«Armutszeugnis» – Top-Nationen verzichten auf Langlauf-Weltcups

dpa/jar

3.12.2020

Therese Johaug of Norway competes during women's cross country skiing freestyle 10 km pursuit competition at the FIS World Cup Ruka Nordic event in Kuusamo, Finland, Sunday, Nov. 29, 2020. (Vesa Moilanen/Lehtikuva via AP)
Langlauf-Ass Therese Johaug und ihre norwegischen Kollegen sind in Davos nicht am Start.
Bild: Keystone

Die besten drei Langlauf-Nationen sind in diesem Jahr nicht mehr am Start. Nach Norwegen verzichten auch die Schweden und Finnen auf zwei Weltcups. 

Die Corona-Pandemie sorgt im Wintersport für immer grössere Probleme. Während im Skilanglauf nach den Norwegern um ihre Superstars Johannes Kläbo und Therese Johaug auch die Schweden und Finnen auf Starts bei den kommenden Weltcups in Davos und Dresden verzichten, wurden zugleich weitere Wettbewerbe gestrichen.

So wurden am Mittwoch coronabedingt die für Februar 2021 in China geplanten Weltmeisterschaften der Snowboarder und Ski-Freestyler ebenso abgesagt wie die vorolympischen Weltcups der alpinen Skirennfahrer, Skispringer, Nordischen Kombinierer und Langläufer. Zuvor waren bereits andere Weltcups in diversen Wintersportarten wegen Corona gestrichen worden.

Wie die norwegischen Langlauf-Asse fürchten auch die Finnen und Schweden, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Damit bleiben drei der erfolgreichsten Skinationen den Wettbewerben in der Schweiz und Deutschland fern.

«Ein Armutszeugnis» des Weltverbands FIS

Teamarzt Per Andersson sagte am Mittwoch laut einer Mitteilung des Schwedischen Skiverbandes, man könne zurzeit keine sichere Hin- und Rückreise von und nach Davos und Dresden garantieren. Weder der finnische, noch der schwedische oder der norwegische Skiverband haben bisher entschieden, ob ihre Teams im Januar 2021 bei der Tour de Ski in der Schweiz und Italien antreten werden.

Anders als die drei Top-Nationen wird das deutsche Langlauf-Team den Weltcup in Davos in Angriff nehmen. «Wir werden alle Startplätze besetzen. Wir haben ein gutes Konzept und sind gut aufgestellt», sagte Bundestrainer Peter Schlickenrieder am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Auf die Frage, wie der Weltverband FIS auf die besondere Lage mit Absagen der Favoriten reagiere, sagte Schlickenrieder: «Wie immer: Gar nicht. Das ist ein Armutszeugnis, was da gerade passiert.»

Flury von Skandinaviern enttäuscht

Christian Flury, der Langlauf-Chef bei Swiss Ski, sieht es genauso: «Es ist ein Armutszeugnis. Aber es überrascht mich nicht. Wir haben erwartet, dass bei diesem Kalender so etwas passiert», sagt Flury dem «Blick». Die FIS habe den ganz normalen Weltcup-Kalender durchgedrückt und praktisch gar nicht auf die Pandemie reagiert.

Dass sich die Skandinavier nun so kurzfristig zurückziehen, stört Flury aber gewaltig. «Wir haben mit den Deutschen im Sommer ein Konzept vorgelegt, wie ein angepasster Kalender aussehen könnte. Unter anderem wurde das aber von den Skandinaviern abgelehnt. Es ist darum sehr enttäuschend und nicht ganz fair, dass sie nun absagen», sagt er. «So etwas macht mich wütend.»

Noch mehr ärgert ihn aber, dass die FIS offensichtlich zu wenig unternimmt, um eine sichere Weltcupsaison durchführen zu können. Eine Corona-Blase wie bei vielen anderen Sportveranstaltungen beispielsweise wird nicht erstellt. «Da fehlt die Führung in der FIS-Langlauf-Crew, welche die Rahmenbedingungen vorgeben sollte. Man hat es im Sommer verpasst, Anpassungen im Kalender und einheitliche Regeln zu machen, so Flury. «Es ist eigentlich traurig, was da abgeht.»

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