Der Quarantäne-Albtraum des deutschen Radprofis Simon Geschke in Tokio

DPA / jar

28.7.2021

Simon Geschke erlebt in Tokio einen Olympia-Albtraum.
Bild: Getty

Während seine Konkurrenten in Tokio um die Medaillen kämpfen, sitzt Simon Geschke nach einem positiven Coronatest in Tokio in einem Quarantänehotel fest. Er fühle sich wie im Gefängnis, sagt der deutsche Radprofi und hofft nun auf ein baldiges Ende seines Olympia-Albtraums.

DPA / jar

28.7.2021

«Es ist schon hart», hadert Stefan Küng am Mittwoch nach dem Zeitfahren. Um vier Zehntelsekunden verpasste der Schweizer eine Medaille. Rang 4, bitterer geht gar nicht, oder? Klar doch. Vielleicht kann sich Küng trösten, wenn er an Simon Geschke denkt. Der Deutsche ist eigentlich ein Mitstreiter Küngs, konnte in Tokio aber nicht an den Start gehen, weil er nach seiner Einreise positiv aufs Coronavirus getestet wurde. 

Seit letztem Samstag sitzt Geschke in einem abgeschotteten Hotel in Tokio in Quarantäne – zu ziemlich unkomfortablen Bedingungen, wie er in diversen Zeitungen und auch auf Social Media schildert. «Man wird um sieben Uhr von einem Lautsprecher geweckt im Zimmer. Dann muss man Fieber und Sauerstoffsättigung messen. Für mich ist es unverständlich, warum das so früh sein muss, wenn man dann den ganzen Tag kaum etwas zu tun hat», sagt er der DPA. «Das ist halb Psychiatrie, halb Gefängnis. Wobei es Psychiatrie eher trifft.»

Dem Hochleistungssportler fehlt die Bewegung

Dem Hochleistungs- und Ausdauersportler ist das Eingesperrtsein psychisch und physisch eine grosse Last. «Mir geht es mittlerweile vor allem körperlich nicht so gut, und ich glaube, das liegt eher nicht an Covid-19. Mir tut vor allem der Rücken weh vom vielen im Bett liegen. Mir fehlt auch Sonnenlicht, mir fehlt Bewegung, mir fehlt frische Luft, wir dürfen hier ja nicht mal die Fenster öffnen», wird Geschke am Dienstag in einem Interview der «Süddeutschen Zeitung» zitiert.

Nach den Pandemie-Vorschriften für Olympia kann Geschke bis zu 14 Tage in der Quarantäne festgehalten werden. Um ihm die schwierige Situation zu erleichtern, hat der Deutsche Olympische Sportbund am Dienstag eine Rad-Rolle auf Geschkes Zimmer liefern lassen. Auch für eine bessere Verpflegung das Radfahrers, der sich vegan ernährt, wurde gesorgt. Geschke zeigt am Dienstag in den sozialen Medien erfreut das Paket, in dem unter anderem Bananen, Avocados, Marmelade, Fruchtsäfte und einige Packungen Kekse geliefert wurden. «Endlich habe ich Essen und Getränke von Qualität», sagt er dazu.

Nur Stunden vor dem Medaillenkampf über 234 Kilometer war der 35-Jährige am Samstag positiv auf das Coronavirus getestet worden. «Wir stehen im ständigen Kontakte mit den japanischen Behörden», teilt der DOSB mit. «Wir arbeiten mit dem DOSB daran, ihm die Lage, die ja nun wirklich nicht einfach ist, so weit wie möglich zu erleichtern im Rahmen, den momentan Japan da vorgibt», so eine Botschafts-Sprecherin der DPA. Man versuche, eine schnellstmögliche Ausreise in die Heimat zu erreichen.

«Es ist unmenschlich»

Geschke ist nicht der einzige Betroffene. Für die Olympioniken gelten in Japan die gleichen strengen Regeln wie bei allen Einreisenden, die positiv auf das Coronavirus getestet werden. Betroffene klagen über fehlende Frischluft und Bewegungsmöglichkeiten in der Quarantäne. Problematisch ist zudem, dass sie in ihren Quarantäne-Unterkünften komplett alleine sind, in einer ohnehin schon sehr schwierigen psychologischen Situation.

«Das ist psychisch total anstrengend, ganz sicher mehr, als viele Menschen aushalten können», sagt etwa auch die niederländische Skateboarderin Candy Jacobs in einer Video-Botschaft aus dem Quarantänehotel, nachdem sie sich nach eigenen Angaben nach sieben Tagen erstmals eine Viertelstunde an einem offenen Fenster erstritten hatte. «Unmenschlich» sei das.

Mittlerweile sind bei den Olympischen Spielen rund um die Wettkämpfe 169 positive Coronatests registriert worden, 17 davon von Athletinnen oder Athleten.