Gisin baut Schweizer Podestserie aus – und hofft auf das Überleben der Kombi

SDA/lbe

15.2.2021 - 20:25

Michelle Gisin sorgte für die fünfte Medaille der Schweizer Frauen im dritten WM-Rennen.
Michelle Gisin sorgte für die fünfte Medaille der Schweizer Frauen im dritten WM-Rennen.
Bild: Keystone

Michelle Gisin freut sich in Cortina über Bronze hinter Mikaela Shiffrin und Petra Vlhova. Und zeigt Verständnis für kritische Töne.

Grosskampf-Tag beim Auftakt zur zweiten WM-Woche. Zwei Kombinationen und somit vier Läufe standen am Montag auf dem Programm, je zwei für beide Geschlechter. Diskussionen über das Format, das schon totgesagt war, blieben nicht aus. Wobei die schiefen Töne primär aus den Reihen der TV-Zuschauer und der im Zielraum Anwesenden kamen. Weil die Besten aus dem Super-G im Slalom zuerst starten durften und die besten Technikerinnen bereits im Super-G zu den Schnellsten gehörten, war die Entscheidung schon nach sieben Fahrerinnen gefallen.

Bis zur Medaillenzeremonie verstrich auch deshalb viel Zeit, weil diese erst nach der Männer-Entscheidung stattfand. Nach Sonnenuntergang präsentierte sich das Podest der Frauen illuster: Mit Mikaela Shiffrin, Petra Vlhova und Michelle Gisin stiegen die besten drei Allrounderinnen der Gegenwart auf das Siegertreppchen. Beste Werbung für die Disziplin, die beim Weltverband einen schweren Stand hat.



Doch die Kombination, die bei Ski-Romantikern wie Gisin höchstes Ansehen geniesst, kämpft weiter um die Daseinsberechtigung. Aus marketingtechnischen Gründen stand sie nach der WM vor zwei Jahren vor dem Aus. Unverhofft wurde sie 2021 doch wieder (oder noch einmal) ins WM-Programm aufgenommen, während man sie in dieser Saison im Weltcup vergebens sucht.

Ski-Expertin Sonja Nef kritisert im Gespräch mit «blue Sport»: «Ich finde, die Kombination hat momentan überhaupt nicht den Stellenwert, den sie verdient hätte. (…) Das liegt auch ein wenig am internationalen Skiverband, so wie sie momentan die Kombination verkaufen. Sie bieten keine Weltcup-Rennen an, die Kombination hat keine Plattform. Über den ganzen Winter war kein Wettkampf», so Nef. Unter dem Strich schmälere das den Reiz für junge Fahrerinnen, überhaupt Kombination zu trainieren: «Die Attraktivität fehlt, und vor allem der Stellenwert».

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Kein Kraut gewachsen gegen Shiffrin

Das alles schmälerte die Freude über Bronze bei Gisin nicht. «Sehr cool und überhaupt nicht selbstverständlich» sei dieser 3. Platz, befand die Obwaldnerin. 89 Hundertstel war sie langsamer als die überlegene Amerikanerin Shiffrin. Winzige drei Hundertstel trennten sie von der Slowakin Vlhova, die am Morgen im Super-G erstaunlich wenig Zeit eingebüsst hatte.

Gegen Shiffrin sei an diesem Tag kein Kraut gewachsen gewesen, anerkannte Gisin. Um der nun sechsfachen Weltmeisterin, die vier Tage zuvor im Super-G trotz eines zeitraubenden Fehlers Bronze geholt hatte, Gold streitig machen zu können, «machte ich in beiden Läufen den einen kleinen Fehler zu viel».

Für Gisin war es die zweite WM-Medaille in der Kombination nach Silber vor vier Jahren in St. Moritz und die dritte an Grossanlässen. An den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang hatte sie Gold gewonnen, nun baute sie in Cortina mit dem neuerlichen Erfolg auch die Podest-Serie ihres Teams aus. Lara Gut-Behrami, Corinne Suter und sie bescherten der Schweiz aus den ersten drei Frauenrennen fünf Medaillen.

Natürlich wünscht sich Gisin einen Fortbestand jener Disziplin, die die komplettesten Athletinnen auszeichnet. Aber darüber, wie die Kombination in den letzten Jahren vom Weltverband gehandhabt werde, sei sie etwas enttäuscht. Der Verzicht auf Rennen im Weltcup, das Beibehalten an Grossanlässen, der Super-G anstelle einer Abfahrt – das alles könne nicht im Sinne des Skisports sein, meinte Gisin in dem Moment, in dem sich Athletinnen eigentlich uneingeschränkt freuen möchten.

Holdeners Aus am dritten Tor

Hinter Gisin tat sich eine Lücke von fast anderthalb Sekunden auf. Wendy Holdener suchte man im Klassement vergebens. Die Schwyzerin, die sich kurz vor der WM von ihrem Trainer Klaus Mayrhofer getrennt hatte, büsste im Super-G einiges an Zeit ein. Sie hätte im Slalom einen Bombenlauf benötigt, um bei der Medaillenvergabe noch mitreden zu können, entsprechend ging sie «All-in». Das ging überhaupt nicht auf. Schon im dritten Tor schied sie aus. Sie gesellte sich damit zu Priska Nufer und Jasmina Suter, die das Ziel ebenfalls nicht erreichten.

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