Beat Hefti kämpfte immer wieder gegen gedopte Konkurrenz. Doping war auch der Grund, weshalb er über fünf Jahre auf sein Olympia-Gold warten musste. Vorwürfe macht er aber niemandem – schon gar nicht den Russen.
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- An den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi wurde Beat Hefti im Zweier hinter dem Russen Alexander Subkow Zweiter.
- Nach jahrelangem gerichtlichen Ringen durfte er 2019 die Silbermedaille zurückgeben und die Goldmedaille in Empfang nehmen. Denn Subkow war bei seinem Olympiasieg gedopt.
- Hefti, der fünfeinhalb Jahre auf Gold warten musste, weil er in Sotschi betrogen wurde, ist Subkow nicht nachtragend. «Ich hatte nie Probleme mit Subkow. Er wuchs in einem System auf, in dem ich wohl gewesen wäre wie er. Sie wuchsen mit dem Doping auf.»
Es gäbe durchaus Gründe, wütend zu sein. Beat Hefti aber macht Alexander Subkow keine Vorwürfe – jenem Russen, der 2014 in Sotschi die Bobwelt betrog und auch dank Dopings die Goldmedaille im Zweierbob gewann, bis sie ihm nach zähem gerichtlichen Ringen 2019 aberkannt wurde. «Ich hatte nie Probleme mit Subkow», sagt Hefti im Olympia-Talk «Legenden für die Ewigkeit» auf blue.
«Er wuchs in einem System auf, in dem ich wohl gewesen wäre wie er. Sie wuchsen mit dem Doping auf. Wäre ich Russe gewesen und in einer Situation wie er, hätte ich auch so gehandelt», sagt Hefti entwaffnend ehrlich. Trotzdem: «Es war halt nicht regelkonform, und deshalb war es auch richtig, dass Subkow disqualifiziert wurde.»
Hefti verliess sich auf die eigene Stärke
Hat er je selber gedopt? Hefti sagt: «Ich kam selbst nicht in Berührung damit. Aber auch bei uns Schweizern war Doping immer ein Thema. Bei den USA oder Kanada sowieso. Bob ist ein Sport, bei dem die Schnellkraft zählt – da bringt Doping extrem viel.» Hefti, inzwischen 47-jährig, konnte sich jedoch immer auf den eigenen Körper verlassen. «Ich hatte das Glück, dass ich von Natur aus sehr stark war. Deshalb kam Doping auch nicht in Frage.»
Und doch gibt Hefti zu, dass er sich auch schon gefragt habe, wie er reagiert hätte, wenn man ihm Doping konkret angeboten hätte. «Ich fragte mich schon, was ich getan hätte, wenn mir nur wenig aufs Podest gefehlt hätte und ich gewusst hätte, dass mir Doping hilft.» Die Erkenntnis des mehrfachen Europameisters, Weltmeisters und Gesamtweltcupsiegers aus Herisau aber bleibt: «Ich würde das Dopingmittel nicht nehmen und alles im Grossen und Ganzen gleich machen, wie ich es gemacht habe. Ich hatte eine Superkarriere.» Vielleicht hätte er da und dort noch etwas mehr erreicht, wenn er sich mit einer unerlaubten Substanz gestärkt hätte. «Aber unterm Strich darf ich mehr als zufrieden ein. Ich habe viele schöne Momente erlaubt.»
Manche, wie die Goldmedaille von Sotschi, halt erst mit fünfeinhalb Jahren Verspätung.