«Habe über Jahre daran gearbeitet» Holdener nach geplatztem Olympia-Traum den Tränen nah
Camille Rast holt im Olympia-Slalom hinter der überragenden Mikaela Shiffrin Silber. Entsprechend zufrieden ist die 26-Jährige nach dem Rennen. Teamkollegin Wendy Holdener kämpft derweil gegen die Tränen an.
Mikaela Shiffrin holt endlich Olympia-Gold im Slalom, Camille Rast holt sensationell Silber. Sie gehören zu den glücklichen Athletinnen. Doch im Sport gibt es nicht nur Gewinner, sondern auch Verlierer. Zu ihnen zählt etwa Lena Dürr, die als zweitbeste in den 2. Lauf startet und bereits beim ersten Tor einfädelt. Aber auch Wendy Holdener, die haarscharf an den Medaillen vorbeifährt und undankbare Vierte wird.
Entsprechend enttäuscht ist Holdener beim Interview bei SRF. «Ich hatte grosse Ziele heute. Ich habe über Jahre daran gearbeitet. Es war im ersten Lauf schon zu wenig für mein grosses Ziel. Am Schluss habe ich alles versucht, umso bitterer der vierte Rang.»
Ihre Olympia-Vorbereitung sei optimal gewesen, sie hätte nichts besser machen können, meint Holdener. «Ich habe gestern gewusst, ich bin in Form und kann mein Ziel erreichen. Ich habe gewusst, ich bin im Reinen mit mir, egal was passiert.» Leider sei der Plan nicht ganz aufgegangen. Am Ende sagt sie kämpferisch: «Ich vergrabe mich nicht im Boden.»
«Ich hatte keine andere Möglichkeit, als ‹All-in› zu gehen»
Camille Rast dagegen hat während des Interviews ein breites Grinsen im Gesicht. Über den ersten Lauf ist sie nicht ganz glücklich, mit der Silbermedaille aber schon. «Ich wollte im 2. Lauf alles probieren. Meine Kollegen haben einen Karton mit ‹Fast Rast› beschriftet, also musste ich das zeigen. Ich hatte keine andere Möglichkeit, als ‹All-in› zu gehen, so schnell wie möglich zu fahren. Und jetzt bin ich wirklich zufrieden.»
Dass Gold kaum noch möglich ist, habe sie bei Halbzeit schon gewusst. «Shiffrin hatte über eine Sekunde Vorsprung auf mich. Dass sie auf so einer einfachen Strecke so viel verliert, war fast unmöglich. Ausser sie macht einen grossen Fehler. Aber im Skifahren ist alles möglich, dass hat man bei Lena Dürr gesehen. Unser Sport ist manchmal nicht so sympathisch.»
Apropos einfache Piste. Nach dem Riesenslalom, den sie im 12. Rang beendete, hatte sie einen richtig dicken Hals und meinte: «Ich bin schon froh, wenn Olympia bald vorbei ist. Es ist viel Aufwand für ‹nur› zwei Rennen.» Natürlich freue sie sich auf den Slalom, aber man habe ja in der Team-Kombi gesehen, dass es «fast ein Junioren-Rennen» gewesen sei auf der kurzen Strecke. Darauf angesprochen meint sie nach ihrem Silber-Lauf: «Es ist schon eine einfache Piste für Olympia. Nachdem ich das gesagt hatte, hatte ich mehr Druck, weil ich etwas leisten und zeigen musste. Das habe ich probiert und es war sehr gut heute.»
Dank Camille Rast gehen die Schweizer Ski-Frauen nicht leer aus. Und sicherlich hat sie auch viele Kinder inspiriert, wie sie es sich vor der Saison wünschte.
