Interview

Michelle Gisin: «Ich bin sicher, dass dies eine WM für die Schweiz werden kann»

Von Chris Geiger, Cortina d'Ampezzo

8.2.2021

Michelle Gisin: Eine der grössten Schweizer Medaillen-Anwärterinnen in Cortina d'Ampezzo.
Michelle Gisin: Eine der grössten Schweizer Medaillen-Anwärterinnen in Cortina d'Ampezzo.
Bild: Keystone

Vor dem Start der Ski-WM in Cortina d'Ampezzo spricht die grosse Schweizer Hoffnungsträgerin Michelle Gisin mit «blue Sport» über Druck, Vorfreude und Ziele.

Michelle Gisin, es geht nicht mehr lange bis zum ersten Rennen. Spüren Sie die Anspannung?

Am Samstag gab es einen speziellen Moment, als ich mein Zimmer betrat. Mir wurde klar, dass ich jetzt für zwei Wochen hier bleiben werde. Das sind diese Kleinigkeiten, die dich daran erinnern, dass es kein Weltcup-Rennen ist, sondern die WM. Für mich sind es die ersten Weltmeisterschaften seit denen in St. Moritz vor vier Jahren. Ich freue mich sehr auf die Rennen.

Sie befinden sich in bester Verfassung. Wie haben Sie sich auf diese WM vorbereitet?

Seit dem letzten Rennen in Garmisch (Anm. d. Red.: Super-G, 11. Platz) ist es ja noch nicht lange her. Ich ging danach ins Südtirol, wo ich ein paar Tage Slalom und Riesenslalom trainierte. Dann ging es weiter nach San Pellegrino, wo ich im Super-G und in der Abfahrt noch Trainings absolvierte.

War es notwendig, vor den Weltmeisterschaften sowohl Geschwindigkeit als auch Technik zu trainieren?

Ja, das war sehr wichtig und ich fühlte mich gut dabei. Bereits in Garmisch habe ich wieder Vertrauen in die Geschwindigkeit gewonnen, es war ein sehr wichtiges Ergebnis, sehr stark sogar. Die Bedingungen waren wegen meiner hohen Startnummer und der Löcher in der Strecke nicht günstig. So ist mein 11. Platz noch wertvoller. Das alles hat mir mehr Selbstvertrauen gegeben und zeigt, dass ich bereit bin.

«Mind-blowing»: Michelle Gisin kann selbst kaum glauben, wie schnell sie fährt

«Mind-blowing»: Michelle Gisin kann selbst kaum glauben, wie schnell sie fährt

Michelle Gisin ist hervorragend in den Weltcup-Winter gestartet. Vor den beiden Super-Gs in St. Moritz spricht die Engelbergerin mit Kiko und Manu über ihre Ambitionen, Speed-Rekorde und Geister-Rennen.

04.12.2020

Wie werden Sie die nächsten zwei Wochen angehen? Sie starten ja in allen Rennen.

Es sind zwar fünf Rennen in zwei Wochen, aber das ist für mich normal. Es ist nicht viel intensiver als mein übliches Weltcup-Programm. Der Vorteil ist, dass alles an einem Ort stattfindet und ich nicht reisen muss. Ich fühle mich bereit und ich freue mich auf diese Tage.


Anmerkung: Das Interview wurde am Sonntag aufgezeichnet. Am Montagmorgen musste die geplante Kombination der Frauen wegen starken Schneefalls verschoben werden. Wann das Rennen nachgeholt wird, ist noch unklar. Man geht von kommendem Montag aus, da dies ein geplanter Reserve-Tag ist.


Sie kennen Cortina und das Hotel, in dem Sie untergebracht sind, bereits. Wie wichtig ist es, sich an einem Ort bereits auszukennen?

In der Tat ist Cortina d'Ampezzo eine meiner Lieblingsstationen. Mir gefällt es hier sehr gut, ich mag auch die Leute im Hotel sehr gerne. Sie sind so nett. Wir wissen auch, dass wir wie Könige essen werden: Es ist wirklich zu gut (lacht)! Diese Details sind sehr wertvoll. Das Resort ist wunderschön, die Strecke auch. Da ich schon alles bestens kenne, kann ich mir eine gewisse Unbeschwertheit leisten.

Die Schweizerinnen und Schweizer haben in allen Rennen Chancen auf Medaillen und Titel. Teilen Sie diesen Eindruck?

Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass dies eine WM für die Schweiz werden kann. Es gibt aber auch andere Länder, die bereit sind. Die Italiener zum Beispiel, die Heimvorteil geniessen. Jeder hat grosse Erwartungen und hat wie verrückt auf diese WM hingearbeitet. Ich hoffe also, dass alle beweisen können, dass sie in guter Form sind.

Was sind Ihre persönlichen Ziele?

Ich bin einfach glücklich, dass ich so viele Möglichkeiten kriege. Ich werde einfach versuchen, so schnell und so gut wie möglich zu fahren.


Ex-Weltmeisterin Sonja Nef: «Ich tippe auf zehn Schweizer Medaillen»

Ex-Weltmeisterin Sonja Nef: «Ich tippe auf zehn Schweizer Medaillen»

An der Ski-WM 2001 gewinnt Sonja Nef Gold im Riesen. In der Sendung «Ein Ball für zwei» spricht sie über die Medaillenchancen unserer Ski-Stars. Sollte sie mit ihren Prognosen recht behalten, dann dürfen wir uns auf Schweizer Festspiele freuen.

06.02.2021

Zurück zur StartseiteZurück zum Sport