Erika Hess: «Ich bin Jacques unendlich dankbar»

lbe

25.1.2021

Die nominierte Skifahrerin Erika Reymond-Hess posiert an der Verleihung der Sports Awards 2020, aufgenommen am Sonntag, 13. Dezember 2020, in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)
Erika Hess, hier an der Verleihung der Sports Awards im Dezember 2020, spricht in einem Interview über den Tod ihres Ehemannes Jacques Reymond.
Bild: Keystone

Mehr als ein halbes Jahr nach dem Tod von Ehemann Jacques Reymond spricht Erika Hess über ihren schmerzhaften Verlust und erklärt, was ihr bis heute Mühe macht.

Im Mai des letzten Jahres verstirbt der ehemalige Schweizer Skitrainer Jacques Reymond im Alter von 69 Jahren an den Folgen einer Corona-Infektion. Auch wenn sich der Waadtländer nach der Ansteckung mit dem Virus im März 2020 nicht erholen kann und zwischenzeitlich gar im künstlichen Koma liegt – der Tod trifft Ehefrau Erika Hess und die drei gemeinsamen Söhne völlig unvorbereitet. 



«Wir waren fassungslos, denn obwohl wir wussten, dass die Situation kritisch war, hatten wir die Hoffnung nie aufgegeben», sagt Hess im Gespräch mit der «Schweizer Illustrierten». Man habe versucht, sich gegenseitig zu trösten. Für Hess bleibt seither allerdings kein Stein auf dem anderen. «Mein Alltag hat sich seither enorm verändert, Jacques und ich waren eins. Wir hatten gemeinsame Pläne, beruflich, privat, waren 24 Stunden zusammen. Heute bin ich alleine und muss meine Zukunft selber planen», so die 58-Jährige.

Die seltenen Besuche als Belastung

Als das Paar vor 35 Jahren zusammenkommt – sie als Athletin, er als Trainer im Schweizer Frauen-Team –, sorgt das für Misstöne. Coach Reymond wird gar ins Männer-Team versetzt. Hess, die in ihrer kurzen Karriere unglaubliche sechs Weltmeistertitel und 31 Weltcupsiege erringt, tritt bereits im Alter von 25 Jahren ab und gründet mit Reymond eine Familie.

Erika Hess und Jaques Reymond gaben sich am 7. Mai 1988 in der Kirche in Bauen im Kanton Uri das Ja-Wort.
Erika Hess und Jaques Reymond gaben sich am 7. Mai 1988 in der Kirche in Bauen im Kanton Uri das Ja-Wort.
Bild: Keystone

«Seine Präsenz, seine Liebe, sein Wissen, seine grosse Ausstrahlung. Er war mein Halt, meine Rückendeckung», sagt Hess auf die Frage, was sie seit seinem Tod am meisten vermisse. Sie betont: «Ich bin ihm unendlich dankbar für all das, was er mir auf den Weg mitgegeben hat.» Ein Umstand allerdings belastet sie bis zum heutigen Tag: «Ich durfte ihn in den sechs Wochen im Spital bis zu seinem Tod gerade dreimal besuchen.»

Gleichzeitig versichert Hess, ihr gehe es trotz des nach wie vor grossen Schmerzes nicht schlecht: «Ich gehe den Weg weiter, will meinem Leben auch künftig einen Sinn geben. Es bleiben für mich noch etliche Aufgaben. So möchte ich weiterhin eine gute und hilfsbereite Mutter sein, und die Rolle als Grossmami füllt mich gänzlich aus».

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