Heini Hemmi erinnert sich bei blue Sport an seine Gold-Fahrt im Olympia-Riesenslalom 1976, zwiespältige Hilfsmittel und Halswickel mit Enzianschnaps.
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- Im Olympia-Riesenslalom 1976 in Innsbruck fuhr Heini Hemmi allen davon, auch den grossen Ingemar Stenmark und Gustav Thöni.
- Die beiden Läufe fanden damals an zwei Tagen statt. Die Nacht dazwischen war fast die grössere Herausforderung als die Piste.
- Heini Hemmi erzählt im Olympia-Talk «Legenden für die Ewigkeit» von übel riechenden Enzian-Schnaps-Wickeln und Schlaftabletten. «Offensichtlich hatte Thöni noch schlechter geschlafen als ich. Er verbremste total», sagt Hemmi schmunzelnd.
Jeder hat seine eigenen Techniken, um Nervosität zu bewältigen. Karl-Heinz Rummenigge, der einstige Weltklasse-Fussballer, trank in jungen Jahren vor einem Europacup-Final mal zwei Gläschen Cognac – so sehr schlotterten seine Knie. Bernhard Russi erzählte mal in einem Interview, dass er vor der Olympia-Abfahrt 1972 in Sapporo nahe am Nervenzusammenbruch stand und er sich mit nächtlichem Sport mehr schlecht als recht betäubte.
Heini Hemmi, das Schweizer Riesenslalom-Ass der 70er-Jahre, verzichtete vor dem zweiten Lauf bei den Olympischen Spielen in Innsbruck 1976 auf unterstützende Substanzen – obschon ihm sogar der Verband «Stoff» anbot, wie er im Talk «Legenden für die Ewigkeit» auf blue erzählt.
Hemmi & Co. versuchten es mit Schnapswickel
Der Hintergrund? Die beiden Riesenslalom-Läufe in Innsbruck fanden an zwei Tagen statt. Weil zwei verschiedene Talseiten präpariert wurden, mussten unter anderem Tore, Kameras und das restliche Equipment umpositioniert werden; das kostete Zeit. Also mussten Hemmi und Co. eine Nacht lang warten, ehe sie zum zweiten Lauf antreten konnten. Eine Nervenprobe. Das ahnten auch die Verbandsverantwortlichen. Hemmi sagt: «Sie wollten uns wegen der mentalen Belastung Schlaftabletten geben.» Für Hemmi war das aber keine Option – er schlief lieber schlecht. «Je nachdem hätten wir sonst beim Start geschlafen», sagt er. «Zum Glück ging alles gut über die Bühne.»
Doch weil die Luft trocken und staubig war, hatte Hemmi wie viele andere Athleten Halsschmerzen. «Man empfahl uns, Schnapswickel zu machen. Es gab aber einzig Enzianschnaps. Und der stank grauenhaft, sodass wir uns die Wickel mitten in der Nacht wieder wegnahmen.»
«Stenmark hatte einen rausgelassen»
Storys, über die Hemmi heute lachen kann. Aus gutem Grund: Er kurvte noch zum Sieg, nachdem er am ersten Tag auf Zwischenrang drei lag. Ingemar Stenkmark, der schwedische Topshot, lag in Führung, als Hemmi zum zweiten Lauf ansetzte; im ersten Durchgang war er bloss Achter gewesen. «Das gab es eigentlich gar nicht, dass Stenmark im zweiten Lauf vor mir startete. Ich wusste von Anfang an, dass ich alles oder nichts geben musste.» Als Hemmi dann mitten in seiner Abfahrt unter einem Sessellift durchfuhr, hörte er aus einem Megafon, dass der Speaker von einem «Riesenspektakel» sprach. «Da wusste ich, dass Stenmark einen rausgelassen hatte.»
Hemmi aber übertrumpfte Stenmark. Und auch Gustav Thöni, der mehr als eine Sekunde schneller war im ersten Lauf, schaffte es nicht mehr, den Schweizer zu verdrängen; der Italiener wurde Vierter, der Schweizer Ernst Good holte Silber, Stenmark Bronze. «Offensichtlich hatte Thöni noch schlechter geschlafen als ich. Er verbremste total», sagt Hemmi.