Heini Hemmi war nicht nur als Riesenslalom-Fahrer begnadet – sondern auch als Geschäftsmann. Hier erzählt der Olympiasieger von 1976, wie er und Bernard Russi zu den ersten Ski-Profis der Geschichte wurden.
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- Olympiasieger Heini Hemmi erzählt, wie er zusammen mit Bernhard Russi in den späten 70-Jahren zu den ersten Profi-Skifahrern der Schweiz wurde.
- Die beiden Skistars lösten eine B-Lizenz, diese erlaubte es ihnen auch für Produkte ausserhalb der Skiwelt Werbung zu machen.
- «Alles war erlaubt, ausser Alkohol und Tabak», erzählt Hemmi im Olympia-Talk auf blue. Er selbst warb unter anderem für eine Mineralwasser-, eine Schokoladen-Marke und sogar für Unterwäsche.
- «Das hat schön eingeschenkt», sagt Hemmi, der darum für die Olympischen Spiele 1980 nicht mehr startberechtigt gewesen wäre.
Was heutigen Stars in den Schoss zu fallen scheint und pure Selbstverständlichkeit ist, war in den 70ern höchst umstritten: Sportler-Werbung. Skistars wie Heini Hemmi, der Riesenslalom-Olympiasieger von 1976, oder Bernhard Russi durften ihre Konterfeis gerade mal für Skiprodukte zur Verfügung stellen: für Skistöcke, Bindungen, Brillen und dergleichen. Alles andere war verboten.
1977 erst durften Russi und Hemmi eine sogenannte B-Lizenz lösen, die es ihnen erlaubte, auch für skifremde Produkte und Dienstleistungen zu werben – damit durften Athletinnen und Athleten alles promoten, was sie wollten. «Ausser Alkohol und Tabak», erzählt Hemmi im Talk «Legenden für die Ewigkeit» auf blue.
«Das hat finanziell schon eingeschenkt»
Dass es für die Sportler als nicht opportun galt, zu werben, lag auch an Avery Brundage, dem legendären Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, der 1972 die weltberühmte Rede nach den Anschlägen von München hielt. «The Games must go on.»
«Mit ihm hatten wir (wegen der Werbung, Red.) immer ein Zeugs. Er war in dieser Hinsicht neben den Schuhen», erinnert sich Hemmi. Er und Russi kämpften für ihre Rechte – und setzten sich letztlich durch. Auch dank der Unterstützung von Adolf Ogi, dem Schweizer Verbandsdirektor und späteren Bundesrat. Damit wurden Hemmi und Russi zu den ersten Ski-Profis der Geschichte.
Bis 1977 lag der Jahreslohn bei maximal 70'000 Franken jährlich für die Schweizer Athleten, zwischendurch dank internationalen Preisgeldern auch mal sechsstellig. Das änderte sich.
«Als ich die B-Lizenz hatte, habe ich dann für Mineralwasser oder Schokolade Werbung gemacht», erinnert sich Hemmi. Und ja: auch für Unterwäsche. «Auch das», sagt er und lacht. «Das hat finanziell schon schön eingeschenkt.»
Wie viel genau? «Ich habe mehr verdient als davor», sagt Hemmi mit einem Augenzwinkern. «Ein Stück mehr.»
Hemmi hätte an Olympia 1980 nicht fahren dürfen
Die Folge war jedoch, dass der Olympiasieger von 1976 mit der B-Lizenz nicht mehr als Amateur galt und somit nicht hätte an den Olympischen Spielen 1980 starten dürfen. Fiel dann nicht mehr gross ins Gewicht: Hemmi trat 1979 als Skirennfahrer zurück.
Und irgendwann reifte auch bei den internationalen Verbänden die Erkenntnis, «dass wir auch von etwas leben müssen», wie Hemmi sagt. «Und auch der Verband selbst musste irgendwie existieren.» Ohne Werbung und Sponsoren? Auf Sicht nicht mehr darstellbar.