte Familie und wohl auch kein Hotel aufbauen können. Und ich gehöre eh nicht zu denen, die zurückblättern und sich fragen, was wäre gewesen, wenn…» Das überlässt er lieber Journalisten.

Alle Folgen über Pirmin Zurbriggen in der Serie: «Olympia Stars: Legenden für die Ewigkeit»

Der ganze Talk mit Pirmin Zurbriggen im Video

Legenden für die Ewigkeit – mit Pirmin Zurbriggen

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04.02.2026