Statt zu einer zweiten Goldmedaille rast die 41-jährige Lindsey Vonn mit ihrem gerissenen Kreuzband ins Verderben. Ihr grosser Auftritt endet im Rettungshelikopter. «Es ist sehr bitter», sagt Sonja Nef zu blue News.
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- Lindsey Vonn stürzt in der Olympia-Abfahrt nach nur 13 Sekunden schwer und muss per Helikopter ins Spital geflogen werden.
- Trotz Teilprothese im rechten Knie und eines kurz zuvor erlittenen Kreuzbandrisses im linken Knie hatte die 41-Jährige den Start gewagt.
- Die Amerikanerin soll inzwischen bereits operiert worden sein, um einen Bruch in ihrem linken Bein zu stabilisieren, wie «Ansa» unter Berufung auf das italienische Gesundheitsamt Treviso bekannt, dass die Amerikanerin im Spital Ca'Foncello bereits am meldet.
- Ski-Legende Sonja Nef würdigt Vonns Leistungen, kritisiert aber das hohe Risiko des Comebacks und spricht von einem bitteren und wohl endgültigen Ende ihrer Karriere.
Es ist alles angerichtet in Cortina. Die Sonne scheint, kein Nebel wie in den Trainings, Lindsey Vonn trägt die vielsagende Startnummer 13 und um Punkt 12 Uhr hält die Sportwelt den Atem an, als sich Vonn im Starthaus bereit macht.
Für diesen Moment hatte sie fünf Jahre nach ihrem Rücktritt und mit einer Teilprothese im rechten Knie ein Comeback gegeben. Diesen Moment wollte sie sich nicht einmal von einem vor einer Woche in Crans-Montana erlittenen Kreuzbandriss im linken Knie nehmen lassen. Sie wäre sonst die Topfavoritin gewesen – und selbst so musste man ihr alles zutrauen.
Dann dauert es 13 Sekunden, und im Zielstadion von Cortina wird es von einem Moment auf den anderen mucksmäuschenstill. Vonn wird von der ersten Welle dieser tückischen Piste Olimpia delle Tofane abgeworfen und bleibt im Schnee liegen. Im TV sind ihre Schmerzensschreie zu hören – fast nicht zu ertragen. Vonn wird schliesslich mit dem Helikopter ins Spital geflogen. Die Zuschauer an der Strecke erfasst eine Art Schockstarre.
Bruch im Unterschenkel als erste Diagnose
Auch Sonja Nef leidet vor dem TV mit. Die Schweizer Ski-Legende sagt im Gespräch mit blue News: «Vonn ist ein riesiges Risiko eingegangen. Sie hat es versucht und es ist einfach schade, dass sie es nicht ins Ziel geschafft hat und jetzt so endgültig abtreten muss.»
Eine genaue Diagnose steht noch aus. Am Sonntagnachmittag gibt es von US-Trainer Alex Hödlmoser ein erstes Update zum Gesundheitszustand. «Anscheinend ist es ein Bruch im Unterschenkel irgendwo, aber wir wissen noch überhaupt nichts Genaues», sagt er dem SRF. Das US-Skiteam schrieb auf X kurz darauf lediglich, dass Vonn verletzt, aber stabil sei und von amerikanischen und italienischen Ärzten betreut werde. Am Sonntagabend meldet die Nachfrichtenagentur «Ansa», dass die Amerikanerin bereits operiert worden sei, um einen Bruch in ihrem linken Bein zu stabilisieren.
Ob es fahrlässig war, mit einem gerissenen Kreuzband zu starten, sei schwierig zu beantworten, meint Sonja Nef. «Man hat keine genaue Diagnose, was bei ihr alles kaputt war. Zu meiner Zeit gab es auch Athletinnen, die mit gerissenen Kreuzbändern gefahren sind. Wenn es ‹nur› das ist, kann es schon gehen, aber natürlich ist immer ein Risiko dabei.» Dieses Risiko müsse man dann in Kauf nehmen. «Und das hat sie gemacht. Aber jetzt muss sie es auch tragen. Das ist sehr bitter.»
«Sie hat ein bisschen mit der Gesundheit gespielt»
Nef war eine der grossen Kritikerinnen, als bekannt wurde, dass Vonn es trotz künstlichem Kniegelenk noch einmal im Weltcup versuchen will. «Ich dachte, so bescheuert kann sie nicht sein», sagte die Ostschweizerin im November 2024. Und auch heute ist Nef skeptisch, ob das ein kluger Entscheid von Vonn war, «mit einer Knieprothese in den Abfahrtsport zu gehen mit all den Sprüngen.»
Trotzdem konnte die US-Amerikanerin Nef auch beeindrucken. Damals glaubte sie nämlich nicht daran, dass Vonn noch auf ein Weltcup-Podest fahren kann. Die 41-Jährige konnte mehrmals eindrücklich das Gegenteil beweisen. «Das war sensationell», sagt Nef.
Aber: «Mit einer Knieprothese das alles auf sich zu nehmen, ist nicht ohne. Sie hat ein bisschen mit der Gesundheit gespielt.» Es sei «Wahnsinn», was Vonn in den vergangenen Monaten geleistet habe, «bis heute. Es ist einfach schade, wie es jetzt geendet ist».
Was Nef zu Olympiasiegerin Breezy Johnson und zur Enttäuschung der Schweizerinnen in der Olympia-Abfahrt sagt, erfährst du im Video oben.