Der dreifache Streif-Sieger Pirmin Zubriggen verrät, weshalb er die Tränen von Marco Odermatt nach dessen 2. Platz in Kitzbühel verstehen kann und wie er Odermatts Papi Walter im Zielraum getröstet hat.
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- Marco Odermatt verpasste den ersten Sieg in der Abfahrt von Kitzbühel um 7 Hundertstel, danach kann er die Tränen nicht zurückhalten.
- Pirmin Zurbriggen kanns nachvollziehen. Jeder wisse, dass er genau in diesem Moment bereit sein müsse, sagt er im Olympia-Talk, «und verpasst man dann sein Ziel haarscharf, tut das schon weh».
- Zurbriggen verrät auch, mit welchen Worten er Odermatts Vater Walter im Zielraum zu trösten versuchte.
Zlatan Ibrahimovic war da, der exzentrische Ex-Weltklassekicker aus Schweden. Arnold Schwarzenegger gab sich die Ehre, der Terminator. Oder auch Jürgen Klopp. Zeit um im Zielraum zu plaudern über Filme oder Fussball hatte Pirmin Zurbriggen bei den Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel Mitte Januar aber nicht, wie der Olympiasieger von 1988 im Olympia-Talk «Legenden für die Ewigkeit» erzählt. «Ich war schon sehr stark auf den Skisport fokussiert.»
Auf der Streif gewann der inzwischen 63-jährige Walliser Hotelier dreimal. Er weiss also, was es braucht, um die anspruchsvollste Abfahrt der Welt zu bewältigen: Mut, Kraft, Technik, Glück. «Ich schaue die Rennen, auch den Slalom, mit unglaublichen Emotionen. Ich weiss, was es bedeutet, da runterzufahren. Ich kenne die heiklen Situationen und weiss, was auf der Strecke passieren kann», sagt Zurbriggen.
Verständnis für «Odis» Tränen
Besonders genau schaute der 40-fache Weltcupsieger und vierfache Weltmeister bei Marco Odermatt hin, dem erfolgsverwöhnten Dauergewinner, dem ebendieser grosse Triumph noch fehlt: der Abfahrts-Sieg am Hahnenkamm. Wieder wurde «Odi» Zweiter, um sieben Hundertstel geschlagen vom Italiener Giovanni Franzoni.
Odermatt war enttäuscht. Bei der Siegerehrung gabs Tränen. Zurbriggen kann Odermatts Trauer nachempfinden. «Jeder, der gewinnen will, muss enorme Risiken eingehen. Man muss top vorbereitet sein, sich auf 200 hochpushen. Und jeder weiss, dass er genau in diesem Moment bereit sein muss, total fokussiert. Verpasst man dann sein Ziel haarscharf, tut das schon weh.» Zudem kämen auch Zweifel. Man hat schon alles gegeben, alles getan – trotzdem hat es nicht gereicht. «Dann fragt man sich schon: Was muss ich noch alles tun, um zu gewinnen?» Klar sei, sagt Zurbriggen: «Es braucht halt auch Glück.»
Mitgefühl mit Odermatts Mami
Zurbriggen habe im Zielraum Odermatts Vater Walter getröstet, wie er erzählt. «Ich sagte ihm, dass es nicht so schlimm sei. So sehen wir Marco sicher auch nächstes Jahr wieder auf der Streif. Jetzt hat er zweimal Pech gehabt, vielleicht hat er nächstes Mal Glück.» Generell sei es ohnehin «sensationell», wie Odermatt die anforderungsreiche Piste im Griff habe.
Was Odermatts Eltern trotzdem durchmachen während einer Streiffahrt, kann sich Zurbriggen vorstellen. «Auch mich schauderts jedes Mal, wenn ich sehe, wie entschlossen Marco ins Rennen geht.» Würde sein Sohn so da runterbrettern, würde er mitleiden. «Als Vater hätte ich noch mehr Mühe. Und erst recht, wenn ich ans Mami denke. Sie wird Blut schwitzen. Man weiss, was alles passieren kann. Zum Beispiel in der Mausefalle.»
Denn auch wenn Odermatt ein hervorragender Techniker sei, sagt Zurbriggen: «Auf der Streif muss jeder Fahrer an sein Limit gehen.» Er weiss es aus eigener Erfahrung: Ohne Risiken ist in der Abfahrt nichts zu holen.