Der wahre Grund für ihr Karriere-Ende Maite Nadig verrät: «Ich zoffte mich mit meinem Servicemann»

Michael Wegmann

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Marie-Theres Nadig, warum sind Sie bereits mit 27 Jahren zurückgetreten?

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26.01.2026

Marie-Theres Nadig war der Skistar der 70er. Schnell auf der Piste, direkt daneben. Mit ihrer Art machte sich Maite nicht nur Freunde, stritt öfters mit dem Verband und am Ende gar mit ihrem Servicemann. Im Olympia-Talk «Legenden für die Ewigkeit» sagt sie, weshalb. 

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Michael Schifferle, Michael Wegmann

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  • Die Doppel-Olympiasiegerin von Sapporo 1872 Marie-Theres Nadig war nicht nur unsere beste Skifahrerin der 70er, sondern auch die unbequemste. 
  • «Ich war halt sehr direkt, offen. Das hat nicht allen gepasst», sagt sie im Olympia-Talk «Legenden für die Ewigkeit» und verrät, mit wem sie sich alles gezofft hatte damals, weshalb sie bereits mit knapp 27 vom Skisport zurückgetreten ist und dass der Verband sie nicht mehr zurückwollte.
  • Die Flumserin ist mittlerweile 71 und geblieben wie sie schon immer war: bescheiden und erfrischend direkt. 

Als Marie-Theres Nadig 1972 von einem Reporter gefragte wurde, wie der Schnee im japanischen Sapporo sei, antwortete die 17-Jährige nur mit: «Weiss.» Nicht weil sie keine Lust zum Reden gehabt hätte, erzählt die mittlerweile 71-Jährige beim Olympia-Talk «Legenden für die Ewigkeit». «Man sagte mir im Vorfeld: ‹Je mehr du sagst, desto mehr machen die Journalisten daraus. Bleib möglichst knapp.› Zudem wusste ich auch gar nicht, was der Journalist mit dieser Frage wollte», sagt Nadig heute.

Interviews wie solche brachten Nadig trotzdem den Ruf ein, nicht eben pflegeleicht zu sein. Andere Episoden verstärkten diesen Eindruck. Sie kaute leicht gelangweilt Kaugummi, als der damalige Bundespräsident Nello Celio (FDP) beim offiziellen Empfang nach der Rückkehr aus Sapporo eine Rede hielt. Sie trug Jeans, als die Delegation ins Bundeshaus geladen war. 

«Ich fuhr sehr gut Ski, war aber immer die Unbequemste»

Marie-Theres Nadig ist zwar bis heute die «Maite» geblieben, das bescheidene Meitli, das die Schweiz 1972 mit Gold in Abfahrt und Riesenslalom in unerwartete Glückseligkeit stürzte. Ihre direkte, ehrliche Art brachte ihr jedoch nicht nur Freunde ein. «Der Erfolg hatte auch unangenehme Seiten. Ich konnte nicht mehr auswärts essen gehen, wurde überall angesprochen. Auch privat wollte man mich näher kennen lernen. Zuvor war ich ein normales Kind. Das war alles wahnsinnig schwierig zu verstehen», sagt Nadig. Kurz: «Ich wurde ins kalte Wasser geworfen.»

Darauf reagierte sie zwischendurch mit Trotz. Auch beim Verband holte sie sich blutige Nasen, wenn sie sich fürs Team einsetzte, gerade für die Frauen, die nicht immer erstklassig behandelt wurden – sondern eher als Anhängsel der Herren gesehen wurden. «Ich war halt sehr direkt, offen. Das hat nicht allen gepasst.» Oder anders gesagt: «Ich war nicht sehr einfach zu führen. Ich fuhr sehr gut Ski, aber ich war immer die Unbequemste.»

«Er hat Dinge getan, die man als Servicemann nicht tut»

1981 zog sie einen Schlussstrich. Nach zwei Goldmedaillen bei Olympia 1972, einer bronzenen 1980 in Lake Placid, einem Gesamtweltcupsieg und 24 Weltcupsiegen. Gerade mal knapp 27 war sie da. Warum so früh?

blue Sport konfrontiert sie möglichen Gründen, die im Internet kursieren. Ein Grund: körperlicher Verschleiss. «Falsch», sagt Nadig. Auch fehlende Motivation sei es nicht gewesen. Und dass sie eine Zweitkarriere als Fussballerin starten wollte? Auch nicht entscheidend. Obwohl sie eine Zeit lang parallel zu ihrer Skikarriere bei den Frauen des FC Zürich spielte. Warum dann der Rücktritt? Nadig: «Ich hatte meine Erfolge gehabt. Die Jungen wie Erika Hess oder Maria Walliser kamen nach. Zudem hatte ich mich mit einigen gezofft.» Mit wem denn alles? «Mit Trainern, die nicht für mich arbeiteten wollten, weil ich die unangenehmste war. Mit meinem Servicemann, der Dinge getan hat, die man als Servicemann nicht macht. »

Der Skiverband wollte Nadig nicht mehr zurück

Was hat der Servicemann getan? Ins Detail will Nadig nicht gehen. Trotzdem schiebt sie nach: «Es gab da eine Story in meiner letzten Saison. Ich war in einem Rennen eine Sekunde langsamer als noch im Training. Und ich habe im Training nie alles gegeben. Das sagt alles. Es hiess dann, es sei Öl auf dem Ski gewesen. Was drauf war, weiss ich nicht. Gelaufen ist er jedenfalls nicht.»

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Zwei Jahre später wollte sie ihr Bruder zu einem Comeback motivieren. «Er meinte, dass ich immer noch so gut sei, dass ich doch weiterfahren könne.» Also wurde er vorstellig. Marie-Theres Nadig selbst ahnte jedoch rasch, was ein Comeback-Versuch beim Verband auslösen würde. «Ich sagte ihm: ‹Sobald du die Türklinke in der Hand hast, hast du bereits eine Absage›. Und so war es dann auch.» 

Eines aber betont Nadig: Sie selbst war es, die den Schlussstrich 1981 zog – «und nicht die anderen» vom Verband.

Alle Folgen über Maite Nadig in der Serie: «Olympia Stars: Legenden für die Ewigkeit»

Der ganze Talk mit Maite Nadig im Video

Legenden für die Ewigkeit – mit Marie-Theres Nadig

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