Maite Nadig scheute keinen Konflikt – auch nicht mit Ex-Ski-Boss Adolf Ogi. Die Ski-Legende wirft dem späteren Bundesrat vor, dass er sich nie für die Skifahrerinnen interessiert hätte. Bis sie zu Olympia-Gold fuhr.
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- Maite Nadig wurde 1972 in Sapporo überraschend Doppel-Olympiasiegerin.
- Im Olympia-Talk «Legenden für die Ewigkeit» verrät sie, weshalb sie sich immer wieder mit dem damaligen Ski-Direktor und späteren Bundesrat Adolf Ogi gezofft hat.
- Nadig: «Er kümmerte sich vor Sapporo nicht um uns Frauen. Nach meinen Erfolgen erzählte er aber, dass er genau das getan habe. Und das hat mir nicht geschmeckt.»
Am 5. Februar 1972 war die Schweiz ihretwegen im Freudentaumel, ebenso drei Tage später: Marie-Theres Nadig, 17-jährige Aussenseiterin, fuhr in Abfahrt und Riesenslalom zum Sieg und bescherte der Schweiz zwei Goldmedaillen bei den magischen Tagen von Sapporo. «Niemand hatte etwas erwartet», sagt Nadig.
Das galt offenbar auch für den Ski-Verband und dessen Direktor Adolf Ogi (heute 83). Der spätere SVP-Bundesrat habe die Frauen zunächst links liegen gelassen – sich später aber im Erfolg Nadigs gesonnt. Das sagt «Gold-Maite» gewohnt direkt und offen im blue Talk «Legenden für die Ewigkeit».
Jugendliche Frechheit
Nadig erinnert sich: «Er kümmerte sich vor Sapporo nicht um uns Frauen. Nach meinen Erfolgen erzählte er aber, dass er genau das getan habe. Und das hat mir nicht geschmeckt.» Ogi jubelte mit Nadig mit, liess sich mit dem jungen Mädchen aus Flums fotografieren.
Jene, die Anteil an Nadigs Erfolg gehabt hätten, seien viel zu wenig gewürdigt worden. Die Trainer, die Serviceleute. «Und ich wollte, dass der Erfolg denen zugeschrieben wird, die auch dafür verantwortlich waren», sagt Nadig.
Zwei-, dreimal sei sie dann noch mit Ogi aneinandergeraten, erzählt Nadig, «ich habe ihm dann in meiner jugendlichen, frechen Art Fragen gestellt. Sagen wir es so: Wir waren nicht immer einer Meinung», sagt Nadig. Wohl wahr. Ein strittiges Thema sei neben anderen die Kleidung gewesen. Die Frauen trugen andere Farben als die Männer. «Und ich hatte die jugendliche Frechheit, zu fragen, warum das so sei», sagt Nadig. Ogi habe ihr daraufhin relativ deutlich klargemacht, dass die Frauen «nicht die Nationalmannschaft» seien. «Das waren Aussagen, die mir gezeigt haben, dass wir nicht so viel wert waren wie die Männer. So zumindest kam es mir vor.»
«Das hat mich gestört»
Es sei ihr nicht um die Gleichstellung gegangen, sagt Nadig, sondern um die Wertschätzung. «Ich weiss, dass die Herren damals viel besser waren als wir. Aber dass man uns vor der Saison quasi nicht wollte und dann so tut, als habe man alles für unseren Erfolg getan. Das hat mich gestört.»