Mit 24 Jahren ist Franjo von Allmen in der Königsdisziplin Abfahrt Olympiasieger und Weltmeister. Ski-Legende Michael «Mike» von Grünigen kannte von Allmen schon als Bub, dennoch ist er beeindruckt.
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- Franjo von Allmen weist die Konkurrenz in der Olympia-Abfahrt in die Schranken und holt sich dank einer überragenden Fahrt auf der Stelvio die Goldmedaille.
- Im Gespräch mit blue Sport kommt der ehemalige Riesenslalom-Weltmeister Michael von Grünigen ins Schwärmen und sagt: «Ich war sehr überrascht, dass er das so runtergebracht hat.»
- Für den Viertplatzierten Marco Odermatt sei die Enttäuschung im ersten Moment sicher schwer zu verdauen. «Aber um ihn mache ich mir keine Sorgen», so von Grünigen.
Michael von Grünigen über …
… die Fahrt von Olympiasieger von Allmen
Perfekt ist immer schwierig zu sagen. Aber es war eine sensationell gute Fahrt. Ich war sehr überrascht, dass er das so runtergebracht hat – nicht, dass ich es ihm nicht zugetraut hätte. Aber Olympia hat immer eigene Gesetze. Ihm ist von Start bis Ziel eine sehr gute Fahrt gelungen. Speziell im Mittelteil hat er eine Distanz rausgeholt zu seinen Mitkonkurrenten. Es ist super, was er geleistet hat.
… von Allmens Risikobereitschaft
Das zeichnet Franjo aus. Er ist ein Typ, der gern am Limit fährt. Er braucht das auch, dass er wirklich schnell fährt. Er war schon als Kind so. Ich kenne ihn schon seit seiner Kindheit, er ist gleich alt wie mein jüngster Sohn und sie waren viel zusammen unterwegs als Kinder. Auch heute hat es das gebraucht. Wenn man Olympiagold gewinnen will, muss man angreifen können. Er konnte das abliefern und diese nötige Dosierung auspacken, zugleich das Limit suchen und die beste Performance bringen.
… von Allmens mentale Stärke
Er ist sicher gereift mit seinen Erfolgen aus den letzten beiden Jahren. Mit seinem Doppelweltmeister-Titel von letztem Jahr. Das ist ein Dreinwachsen. Er ist mittlerweile mental sehr stark und strahlt das auch aus. Sie haben auch schon intern im Schweizer Team immer einen Kampf, wer da der Schnellere ist. Ob Odermatt, von Allmen oder Monney. Und das macht ihn auch stark und zeichnet ihn aus – und allgemein das Schweizer Team. Es sind nicht für nichts drei Schweizer in den ersten Fünf.
… die verpasste Medaille für Marco Odermatt
Olympia hat immer eigene Gesetze. Es beweist einmal mehr, dass eine Favoritenrolle doppelt so schwierig ist, um an Olympia abliefern zu können. Aber ich glaube, es macht ihn heiss für die nächsten Rennen. Wir sind erst am Anfang der Olympischen Spiele – er wird seine Sachen sicher noch liefern können. Obschon er sicher gerne den Olympiasieg in der Abfahrt geholt hätte, aber ich glaub, seine Rennen kommen noch.
… die Verarbeitung der Enttäuschung bei Odermatt
Das ist im ersten Moment sicher schwierig, weil halt alles darauf fokussiert war. Aber Marco ist ein Profi und er hat schon so viele Erfolge. Er ist sicher auch darin ein Profi, dass er das gut wegstecken kann. Das dauert vielleicht heute und morgen noch ein bisschen. Aber danach geht es wieder voll an das nächste Programm, der Super-G wartet und ich glaube, da wird er antworten können. Um Marco habe ich keine Angst, aber es zeigt noch einmal, was Olympia mit sich bringt. Olympia findet nur alle vier Jahre statt und wenn man als Favorit am Start steht, ist es eine doppelte Belastung.
… die erste Medaille für die Schweiz
Die erste Medaille, die irgendwo vielleicht auch programmiert war, ist da und goldig. Das wird sicher Druck vom ganzen Team wegnehmen und kann helfen, dass es wieder sehr gute Olympische Spiele werden können für die Skifahrer. Aber wir haben ja noch viele andere Sportarten und hoffen, dass es viele Medaillen gibt.