Norweger erklärt seine Flucht McGrath spricht über sein Drama im Slalom: «Ich glaube, ich brauche Hilfe»

Jan Arnet

17.2.2026

Atle Lie McGrath spricht am Montagabend über sein Slalom-Drama.
Atle Lie McGrath spricht am Montagabend über sein Slalom-Drama.
Keystone

Atle Lie McGrath ist im Olympia-Slalom auf Gold-Kurs, fädelt dann aber ein und geht leer aus. Danach wird der 25-Jährige emotional – und sucht erst einmal das Weite. Später erklärt er seine Flucht.

Jan Arnet

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Atle Lie McGrath lag nach einem überragenden ersten Lauf im olympischen Slalom auf Gold-Kurs, schied im zweiten Lauf nach einem Einfädler aber aus.
  • Der 25-jährige Norweger reagierte tief enttäuscht, warf seine Stöcke weg und floh in den Wald. Später spricht er von der härtesten Zeit seiner Karriere, auch vor dem Hintergrund des Todes seines Grossvaters.
  • «Ich werde viel Zeit brauchen, um darüber hinwegzukommen», gesteht McGrath. «Ich glaube, ich brauche Hilfe.»

Die herzzerreissenden Bider von Atle Lie McGrath gehen am Montag um die Welt. Wie der norwegische Slalom-Star, der mit Gold vor Augen ausscheidet, die Flucht ergreift und am Waldrand in den Schnee liegt, während Loïc Meillard im Zielraum den Olympiasieg feiert. 

Die Siegerehrung meidet McGrath danach. Erst mit Verzögerung fährt er ins Ziel, Interviews lehnt er ab und verschwindet mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze aus dem Medienbereich. Später stellt er sich vor dem norwegischen Teamhotel dann doch noch den Fragen der Journalisten.

«Es sind einfach Gefühle hochgekommen», erklärt der 25-Jährige. «Ich wollte etwas Zeit für mich allein haben. Alles ist ausser Kontrolle geraten. Die Fotografen haben mich aber gefunden, sodass ich auch dort keine Zeit für mich allein hatte.»

McGrath spricht auch über den Schweizer Trainer Thierry Meynet, der unmittelbar nach dem Einfädler des Norwegers direkt neben ihm über Meillards Sieg jubelte. «Das war das Erste, was ich gesehen habe. Ich brauche dazu nichts zu sagen. Es ist klar, was ich davon halte», so McGrath, der seine Zeit bei Olympia als die «härteste meiner Karriere» bezeichnet.

Grosse Wut bei Atle Lie McGrath nach seinem Aus im Slalom. Im Hintergrund jubelt der Schweizer Trainer Thierry Meynet.
Grosse Wut bei Atle Lie McGrath nach seinem Aus im Slalom. Im Hintergrund jubelt der Schweizer Trainer Thierry Meynet.
Keystone

Die Spiele standen für ihn ohnehin unter schwierigen Vorzeichen. Am Tag der Eröffnungsfeiert hatte er den Tod seines Grossvaters verkraften müssen und seine Trauer in einem emotionalen Instagram-Post geteilt. Nach Rang fünf im Riesenslalom zerplatzte im Slalom nun auch der letzte Medaillentraum – auf dramatische Weise.

«So etwas habe ich noch nie erlebt»

Die Sache mit Thierry Meynet sei «nur ist ein kleiner Tropfen in einem Eimer, der immer grösser wird. Es waren ein paar harte Tage ausserhalb des Sports, und dann kommt der härteste Tag im Sport. Wenn es auf der Piste so hart wird, wird es viel», bilanziert McGrath ernüchternd.

Für den Norweger ist klar, dass er Zeit braucht. «Ich werde viel Zeit brauchen, um darüber hinwegzukommen. Ich glaube, ich brauche Hilfe. Es war wirklich hart, ich habe so etwas noch nie erlebt in meinem Leben. Der Tod meines Opas hat mich etwas aus der Bahn geworfen, aber ich habe zum Glück Menschen um mich herum, die mich lieben und unterstützen.»

Besonders schmerzt ihn, dass er nach einem starken ersten Lauf beste Karten hatte. «Und dann habe ich es nicht runtergebracht – mit einer halben Sekunde Vorsprung. Das macht es so hart für mich.» Ein Happy End bleibt aus. Doch McGrath blickt nach vorn: «Olympia ist nur alle vier Jahre, das macht es so schwierig, dies zu verkraften. Aber ich werde wiederkommen und dann sehen wir uns in vier Jahren.»


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