Vor 315 Tagen stürzt und verletzt sich Federica Brignone schwer. Der grosse Olympia-Traum droht zu platzen. 10 Monate später jubelt die Italienerin in ihrer Heimat sensationell über Gold im Super-G.
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- Zehn Monate nach ihrem Horrorsturz fährt Federica Brignone im Super-G zu Olympia-Gold und verblüfft damit alle.
- Sonja Nef ist beeindruckt und sagt: «So ein Comeback kenne ich in der Ski-Geschichte nicht.»
- Die Schweizer Speed-Hoffnungen fahrern der Konkurrenz auch im dritten Olympia-Rennen hinterher. Einziger Lichtblick für Nef: Malorie Blanc.
Der Sturz bei den italienischen Meisterschaften im vergangenen April ist für Federica Brignone ein Schock. Die frischgebackene Gesamtweltcupsiegerin zieht sich einen doppelten Schien- und Wadenbeinbruch zu. Und das bloss 10 Monate vor den Olympischen Spielen im eigenen Land, dem ganz grossen Karriereziel der Italienerin.
Für Brignone beginnt ein erbitterter Wettlauf gegen die Zeit, der zwischenzeitlich aussichtslos erscheint. Die 35-Jährige lässt sich von den Rückschlägen aber nicht stoppen, tastet sich Schritt für Schritt zurück auf die Skipiste und meldet sich am 20. Januar tatsächlich zurück im Weltcup. Und wie!
Beim Riesenslalom in Kronplatz hält sie auf Anhieb wieder mit der Weltspitze mit und fährt auf den starken sechsten Platz. Gut zweieinhalb Wochen vor Olympia-Start scheint eine Teilnahme wieder realistisch. Von Siegen oder Medaillen ist bei Brignone und ihrem Team allerdings keine Rede.
Das abgebrochene Abschlusstraining
Am vergangenen Sonntag folgt dann das vermeintliche Happy End. Die Ausnahmekönnerin steht bei der Abfahrt tatsächlich am Start, schafft es unter tosendem Applaus auf Schlussrang 10 und überrascht damit viele. «Wenn ich denke, wie kaputt ich vor einigen Monaten war, ist es eigentlich unglaublich, dass ich heute hier die Abfahrt gefahren bin», sagt sie selbst erstaunt.
Die Olympia-Abfahrt hinterlässt am verletzten Bein Spuren. Zwischenzeitlich droht Brignones zweiter Olympia-Start im Super-G gar ins Wasser zu fallen. Am Tag vor dem Rennen muss sie das Training wegen zu starker Schmerzen abbrechen, im Zielraum fliessen gar die Tränen. Diese fliessen auch 24 Stunden später. Doch diesmal taucht Brignone als Olympiasiegerin wieder in der Mixed Zone auf.
Für Sonja Nef grenzt Brignones Super-G-Triumph an ein Wunder. «Sie musste mehrere Operationen machen, die letzte für das Knie im Juni. Und sie hatte zehn Monate Zeit nach drei schweren Verletzungen gleichzeitig. Überhaupt an die Olympischen Spiele zu kommen, ist schon unwahrscheinlich, nicht menschlich eigentlich», zeigt sich Nef beeindruckt. Für sie ist klar: «So ein Comeback kenne ich in der Ski-Geschichte nicht.»
Nef: «Blanc wird uns viel Freude machen in Zukunft»
Wie schon in den Rennen zuvor fahren die Schweizer Speed-Spezialistinnen der Konkurrenz auch im Super-G hinterher. Malorie Blanc ist mit Platz 10 und einem Rückstand von 1.24 Sekunden beste Swiss-Ski-Athletin. «Sie ist sehr jung und wird uns noch sehr viel Freude machen in Zukunft», lobt Nef. «Ohne ihren Fehler ist sie auf Medaillenkurs, obwohl Startnummer 1 heute nicht optimal war.»
Blancs Auftritt bleibt aber der einzige Lichtblick. «Die anderen Schweizerinnen sind in einer Krise. Corinne Suter merkt man an, dass ihr das zu schaffen macht. Sie ist oben dabei, unten lässt sie extrem nach», sagt Nef und kann mitfühlen: «Sie hat das Vertrauen nicht, wieso auch immer. Aber für so eine Top-Athletin ist es sicher eine ganz schwierige Situation.»