Australischer Aussenseiter triumphiert Die überraschendste Gold-Medaille der Olympischen Geschichte

Syl Battistuzzi

6.2.2026

Steven Bradbury war chancenlos – und wurde trotzdem 2002 Olympiasieger. Es war die Belohnung für seinen unglaublichen Leidensweg. Der Australier wurde in Salt Lake City zum Symbol dafür, was Beharrlichkeit im Sport bedeuten kann.

Syl Battistuzzi

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  • Spektakuläre Stürze gehören zu der Sportart Shorttrack: Unvergessen ist der 16. Februar 2002, als Steven Bradbury in Salt Lake City im Final über 1000 m Gold erbte, weil die vier klar vor ihm liegenden Gegner in der letzten Kurve allesamt stürzten.
  • Bradbury wurde damit zum ersten australischen Wintersport-Olympiasieger. Der damals 28-jähriger Shorttrack-Eisschnellläufer bekam in seinem Land nach dem Triumph gar eine eigene Briefmarke.

An den Spielen in Salt Lake City 2002 gab es eine der skurrilsten Szenen der Sportgeschichte zu belachen. Im Final über 1000 Meter wetzten vier Shorttracker Kufe an Kufe um Gold, unter ihnen der japanisch-stämmige amerikanische Held Apolo Anton Ohno. Der fünfte Finalist, der Australier Steven Bradbury, fiel vor der letzten Kurve aus der Medaillenentscheidung und nahm sogar Tempo weg. Dann der Moment: Einer der Siegesanwärter rutschte aus und riss einen weiteren Konkurrenten zu Boden. Zuletzt lagen alle vier neben der Bahn wie vier sauber abgeräumte Kegel.

Bradbury lief unbehelligt an den vier vorbei, weil er gar nicht anders konnte. Er überquerte die Ziellinie als Erster und mit einer entschuldigenden Geste, als wollte er sagen: «Sorry, wenn keiner die Goldmedaille haben will, dann muss ich sie wohl nehmen.» Auf diese Weise bescherte Bradbury seinem Land den ersten Olympiasieg an Winterspielen.

Steven Bradbury profitiert vom Unvermögen der Konkurrenz.
Steven Bradbury profitiert vom Unvermögen der Konkurrenz.
KEYSTONE

«Ich dachte, das Rennen könnte vielleicht noch einmal gestartet werden. Ich wusste gar nicht, ob ich mich freuen sollte», meinte der erste australische Wintersport-Olympiasieger im Ziel. An den Winterspielen zuvor in Nagano schied Bradbury – damals noch mit markanten Rastas – im Vorlauf aus.

Seine Leidenschaft trotz Hürden nie aufgegeben

Seine sportliche Laufbahn war seit jeher ein Kampf: 1994 schlitzt ihm eine Kufe eines Konkurrenten das Bein auf. Er verlor über vier Liter Blut und wäre «fast gestorben». Die Wunde musste mit 111 Stichen genäht werden. 2000 prallt er im Training kopfvoran in die Bande und bricht sich ein Halswirbel.

In Salt Lake City ist er im Viertelfinal schon draussen, ehe ein Konkurrent nachträglich disqualifiziert wird – Bradbury erbt den Platz fürs Halbfinale. Dort stürzen drei Gegner und der Sieger wird nachträglich disqualifiziert, was ihm den Weg ins Finale ebnet.

Bei der Rückkehr in seine Heimat wird Bradbury von Tausenden Menschen frenetisch gefeiert. Der damals 28-Jährige bekommt als neuer Nationalheld gar eine eigene Briefmarke. Als Redner und Motivationscoach bereist er das ganze Land. Seine Biographie «Last Man Standing» wird zum Bestseller. Und die Redewendung «Doing a Bradbury» wird Down Under Ausdruck für einen Erfolg eines krassen Aussenseiters.

teven Bradbury: Australiens Nationalheld.
teven Bradbury: Australiens Nationalheld.
KEYSTONE