Denkwürdige Pressekonferenz ManUtd-Coach Amorim schiesst gegen die Klubführung

Syl Battistuzzi

5.1.2026

Amorim: «Ich bin hierher gekommen, um Manager zu sein, nicht Trainer!»

Amorim: «Ich bin hierher gekommen, um Manager zu sein, nicht Trainer!»

04.01.2026

Seit Monaten kämpft Rúben Amorim bei Manchester United nicht nur gegen sportliche Rückschläge, sondern auch um Einfluss im Verein. Nun legt der Portugiese verbal nach – mit deutlichen Worten über seine Rolle.

Syl Battistuzzi

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Trotz durchwachsener Leistungen pocht ManUnited-Coach Rúben Amorim auf seine Rolle als Manager und fordert mehr Macht im Verein.
  • In einer aufsehenerregenden Pressekonferenz kündigt er an, seinen Vertrag über 18 Monate zu erfüllen, stellt aber klar, dass er nicht nur als Trainer, sondern als Entscheidungsträger arbeiten will.
  • Der Portugiese kritisiert indirekt mangelnde Unterstützung aus dem Klubumfeld – sein Verbleib scheint trotz Vertrags bis 2027 zunehmend ungewiss.

Der Start von Manchester United in die Saison missriet gründlich: Im Auftaktspiel unterlag man Arsenal, dann blamierten sich die Red Devils im Liga-Cup gegen den Viertligisten Grimbsy. Nach einer Liga-Pleite gegen Brentford lag ManUtd Ende September nur auf Rang 14. Dabei hatte United im Sommer fast 200 Millionen Euro in neue Spieler investiert.

Doch obwohl der Klub den Erwartungen hinterherhinkte, durfte Trainer Rúben Amorim bleiben. Co-Inhaber und Fussballchef Sir Jim Ratcliffe sprach dem portugiesischen Coach eine Art Jobgarantie aus. «Rúben hat drei Jahre Zeit, um zu beweisen, dass er ein grossartiger Trainer ist», sagte Ratcliffe in einem Podcast.

Amorim brachte das kriselnde Team danach tatsächlich wieder in die Spur. In den letzten sieben Spielen etwa verlor man lediglich gegen Aston Villa mit 2:1 und holte 12 Punkte. Nach dem knappen 1:0-Erfolg über Newcastle am zweiten Weihnachtsfeiertag folgte jedoch am letzten Dienstag die Ernüchterung, als man zuhause gegen den abgeschlagenen Letzten aus Wolverhampton nicht über ein 1:1 hinauskam. Auch nach dem Jahreswechsel schaute am Sonntag nur ein 1:1 gegen den Abstiegskandidaten Leeds heraus.

Amorim: «Ich werde nicht kündigen»

Danach gab Amorim eine denkwürdige Pressekonferenz. «Ich habe das Gefühl, dass wir, wenn wir ein perfektes 3-4-3 (Amorims Lieblingssystem – Anm.d. Red.) spielen wollen, viel Geld ausgeben müssen und Zeit brauchen», zeigte sich der 40-Jährige frustriert und ergänzte: «Ich beginne zu verstehen, dass das nicht passieren wird. Also muss ich mich vielleicht anpassen.»

Rúben Amorim will mehr Einfluss.
Rúben Amorim will mehr Einfluss.
IMAGO/Pro Sports Images

Auf die Frage, ob er noch die Unterstützung des Vorstands habe, nahm Amorim zuerst die Reporter ins Visier, da diese nur selektive Informationen hätten. «Ich bin hierhergekommen, um Manager von Manchester United zu sein – nicht um Trainer von Manchester United zu sein. Und das ist klar. Ich weiss, dass ich nicht (Thomas) Tuchel heisse, nicht (Antonio) Conte und auch nicht (José) Mourinho, aber ich bin der Manager von Manchester United. Und das wird auch so bleiben, bis in 18 Monaten oder wenn der Vorstand beschliesst, etwas zu ändern», machte er klar und betonte: «Ich werde nicht kündigen. Ich werde meine Arbeit machen, bis jemand anderes hierherkommt, um mich zu ersetzen.»

Amorim, der seit November 2024 in Manchester engagiert ist, ergänzte: «Ich möchte nur sagen, dass ich der Manager dieser Mannschaft sein werde, nicht nur der Trainer. Das habe ich ganz klar gesagt, und in 18 Monaten ist das vorbei, und dann wird jeder seinen Weg gehen. Das war die Vereinbarung. Das ist meine Aufgabe. Nicht Trainer zu sein. Wenn die Leute nicht mit den Gary Nevilles (TV-Experte und Ex-Spieler von Manchester United – Anm. d. Red.) und der Kritik an allem umgehen können, müssen wir den Verein verändern. In jeder Abteilung – der Scouting-Abteilung und der Sportdirektor – muss jeder seine Arbeit machen. Ich werde meine 18 Monate lang machen, und dann gehen wir weiter.»

Grosse Fussstapfen

Nach seiner Wut-PK liess Amorim die verdutzten Reporter zurück. Wieso der Portugiese Druck auf die Vereinsführung macht, intern mehr Macht zu bekommen, ist unklar. Zumindest sportlich hat er wenig Argumente gesammelt. Seine erste Saison als Trainer von Manchester United beendete Rúben Amorim auf dem 15. Tabellenplatz. Es war die schlechteste Abschlussplatzierung für United seit über 50 Jahren.

Auch bei den Fans steht er weiterhin unter kritischer Beobachtung. Ob Amorim freiwillig seinen Posten verlässt (sein Vertrag läuft bis 2027), wenn er nicht die gewünschte Unterstützung bekommt, ist offen. Die Ausgangslage im Theatre of Dreams ist aber auch schwierig: Seit Trainerlegende Sir Alex Ferguson den Klub vor zwölf Jahren verliess, ist jeder Kandidat gescheitert. 

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