Michelle Gisin ganz privat: «Ich bin ein schräger Vogel und nerve manchmal»

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6.1.2021

Switzerland's Michelle Gisin smiles after crossing the finish line during an alpine ski, women's World Cup downhill training, in Altenmarkt-Zauchensee, Austria, Friday, Jan. 10, 2020. (AP Photo/Giovanni Auletta)
Michelle Gisin befindet sich in diesem Winter in Hochform.
Bild: Keystone

Michelle Gisin ist die Frau der Stunde im Schweizer Ski-Team. Die Zweitplatzierte im Gesamtweltcup gibt für einmal ein Interview, in dem sie weniger über den Ski-Zirkus spricht, sondern mehr über ihr Privatleben preisgibt.

Dem «Tages-Anzeiger» beantwortet Michelle Gisin einen längeren Fragebogen über ihren Charakter, ihren Freund und die Schweiz. So stelle sie sich nicht die Frage, wann sie zum letzten Mal grosses Glück hatte, sondern wann das eben nicht der Fall war. «Ich bin in der Schweiz geboren, auf der Sonnenseite des Lebens. Meine Eltern haben mir oft gesagt, dass ich schätzen solle, was ich alles habe», sagt Gisin.

Dennoch schätze sie nicht alles an ihrem Heimatland. Was sie stört: «Die Überpünktlichkeit, diese etwas steife Attitüde. Alles muss exakt sein – und viele Leute sind reserviert. An und für sich passe ich da überhaupt nicht hinein. Ich bin anders gestrickt.»

Wie sie gestrickt ist, erklärt die 27-jährige Engelbergerin gleich selbst: «Ich spreche andauernd, ohne Pause. Mit mir gibt es diese peinlichen Momente nie, in denen keiner im Raum mehr weiss, über was man noch reden soll. Ich bin ein schräger Vogel, langweilig wird es mit mir nicht.» Wenn sie sich bei jemandem entschuldigen müsse, wären es ihre Teamkollegen. «Weil ich viel zu viel rede und daher manchmal nerve.»



«Für einen Tag als Mann Riesenslalom fahren, das wäre geil»

Die Technikerin verrät auch, was sie an sich selbst attraktiv findet. «Meine Beine. Sie sind lang und kräftig. Und ohne überheblich zu sein: Sie haben schon viel Gutes angestellt», lacht Gisin. Weniger Gutes würde sie hingegen auf der Motocross-Piste zeigen, auch wenn immer wieder behauptet werde, sie wäre eine gute Fahrerin. «Sogar beim Grand Prix Ende Oktober in Arco, als Jeremy Seewer den Vize-Weltmeistertitel holte, machte dieses Gerücht die Runde. Ich bewundere Seewer, bin ein Riesen-Fan von ihm. Ich selbst aber bin ein Anti-Talent.»

Ein grosses Talent ist Gisin hingegen in den technischen Ski-Disziplinen. In diesem Winter fuhr sie schon dreimal aufs Podest und erlöste die Schweiz mit ihrem Triumph in Semmering nach 19 Jahren ohne Frauen-Sieg im Slalom. Wäre sie für einen Tag ein Mann, würde die Schwyzerin aber «stundenlang Riesenslalom fahren. Das wäre geil! Ich möchte wissen, wie sich das anfühlt als Mann, mit viel mehr Kraft, mit viel besseren Voraussetzungen».



Apropos Mann: Der Mann an der Seite von Michelle Gisin ist seit sechs Jahren Luca De Aliprandini, selber Skirennfahrer fürs italienische Team. Heiratspläne hat das Paar bereits, einen Seitensprung könnte die Olympiasiegerin von 2018 ihrem Schatz wohl nicht verzeihen, wie sie gesteht: «Ich bin da ein wenig oldschool, ziemlich konservativ. Für mich geht das gar nicht. Entscheidend wäre sicher die Reaktion: Legt einer die Karten gleich auf den Tisch und gesteht alles, kann man vielleicht noch etwas retten. Aber nur vielleicht.»

Geheimnisse gebe es im gemeinsamen Haus am Gardasee aber ohnehin nicht. Sie könne mit ihrem Freund über alles reden, sagt Gisin: «Es gibt keine Tabus, wirklich nicht. Ich spreche mit Luca über alles. Ich hoffe, er auch mit mir.»

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