Olympische Spiele 2024 Vom Fiasko über Tarzan bis zum olympischen Motto – Paris ist Sinnbild für ikonische Spiele

sda

12.7.2024 - 10:00

Zweimal fanden bisher Olympische Spiele in Paris statt. 1900 war in jeder Hinsicht ein Fiasko, 1924 ein Triumph. Für die olympische Bewegung und für die Schweizer Delegation.

12.7.2024 - 10:00

Vor fast genau 100 Jahren – am 5. Juli 1924 – wurden letztmals Olympische Spiele in Paris eröffnet. Sie wurden zu einem durchschlagenden Erfolg, gerade auch aus Schweizer Sicht. Die 25 Medaillen, darunter sieben goldene, sind bis heute Rekord. Es gab 126 Wettkämpfe, zweieinhalb Mal weniger als heute.

Die Kunstturner waren mit sieben Medaillen am erfolgreichsten, gefolgt von den Ruderern und Ringern mit je fünf. Henri Wernli gewann als Freistil-Ringer Silber im Schwergewicht, zwei Jahre später krönte sich der Genfer zum Schwingerkönig. Am Pauschenpferd feierten die Schweizer ihren bis heute einzigen vierfachen Erfolg bei Sommerspielen.

Die grösste Resonanz erhielten aber die Fussballer. Mit Siegen gegen Litauen (9:0), Tschechien (1:1 und 1:0), Italien (2:1) und Schweden (2:1) stürmten die Schweizer mit dem Neuenburger Goalgetter Max «Xam» Abegglen (6 Tore) in den Final. Dort war Uruguays Wunderteam, das sechs Jahre später auch erster Weltmeister wurde, eine Nummer zu gross (0:3).

Aufbruchstimmung nach dem Weltkrieg

Die Spiele von 1924 brachten aber nicht nur aus Schweizer Meilensteine, sie waren auch sonst ein Erfolg. Sechs Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges herrschte Aufbruchstimmung, die Sonne heizte mit bis zu 40 Grad ein. Die Spiele waren ohne Gegenkandidaten in die französische Metropole vergeben worden, als eine Art Abschiedsgeschenk an Baron Pierre de Coubertin, den Gründer der modernen olympischen Bewegung, der das IOC-Präsidium ein Jahr später abgab.

Erstmals gab es für die gut 3000 Athleten – darunter 135 Frauen – ein olympisches Dorf. Neu war auch das noch immer gültige olympische Motto: Citius, Altius, Fortius (schneller, höher, stärker).

Tarzan und Hollywood-Glanz

Die internationalen Stars waren der «fliegende Finne» Paavo Nurmi, der innerhalb einer Stunde die 1500 m und die 5000 m gewann, dazu zwei Tage später den «Querfeldein-Lauf» (über gut 10 km). Im Schwimmbecken überragte der eben erst 20-jährig gewordene Johnny Weissmuller mit drei Goldmedaillen (und Bronze im Wasserball). Später wurde der als Johann Peter Weissmüller in Ungarn geborene Amerikaner als Film-Tarzan berühmt. John Kelly, Vater der späteren Hollywood-Ikone und Fürstin von Monaco Grace Kelly, gewann Gold im Doppelzweier der Ruderer.

So erfolgreich die Spiele von 1924 die Ära der modernen Medienpräsenz einläuteten, so sehr war die Ausgabe 24 Jahre zuvor ein Fiasko. Die Sportwettkämpfe fanden im Rahmen der Weltausstellung und über fünf Monate verteilt statt, nicht für alle Sieger gab es Medaillen, und manche wussten nicht einmal, dass sie an Olympischen Spielen teilnahmen. Es waren ja auch erst die zweiten der Neuzeit.

Erste Frau als Olympiasiegerin aus der Schweiz

Einige Disziplinen fanden im Jahr 1900 in Paris zum ersten und – bis heute – einzigen Mal statt. Dazu gehören Angeln, Motorsport (von Autos über Taxis bis zu Lieferwagen), Ballonfahren, Cricket, Krocket, Pelota, Hindernisschwimmen und Tauchen.

Immerhin wurde die erste Frau als Olympiasiegerin gekürt. Die in den USA geborene Hélène de Pourtalès segelte vor Le Havre zusammen mit ihrem Mann, Graf Hermann de Pourtalès, und dessen Neffen Bernard auf der Schweizer Jacht Lérina zu Gold in der 1-2-Tonnen-Klasse. Zwei Monate später wurde die britische Tennisspielerin Charlotte Cooper zur ersten weiblichen Olympiasiegerin in einer Einzeldisziplin.

Überhaupt war auch die Austragung von 1900 aus Schweizer Sicht durchaus erfolgreich. Mit sechs Gold- (die anderen fünf im Schiessen), zwei Silber- und einer Bronzemedaille belegte man in der Nationenwertung den 5. Platz.

128 Schweizer Athleten an den Olympischen Spielen in Paris

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