Vreni Schneider erbrach regelmässig «Ich schämte mich: Einmal kotzte ich dem Trainer über die Schuhe»

Michael Wegmann

28.1.2026

Vreni Schneider: «Ich musste vor vielen Rennen erbrechen»

Vreni Schneider: «Ich musste vor vielen Rennen erbrechen»

23.01.2026

Sie ass zum Zmorge Nutella, trank Ovomaltine und dann kamen noch der immense Druck dazu. Ein unheilvoller Mix für Vreni Schneider. «Ich habe vor manchen Rennen erbrochen», verrät der Skistar im Olympia-Talk.

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Michael Schifferle, Michael Wegmann

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Von aussen sahen ihre Siege so locker und leicht aus. Doch das seien sie nicht gewesen, sagt Ski-Superstar Vreni Schneider im Olympia-Talk «Legenden für die Ewigkeit». Ganz im Gegenteil.
  • «Gold-Vreni» hat sich selbst vor den Rennen jeweils wahnsinnig unter Druck gesetzt und dies hatte unangenehme Folgen. «Ich habe vor manchen Rennen am Start erbrochen», verrät die dreifache Olympia-Siegerin. 
  • Die Nutella-Brötchen und die Ovomaltine am Morgen, seien auch nicht ideal gewesen, so Schneider, «ich musste mein Frühstück irgendwann ändern.»

Sie war das «Gold-Vreni», das scheinbar alles mit einer spielerischen Lockerheit bewältigte. Sie holte Medaillen, grosse und kleine Kugeln – und liess sich kaum anmerken, Teil des brutalen Systems Profisport zu sein. Doch Vreni Schneider, die dreifache Olympiasiegerin und fünffache Medaillengewinnerin, litt mehr, als man von aussen erahnte. «Ich setzte mich wahnsinnig› unter Druck», erzählt Schneider im Talk «Legenden für die Ewigkeit» auf blue. Wenn es zählte, spürte das ihr Körper. «Ja, ich habe vor manchen Rennen erbrochen.»

Vor allem in den Anfangsjahren tat sie das, meistens zwischen den Läufen, wenn sich ein Sieg oder zumindest ein gutes Ergebnis anbahnte – was bei der dreifachen Gesamtweltcupsiegerin schliesslich keine Rarität war. «Da geht’s um alles. Die Anspannung tat den Magennerven nicht gut», sagt Schneider. Dass sie gerne noch Nutellabrote ass und Ovomaltine trank, tat sein Übriges. «Das Frühstück musste ich irgendwann ändern. Das hätte ja jeder Magen nicht gut ertragen, nicht nur meiner nicht», sagt Schneider heute und lacht.

«… dann fühle ich mich lockerer»

Irgendwann meldete sich ihr Körper derart regelmässig, dass Schneider glaubte, das Erbrechen gehöre dazu. «Manchmal dachte ich sogar vor einem Lauf: So, jetzt muss ich mich noch übergeben, und dann fühle ich mich lockerer.» Geschwächt oder ausgezehrt habe sie sich aber nicht gefühlt, sagt Schneider, obwohl sie wusste, dass es nicht gesund sei. «Ich dachte nie, dass es mir schade.»

Auch wenn Schneider mit zunehmendem Erfolg an Sicherheit gewann und sich die unliebsamen Episoden irgendwann einstellten («je erfolgreicher ich war, desto sicherer wurde ich»): Schneider hatte Mühe mit dem Umstand, sich regelmässig übergeben zu müssen. «Ich habe mich geschämt. Einmal kotzte ich einem Trainer fast über die Schuhe. Und mal grub ich vor dem Starthaus ein Loch und erbrach da hinein. Das war nicht schön.»

Am schlimmsten sei die Anspannung ausgerechnet nach einem ihrer ersten grossen Triumphe gewesen: nach ihrem ersten Weltmeistertitel 1987 in Crans-Montana. «Ich dachte mir: Jetzt geht’s erst richtig los. Ich wusste, dass jetzt die Bestätigung kommen muss. Ich wollte keine Eintagesfliege sein. Das war mir am wichtigsten.»

«Dann sass ich auf meinem Bänkli und stellte mir vor...»

Damals waren Mentaltrainer noch nicht Teil des Systems, wie sie es heute überall im Profisport sind. Einmal sei Sportwissenschaftler Arturo Hotz (1944-2014) vorbeigekommen, erinnert sich Schneider. «Da mussten wir Sätze aufschreiben, die wir uns vornahmen. Ich will Weltmeisterin werden, den Gesamtweltcup gewinnen. Solche Dinge. Aber nach drei Wochen war das weg.»

Irgendwann kannte sie sich so gut, dass sie wusste, was sie vor oder zwischen einem Rennen braucht, um zu funktionieren. «Ich konnte mir immer gut bildlich vorstellen, was ich gewinnen und erreichen will. Dann sass ich auf einem Bänkli und stellte mir das vor.» Mentale Vorbereitung à la Vreni Schneider.

Alle Folgen über Vreni Schneider in der Serie: «Olympia Stars: Legenden für die Ewigkeit»

Der ganze Talk mit Vreni Schneider im Video

Legenden für die Ewigkeit – mit Vreni Schneider

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