Abrechnung mit Kritikern Slalom-Königin Shiffrin: «Ich habe alles hinterfragt, was ich im Leben gelernt habe»
Nach acht medaillenlosen Olympia-Rennen in Folge bricht Mikaela Shiffrin den Fluch und fährt in überragender Manier zu Slalom-Gold. Anschliessend lässt die US-Amerikanerin tief blicken und rechnet mit ihren Kritikern ab.
Mikaela Shiffrin kürt sich in Cortina zum zweiten Mal nach 2014 zur Slalom-Olympiasiegerin und schafft damit, was vor ihr bisher nur Vreni Schneider gelungen war. Mit dem überlegenen Triumph beendet die US-Amerikanerin zugleich eine Serie von acht Olympia-Auftritten ohne Medaille.
Nachdem sie bereits vor vier Jahren in Peking ohne Edelmetall bleibt, kann sie in Cortina weder in der Team-Kombi noch im Riesenslalom reüssieren – und gerät vor dem abschliessenden Slalom unter enormen Druck.
Gegen die Zweifel
«Ich habe diese Woche alles hinterfragt, was ich im Leben gelernt habe – mehr als einmal. Ich habe hinterfragt, welche Art von Biss ich im Herzen trage, und mich gefragt, ob ich das überhaupt tun sollte», gewährt Shiffrin nach dem Rennen in einem Instagram-Post tiefe Einblicke. «Ich habe meine Härte und meine Zähigkeit infrage gestellt. Ich habe alles infrage gestellt.»
Doch sie habe es geschafft, diese Fragen und Zweifel hinter sich zu lassen. «Ich stand im Starthaus, blickte auf den Berg und die Strecke vor mir, und mein Herzschlag rutschte mir fast in die Hose. Und doch, als der Countdown begann, habe ich gepusht. Ich habe gepusht, um zu jagen», schildert die 30-Jährige.
Die Folge: Shiffrin nimmt der gesamten Konkurrenz auf ihrer Goldjagd eineinhalb Sekunden und mehr ab – und hat nach der Machtdemonstration auch eine Botschaft an ihre Kritiker: «Ich habe es geschafft – trotz meiner Angst, dem Adrenalin und der möglichen Kritik und Tiefschlägen von Menschen, die nichts wissen und nicht einmal versuchen, mich zu verstehen.»