Der Schweizer Bobpilot Beat Hefti musste mehr als fünf Jahre erdulden, bis er seine Goldmedaille von den Olympischen Spielen in Sotschi endlich erhielt. Das hatte finanzielle Folgen.
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- Beat Hefti und Alex Baumann erhielten 2019 nachträglich Olympia-Gold von 2014, da der russische Sieger Alexander Subkow wegen Dopings disqualifiziert wurde.
- Die Gold-Prämien wurden ihm vom Bobverband und Swiss Olympic nachgezahlt. «Aber in Sachen Sponsoring fehlten natürlich die Jahre, die ich hätte ausschlachten können. Aber es ist, wie es ist.»
- In Russland wurde Subkow übrigens vom Dopingvorwurf freigesprochen, da gilt er weiterhin als Olympiasieger und kassiert als solcher eine lebenslange Rente vom Staat.
Man schrieb den 28. Juni 2019. Das Thermometer zeigte 35 Grad. Im St. Galler Sittertobel wurde am Openair getanzt, gesungen und gefeiert. Und auch Beat Hefti, der Schweizer Bobpilot, jubelte über seinen wohl grössten Erfolg. Bob im Juni? Genau. An ebendiesem Tag wurde Hefti und seinem Co-Piloten Alex Baumann nach fast fünfeinhalb die Goldmedaille von den Olympischen Spielen in Sotschi 2014 nachträglich überreicht. Der vermeintliche Sieger, der Russe Alexander Subkow, war des Dopings überführt worden. Die Silbermedaillen-Gewinner aus der Schweiz erbten den Triumph.
Hefti, heute 47-jährig, erinnert sich im Olympia-Talk «Legenden für die Ewigkeit». «Ich hatte 2016 erstmals davon gehört, dass ich die Goldmedaille noch bekommen könnte. Zunächst aber lachte ich nur.» Zu Unrecht. Der internationale Bobverband ermittelte hartnäckig. Die Russen verzögerten zwar, zogen das Urteil von Gericht zu Gericht. Dann aber, im März 2019, war Subkows Doping-Delikt offiziell.
«Das war natürlich das i-Pünktchen, nach Gold noch Silber zu bekommen», sagt Hefti. Er und Kumpel Baumann waren auch mit Platz zwei zufrieden gewesen. «In Sotschi waren wir uns sicher, dass das das bestmögliche Ergebnis war.» Die Russen hatten alles getan, um den eigenen Athleten Vorteile zu verschaffen. Hefti erzählt: «Alle Nationen durften 40 Fahrten im Eiskanal absolvieren – die Russen so viele, wie sie wollten. Am Schluss machten sie mehr als 400 Fahrten mit mehreren Teams. So konnten sie alles testen. Das waren Vorteile, die man nicht mehr gutmachen kann.»
Skispringer musste 50 Jahre auf Olympia-Gold warten!
Etwas anderes liess sich erst recht nicht gutmachen. Hefti zog fünf Jahre als Silbermedaillengewinner durch die Lande und nicht als Olympiasieger – ein klarer finanzieller Nachteil. «Ich konnte die Goldmedaille nicht vermarkten.» Immerhin zwar wurden ihm vom Bobverband und Swiss Olympic die Prämien nachgezahlt. «Aber in Sachen Sponsoring fehlten natürlich die Jahre, die ich hätte ausschlachten können. Aber es ist, wie es ist.»
Besser ging es in dieser Hinsicht Subkow: Der Dopingsünder wurde in Russland freigesprochen und erhält eine lebenslange Rente für seine Goldmedaille. Andere Länder, andere Sitten.
Im Sommer 2019 stieg bei den Heftis gleichwohl ein grosses Fest. Mehr als 700 feierten den Appenzeller – Freunde, Familie, Menschen aus dem Dorf. «Das hat für vieles entschädigt», sagt Hefti, auch wenn er ein wenig bedauert, die unbändige Freude nach einer Siegfahrt nicht unmittelbar in Sotschi erlebt zu haben. «Am Schluss sind es vor allem die Emotionen, die einem bleiben.» Mehr noch als alles Finanzielle, sagt er.
Und vielleicht ist die Geschichte von Anders Haugen ein kleiner Trost für Hefti: Der US-amerikanische Skispringer mit norwegischen Wurzeln musste 50 Jahre warten, bis er 1974 seine Goldmedaille von den Spielen 1924 in Chamonix erhielt – der Jury waren Rechenfehler unterlaufen.