Olympiasieger Beat Hefti redet Klartext «Darum fahren wir im Bob der Konkurrenz nur noch hinterher»

Michael Wegmann

30.1.2026

Beat Hefti: «Darum fahren wir im Bob der Konkurrenz nur noch hinterher»

Beat Hefti: «Darum fahren wir im Bob der Konkurrenz nur noch hinterher»

26.01.2026

Der letzte Bob-Star der Schweiz Beat Hefti kennt die Gründe für den schleichenden Niedergang der Schweizer Bobfahrer. Sein Rezept? Mehr Einfluss anderer Sportarten zulassen – und mehr Geld.

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Michael Schifferle, Michael Wegmann

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Olympia-Sieger Beat Hefti kritisiert den Schweizer Bobverband für mangelnde Selbstkritik und sieht die Hauptprobleme nicht im Material, sondern in schlechten Startzeiten.
  • Er plädiert für die Integration von Athleten aus anderen Sportarten und verweist auf seinen Meistertitel 2020 mit Ex-Leichtathlet Dominik Schläpfer. Da wurde Hefti Schweizer Meister, obwohl er schon längst zurückgetreten war. 
  • Für nachhaltigen Erfolg fordert Hefti attraktivere finanzielle Anreize, um Spitzenathleten langfristig an den Bobsport zu binden.

Dass die Schweizer Blütezeit des Bobsports ein Weilchen zurückliegt – das ist auch Beat Hefti nicht entgangen. Seines Zeichens Olympiasieger 2014 in Sotschi, Weltmeister, mehrfacher Europameister und Gesamtweltcupsieger im Zweier- und im Viererbob.

Er glaubt, dass sich der Verband, aber auch andere vor der Realität drücken würden. «Im Fernsehen höre ich ständig, dass es Probleme mit dem Material gebe», sagt Hefti im Talk «Legenden für die Ewigkeit» auf blue.

Das Material aber sei so gut oder schlecht wie früher, sagt Hefti. «Unsere Startzeiten sind einfach zu schlecht geworden. Da würde ich den Hebel ansetzen.» Es fehle, glaubt Hefti, auch der Wille des Verbands, über den eigenen Horizont zu blicken. «Ich wollte immer zeigen, dass es eine gute Idee ist, Leute aus anderen Sportarten in den Bobsport zu holen.»

Der längst zurückgetretene Hefti wurde Schweizer Meister 

Als Beispiel nennt er den früheren Leichtathleten Dominik Schläpfer. Mit ihm als Anschieber feierte Hefti 2020, mehr als zwei Jahre nach seinem letzten Weltcup-Rennen, ein verblüffendes Blitz-Comeback: Hefti als Pilot und Schläpfer als Anschieber wurden Schweizer Meister im Zweierbob. «Gerade Dominik beweist bis heute, welche Chancen es bietet, Ideen aus anderen Sportarten zuzulassen.»

Die Explosivität, die Schnelligkeit, die Beweglichkeit eines Leichtathleten – sie sind auch im Bobsport nützlich. Berühmtestes Beispiel weltweit? Die jamaikanischen Sprinter, die 1988 in Calgary durch den Eiskanal donnerten und deren Leben 1993 mit Komiker John Candy (1950 bis 1994) in «Cool Runnings» verfilmt wurde.

Ausserdem gilt auch im Bobsport, was im Fussball oder anderen Weltsportarten ohnehin seit jeher gilt: Ohne Moos nichts los. Das beteuert auch Hefti. Er sagt: «Ich würde schauen, dass die besten Athleten in den Bobsport kommen und dabeibleiben – aber das geht nicht ohne lukrativere Prämien.»

Alle Folgen über Beat Hefti in der Serie: «Olympia Stars: Legenden für die Ewigkeit»

Der ganze Talk mit Beat Hefti im Video

Legenden für die Ewigkeit – mit Beat Hefti

Legenden für die Ewigkeit – mit Beat Hefti

Der letzte Schweizer Bob-Star ist heute Bademeister. Olympia-Sieger Beat Hefti redet ungewohnt offen über Doping im Bobsport, sein angespanntes Verhältnis zum Verband und sein langes Warten auf die Goldmedaille.

30.01.2026