Nach Tod von Ueli Kestenholz wie gelähmt Tanja Frieden: «Üelu war mein Zuhause in der grossen Welt»

Michael Wegmann

3.2.2026

Tanja Frieden über Tod von Ueli Kestenholz: «Es war ein Schock»

Tanja Frieden über Tod von Ueli Kestenholz: «Es war ein Schock»

02.02.2026

Tanja Frieden ist in tiefer Trauer um Ueli Kestenholz, den Snowboarder, der am 11. Januar bei einem Lawinenunglück ums Leben kam. «Er war wie ein Bruder für mich», sagt die Olympia-Siegerin und verrät, was sie tröstet und weshalb Kestenholz' Art zu leben, inspirierend ist. 

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Michael Wegmann, Michael Schifferle

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  • Am 11. Januar stirbt der ehemalige Schweizer Spitzen-Snowboarder Ueli Kestenholz, 50-jährig, bei einem Lawinenunfall. 
  • Als sie von der Tragödie erfahren habe, sei sie tagelang wie gelähmt gewesen, sagt Tanja Frieden im Olympia-Talk «Legenden für die Ewigkeit». Kestenholz war in ihrem bisherigen Leben quasi immer an ihrer Seite.
  • «Ja, er war wie ein Bruder für mich war», sagt Frieden. Einer, der auch mal genervt habe, «aber vor allem einer, den ich sehr gern hatte.» Und seine Lebenseinstellung sei inspirierend gewesen, so Frieden weiter. «Üelu fragte sich täglich: ‹Wo ist die Freude im Leben?›»

Die Nachricht machte uns alle betroffen. Ueli Kestenholz, Snowboarder und Olympia-Dritter von 1998, verunglückte bei einem Lawinenunfall im Lötschental tödlich. Auch Tanja Frieden trauert um ihren langjährigen Freund und Wegbegleiter. «Es war ein Schock und ich bin immer noch dran, ihn zu verarbeiten», sagt die Olympiasiegerin von Turin 2006. «Ich war vier Tage wie gelähmt. Das war sehr heftig.»

Frieden hat sich tagelang zurückgezogen und all ihre geschäftlichen Termine abgesagt. Sie, die seit Jahren als Personal-Coach anderen Menschen hilft, die Balance zu finden, musste sich um sich selbst kümmern. Selbst heilen. «Die Trauer ist nicht von heute auf morgen weg und sie darf auch sein», sagt Frieden im Olympia-Talk «Legenden für die Ewigkeit», «aber man kann beeinflussen, wie man mit ihr umgeht». Mittlerweile sei sie bereit, über die Tragödie und ihren verstorbenen guten Freund zu reden.

Frieden und Kestenholz waren fast gleich alt, stammen beide aus dem Berner Oberland. «Wir wuchsen zusammen auf. Wir hatten denselben Werdegang, wohnen in der Nähe und haben Kinder im selben Alter.» Ja, man könne sagen, sagt Frieden mit einem sanften Schmunzeln, «dass er wie ein Bruder für mich war. So fest man sie gern hat, so fest können sie manchmal nerven.»

«Üelu fragte sich täglich: ‹Wo ist die Freude im Leben?›»

Sie habe gewusst, egal wo Kestenholz gerade gewesen sei, dass sie sich auf ihn verlassen könne. «Üelu war mein Zuhause in der grossen Welt. Er war wie ein Teil meiner Familie.» Die beiden tauschten sich über allerlei aus, über Businessfragen oder tiefgründigere Themen. Aber nicht nur. «Wir konnten zusammen auch sehr gut Feste feiern», sagt Frieden. «Das fehlt jetzt.»

Auf Instagram verabschiedete sich Frieden mit ergreifenden Zeilen von Kestenholz. Sie schrieb, dass immerhin einer nicht habe leiden müsse, weil er sein Leben bis am Ende gelebt hat. Kestenholz selbst. «Das ist sehr tröstend für ihn. Gleichzeit aber mit Blick auf seine Familie sehr, sehr schmerzhaft», sagt sie.

Kestenholz sei immer auch Inspiration für sie gewesen, sagt Frieden. Er, der lebensfrohe Mensch gewesen, lebte im Hier und Jetzt.  «Er stand immer vor der Frage: Wo ist die Freude im Leben? Was mache ich gerne? Das hat er gesucht und jeden Tag das gemacht, was ihm Freude bereitet.» Bis zum schicksalshaften 11. Januar.


Alle Folgen über Tanja Frieden in der Serie: «Olympia Stars: Legenden für die Ewigkeit»

Der ganze Talk mit Tanja Frieden im Video

Legenden für die Ewigkeit – mit Tanja Frieden

Legenden für die Ewigkeit – mit Tanja Frieden

2006 raste Tanja Frieden in Turin zu Snowboardcross-Gold und wurde zum Star. Doch wie prägt der Ruhm die Persönlichkeit? Heute gibt sie als Lebenscoach ihre Erfahrungen rund um Erfolg, Krisen und Identitätsfindung an andere weiter.

04.02.2026