Olympiasieger Heini Hemmi erlebte nicht nur das Gefühl grosser Siege – sondern auch Ängste, Stürze und Spott. Einmal suchte er im Schlaf unter dem Tisch nach FIS-Punkten. Auch dank professioneller Hilfe überwand er seine Probleme.
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- In den Jahren vor seinem Olympiasieg 1976 ist Heini Hemmi öfter einmal ausgeschieden. «Mal machte ich eine Pirouette, mal verlor ich einen Ski, mal stürzte ich – und das wiederholt», erzählt er. Deshalb bekam er den Spitznamen «Heini Sturzenegger» verpasst.
- Er hat sich selbst unter Druck gesetzt. Irgendwann riet ihm ein Verbandsoberer eine Psychologin aufzusuchen. «Ich musste mich überwinden», sagt Hemmi.
- Was er da alles habe tun müssen in der Therapie – das wisse er nicht mehr so genau. «Spiele im Sandkasten und alles Mögliche. Das ist mehr als 50 Jahre her.» Anscheinend hat's geholfen. Aus Heini Sturzenegger wurde Olympia-Held Heini Hemmi.
Als Heini Hemmi zum Talk «Legenden für die Ewigkeit» im blue-Studio erscheint, hinkt der Riesenslalom-Olympiasieger von Innsbruck 1976. Auf der Skipiste kam er zu Fall – seither zwickt der Oberschenkel. «Dumm gelaufen», sagt Hemmi und schmunzelt. Er weiss, dass so was immer mal passieren kann.
Hemmi, inzwischen 77-jährig, ist seit Innsbruck ein Volksheld. Davor allerdings musste der feine Techniker schwierige Jahre erdulden – mit Stürzen, Spott und Schmerzen. Der Name «Heini Sturzenegger» machte bald medial die Runde. «Ich weiss nicht mehr, woher das kam», sagt Hemmi heute. «Aber es war wirklich so, dass ich oft gute erste Läufe hatte, schnell war und dann im zweiten ausschied. Mal machte ich eine Pirouette, mal verlor ich einen Ski, mal stürzte ich – und das wiederholt.» Ihm direkt habe niemand Sturzenegger gesagt, so Hemmi, «aber meine Frau hat das natürlich schon mitbekommen.»
Im Schlaf suchte er unter dem Tisch FIS-Punkte
Hemmi selbst litt nicht in erster Linie unter medialem Feuer – sondern vor allem unter den eigenen Erwartungen. «Man setzt sich selber am meisten unter Druck. Man muss und will Resultate liefern. Und wenn die fehlen, gerät man in eine Abwärtsspirale.»
Dass ihm die eigene Erwartungshaltung irgendwann zusetzte, merkten auch die Teamkollegen. Eine Episode ist beispielhaft. «Wir waren in Schweden in einem Chalet», erzählt Hemmi. «In der Mitte des Hauses war ein Wohnraum, rundherum die Betten. Irgendwann in der Nacht erwachte Walter Tresch und sah mich unter einem Tisch. Er fragte, was ich da suche. Und ich sagte: ‹Ich suche ‹die cheibe FIS-Pünkt›.»
Das Ganze zeige schon, sagt Hemmi heute, dass der Wettbewerb, der Druck einen Athleten «aufwirbeln» können. «Und schliesslich hat man auch Sponsoren, denen man gerecht werden will», sagt er. «Man sieht auch heute noch, wenn etwas an den Athleten nagt und ihnen das Selbstvertrauen fehlt.»
Spiele im Sandkasten bei der Psychologin
Hemmi überwand die Probleme, auch mit der Hilfe einer Psychologin; ein Verbandsoberer riet ihm dazu. «Er sagte, ich müsse etwas machen, sonst komme das nicht gut. Zunächst musste ich mich aber grausam überwinden.»
Was er alles habe tun müssen in der Therapie – das wisse er nicht mehr so genau. «Spiele im Sandkasten und alles Mögliche. Aber eben: Das ist mehr als 50 Jahre her», sagt Hemmi und lacht.
Geholfen hats offensichtlich – andernfalls wäre er womöglich nicht Olympiasieger 1976 im Riesen geworden.