Erst Doppelgold, dann Shitstorm Maite Nadig: «Ich war 17, unangepasst und wurde ins kalte Wasser geworfen»

Michael Wegmann

28.1.2026

Nadig: «Ich war 17, unangepasst und wurde ins kalte Wasser geworfen»

Nadig: «Ich war 17, unangepasst und wurde ins kalte Wasser geworfen»

26.01.2026

Maite Nadig erinnert sich an ihr Doppelgold von Sapporo 1972, ihren Trick mit dem VW-Käfer Herbie und ihren Kaugummi-Gate mit dem damaligen Bundesrat bei ihrer Ankunft auf dem Flughafen Kloten. 

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Michael Schifferle, Michael Wegmann

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Im Olympia-Talk «Legenden für die Ewigkeit» erinnert sich Marie-Theres Nadig, unser grosser Skistar der 70er-Jahre, an die goldenen Tage von Sapporo 1972 und verrät, was der Film mit dem VW-Käfer Herbie damit zu tun hatte. 
  • Der plötzliche Erfolg und das plötzliche Rampenlicht hatte aber auch seine Schattenseiten. Maite Nadig: «Davor war ich ein normales Kind, danach wollte die ganze Schweiz etwas von mir. Ich wurde ins kalte Wasser geworfen.»
  • Nadig redet offen und ehrlich über ihren «Kaugummi-Skandal» beim Empfang am Zürcher Flughafen und die Debatte, ob sie sich zu wenig feminin gebe. 

Herbie ist ein Auto mit Seele. Der VW-Käfer heult, wenn er traurig ist. Er hebt die Vorderräder, wenn er sich freut. Und er fährt den schnellsten Autos mühelos davon, wenn sich sein Ehrgeiz regt. Herbie, der Käfer aus dem Kult-Film von 1968, war äusserst beliebt. Auch bei Marie-Theres Nadig, der doppelten Olympiasiegerin von Sapporo.

Mit ihrer Familie sah sie den Film vor den Olympischen Spielen 1972 im Kino Sargans, wie sie im Olympia-Talk «Legenden für die Ewigkeit» erzählt. «Das war eine grosse Sache. Und es hat mir Eindruck gemacht, wie der kleine Käfer auch den schnellsten Boliden davonfuhr.» So sehr, dass er auch einen von Nadigs grössten Momenten prägte: die Olympia-Abfahrt von Sapporo. «Als ich in den Zielhang hineinfuhr, ging ich tief in die Hocke und sagte mir: ‹Go Herbie, go Herbie!›.»

Maite Nadig: «Ich sagte mir: ‹Go Herbie, go Herbie!›»

Wie Herbie fuhr sie fuhr an diesem 5. Februar 1972 allen davon. Sie war sogar 32 Hundertstel schneller als die grosse Favoritin Annemarie Moser-Pröll aus Österreich und fuhr zu Olympia-Gold und ins grelle Rampenlicht. Nun war sie eine nationale Heldin. «Gold-Maite», die 17-jährige Überraschungssiegerin aus Flums, wurde frenetisch gefeiert. Wider Willen zwar, da sie Ruhm und Heldenverehrung bis heute ablehnt – aber eine Heldin war sie halt doch.

Maite Nadig: «Ich sagte mir: ‹Go Herbie, go Herbie!›»

Maite Nadig: «Ich sagte mir: ‹Go Herbie, go Herbie!›»

26.01.2026

Nach ihrer Gold-Abfahrt doppelte Nadig gar noch nach, krönte sich auch im Riesenslalom zur Siegerin. 1980 holte Nadig in Lake Placid noch Bronze im Riesenslalom; den Gesamtweltcup holte sie im selben Jahr auch.

Shitstorm nach Kaugummi-Affäre mit dem Bundesrat

Drei Wochen nach Sapporo erst kehrte die Doppel-Olympiasiegerin mit dem Team in die Schweiz zurück. Nach Sapporo war der Ski-Tross erst nach Nordamerika gereist. Danach flog er via San Francisco und London zurück. Gross war der Empfang nach der Landung in Zürich-Kloten gleichwohl. «Ich hatte noch nie so viel Leute gesehen», erinnert sich Nadig. «Alle kamen extra wegen uns. Das war überwältigend, auch wenn ich natürlich lieber  sofort meine Familie gesehen hätte.»

Auch der damalige Bundespräsident Nello Celio (FDP) hielt eine Rede. Unvergessen, dass Nadig Kaugummi kauend danebenstand, mit einer Mimik, die nicht gerade als Zeichen ausgesprochener Begeisterung gewertet wurde. «Ja, ich war sehr müde. Und dann fragte mich mein Trainer Rolf Hefti, ob ich auch einen Kaugummi wolle. Und ich sagte halt leider ja.»

Ein Affront für Schweizer Empörungswütige. Es setzte einen medialen Shitstorm ab. Nadig: «Im Februar war ich die Freude der Nation. Im März dann nicht mehr.» 

«Die ganze Schweiz schaute plötzlich auf mich»

Der Erfolg hatte auch unangenehme Seiten. Plötzlich wollen alle etwas von ihr. «Ich konnte nicht mehr auswärts essen gehen, wurde überall angesprochen. Auch privat wollte man mich näher kennenlernen. Zuvor war ich ein normales Kind. Das war alles wahnsinnig schwierig zu verstehen», sagt Nadig. Kurz: «Ich wurde ins kalte Wasser geworfen.»

Nadig: «Die ganze Schweiz schaute plötzlich auf mich»

Nadig: «Die ganze Schweiz schaute plötzlich auf mich»

Im Olympia-Talk «Legenden für die Ewigkeit» erinnert sich Marie-Theres Nadig, unser grosser Skistar der 70er-Jahre, an den plötzliche Erfolg und das plötzliche Rampenlicht, das aber auch seine Schattenseiten hatte.

26.01.2026

Und Maite aus Flums gehört quasi der ganzen Nation. «Die ganze Schweiz schaut auf dich, schaut, was du machst und ob du es richtig machst.» So kommt gar die Debatte auf, ob die Olympiasiegerin sich genug feminin gibt. Für Nadig eine unangenehme Situation. «Ich war nie der feminine Typ. Ich bin mit Buben aufgewachsen, musste mich immer behaupten. Ich wollte mich nicht ändern, deshalb musste ich mit mir einen Deal finden, damit ich damit umgehen kann.»

Alle Folgen über Maite Nadig in der Serie: «Olympia Stars: Legenden für die Ewigkeit»

Der ganze Talk mit Maite Nadig im Video

Legenden für die Ewigkeit – mit Marie-Theres Nadig

Legenden für die Ewigkeit – mit Marie-Theres Nadig

Marie-Theres Nadig wird mit 17 Jahren über Nacht in Sapporo zu «Gold-Maite» und zum ersten weiblichen Skistar der Schweiz. Ein intimes Gespräch über plötzliche Berühmtheit und den Mut, für sich selbst einzustehen - und Adolf Ogi die Stirn zu bieten.

30.01.2026