Weil ihm der Rummel nach dem Olympia-Gold 1976 zu viel wurde, ging Heini Hemmi fischen. Ein Quell der Ruhe war auch immer sein Valbella. Bis zu dem Moment, als neben ihm Roger Federer mit dem Bau seines Ferienhauses begann.
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- Weil Heini Hemmi nach seinem Olympia-Sieg 1976 in Innsbruck der Rummel um seine Person zu gross wurde, ging er fischen.
- Erst am Bergbach, dann in Alaska. Sein Hobby machte er irgendwann zu seinem Beruf. Heute führt sein Sohn Gianin «Hemmi Wildlachs» in Valbella.
- Mit der Ruhe war es im 2011 dann vorbei, als Roger Federer direkt neben den Hemmis mit dem Bau seines Ferienhauses begann. «Es kamen Busse voll Touristen um sich das anzusehen», sagt Hemmi im Olympia-Talk «Legenden für die Ewigkeit» und schwärmt von Federer als Typ und Nachbar.
5000 Fan-Briefe pro Woche, Autorgrammstunden, Heiratsanträge und andere frivole Angebote – Heini Hemmi war nach seinem Olympiasieg 1976 in Innsbruck im Brennpunkt des öffentlichen Interesses. Auch wenn er die Zuneigung genoss und auch finanziell von ihr profitierte: Irgendwann wurde es zu viel. «Ich brauchte etwas, bei dem ich den Boden wiederfinde und abschalten kann», sagt Hemmi im Olympia-Talk «Legenden für die Ewigkeit» auf blue.
Er landete, auf Empfehlung seines Schwiegervaters, beim Fischen, zumeist in einem Bergbach. «Da kann man wirklich zur Ruhe kommen. Das Wasser rauscht und man muss herausfinden, wie und wo man die Fische überlisten kann», sagt Hemmi. Dabei entspannt er.
Lachsimport als Geschäftsmodell
Die Bergbäche waren ihm aber bald einmal nicht mehr herausfordern genug. Die Gewässer wurden grösser, reizvoller, unruhiger – bis er in Alaska landete. «Da bin ich x-mal gewesen.» Oft auch mit fetter Beute im Gepäck. 2010 jedoch wurden die Mengen kontingentiert, die man als Privatperson ausführen durfte – auf maximal 20 Kilogramm Fische.
Also entwickelte Hemmi ein Geschäftsmodell – und importiert seither kommerziell Lachs aus Alaska. «Das ist das Beste, was man an Lachs importieren kann», sagt er. Die Hemmis räuchern den importierten Fisch gleich selbst – seit 2020 trägt sein Sohn Gianin die Verantwortung für «Hemmi Wildlachs».
Vater Heini hilft natürlich aus, etwa im Laden oder auch hinter einem Stand an Weihnachtsmärkten, wo ihn noch immer viele erkennen, nicht zuletzt natürlich die älteren Semester. «Es ist erstaunlich, wie viele mich noch kennen. Meine Ski-Zeit ist ja 50 Jahre her.»
«Roger ist ein völlig normaler Typ»
In Valbella ist er längst nicht mehr der populärste Einwohner. Seit Jahren wohnt Roger Federer gleich neben der Ski-Legende. «Ich habe Roger auch schon Fisch verkauft», sagt Hemmi. Der Tennis-König sei ein sehr angenehmer Nachbar. «Roger ist ein ganz sympathischer, super Typ. Völlig normal. Wenn er mit dem Auto vorbeigefahren ist, hat er manchmal auf einen Schwatz angehalten.»
Zusammen Ski gefahren sind die beiden Sport-Legenden bisher noch nicht. «Während seiner Aktivzeit hat Roger aufs Skifahren verzichten müssen und seit seinem Rücktritt haben wir uns auf der Piste nie getroffen», so Hemmi.
Federers Kinder aber gingen in Valbella in die Skischule, welche von Hemmis Bruder geleitet wird. Der Olympia-Held selbst unterrichtet allerdings nicht.
Trotz guter Nachbarschaft. Kurz zu Federer rübergehen auf einen Kaffee und einen Schwatz sei aber nicht dringelegen, so Hemmi. «Auch für mich nicht, da ist alles abgeriegelt. Aber das ist auch nötig und gut so.»
Als Federers Liegenschaft noch im Bau war, fuhren gar Busse aus dem Appenzell vor – mit Fans, die sehen wollten, wo der 20-fache Grand-Slam-Sieger dereinst wohnen wird. Eine Heldenverehrung, die nicht mal Hemmi, der Frauenheld von einst, erfuhr.