Biathlon

Mit Selina Gasparin tritt die Schweizer Biathlon-Pionierin ab

obe, sda

19.3.2022 - 18:36

Mit Selina Gasparin tritt eine nationale Biathlon-Pionierin zurück. Die bald 38-jährige Bündnerin holt als einzige Schweizerin eine Olympia-Medaille und zwei Weltcup-Siege.

obe, sda

19.3.2022 - 18:36

Die älteste der im Weltcup startenden Gasparin-Schwestern gewann in der Saison 2013/14 die Sprints von Hochfilzen und Le Grand-Bornand. Zwei Monate später feierte sie bei den Olympischen Spielen in Sotschi den grössten Erfolg ihrer Karriere, als sie über 15 km ohne Schiessfehler blieb und zu Silber lief. Insgesamt stand die zweifache Mutter viermal im Einzel auf dem Weltcup-Podest. Mit der Staffel holte sie drei weitere Top-3-Klassierungen.

«Ich hatte den Entscheid schon lange gefällt, wollte aber bis zum letzten Rennen warten mit der Bekanntgabe», verriet Gasparin nach ihrem 41. Platz in der Verfolgung von Oslo. «In zwei Wochen werde ich 38 und habe lange genug Biathlon gemacht.» Sie wird nun ein Praktikum in ihrem angestammten Beruf beim Zoll machen und strebt zudem ein Mandat bei Swiss-Ski im Zusammenhang mit den kommenden Weltcuprennen und der WM 2025 auf der Lenzerheide an.

Nicht nur Hausfrau

«Ich habe das Glück, dass ich bei meinem Arbeitgeber weitermachen kann, einfach nicht mehr als Spitzensportlerin.» Sie würde grundsätzlich gerne ein Jahr nur noch Hausfrau sein. «Aber dafür habe ich nicht genug Preisgeld verdient», sagte die mit dem ehemaligen russischen Spitzen-Langläufer Ilija Tschernoussow verheiratete Engadinerin.

Gasparin blickte auch nochmals an ihre Anfänge im Jahr 2005 zurück. «Wir hatten einen Trainer und zwei Techniker für die Frauen und Männer», erinnerte sie sich. «Ich schoss auf Pferdewiesen, wo ich fast Angst haben musste, dass ein Pferd in die Schusslinie läuft, und stellte die Scheiben noch selber auf», erzählte die ehemalige Langläuferin schmunzelnd. Im Prinzip entspricht diese Eigeninitiative sehr gut ihrem Charakter, aber klar ist auch: «Heute wäre es einfacher.»

Immer etwas mehr

Besonders Freude hat Gasparin, dass «in den letzten Jahren ein Frauenteam aufgebaut wurde, das ohne mich bestehen kann.» Sie zeigte der Generation nach ihr, wie es geht. «Nicht zehn Klimmzüge machen, sondern zehn Klimmzüge mit zehn Kilogramm Gewicht angehängt», lautete ihr Credo.

Der Zeitpunkt zum Rücktritt ist auch gekommen, weil sie auf ihre «mit Abstand schlechteste Saison» zurückblickt. Die Qualifikation für ihre vierten Olympischen Spiele schaffte sie nur über die Staffel. Einerseits war sie im Sommer elf Wochen krank, anderseits gibt sie zu, dass sie jetzt auch müde sei, «vielleicht auch zu alt». In der Biathlon Arena auf der Lenzerheide wird man Selina Gasparin aber auch in Zukunft antreffen.

obe, sda