Nach Bügeleisen-Spruch: Petra Vlhova trennt sich von ihrem Erfolgstrainer

jar

7.4.2021

Petra Vlhova of Slovakia poses after winning the women?s overall crystal globe at the FIS Alpine Skiing World Cup finals, in Parpan-Lenzerheide, Switzerland, Sunday, March 21, 2021. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)
Petra Vlhova gewann in der abgelaufenen Saison den Gesamtweltcup.
Bild: Keystone

Petra Vlhova krönte sich im vergangenen Winter mit der grossen Kristallkugel zur Ski-Königin. Grossen Anteil am Erfolg hatte auch ihr Trainer Livio Magoni. Nun beendet die Slowakin die Zusammenarbeit mit dem Coach. Wurde dem Italiener ein flapsiger Spruch zum Verhängnis? 

jar

7.4.2021

Mit dem Sieg im Gesamtweltcup erreichte Petra Vlhova vor drei Wochen ihren nächsten Karriere-Meilenstein. In der Stunde ihres grössten Triumphs wurde sie aber ausgerechnet vom eigenen Trainer enttäuscht. Nur wenige Tage nach der grossen Kugelfeier äusserte sich Livio Magoni abschätzig über die Slowakin. 

In einem Interview mit dem «Corriere della Sera» schwärmte der Italiener von seinen Landsfrauen Marta Bassino, Sofia Goggia und Federica Brignone und bezeichnete sie als «Ski-Diamanten». Für die eigene Athletin hatte Magoni weit weniger Komplimente übrig. «Im Vergleich zu ihnen ist Petra ein Bügeleisen», so der Coach. 

Auf Unverständnis stiess bei Vlhova auch Magonis Vergleich mit der Slowenin Tina Maze. «Tina ist komplett – sowohl als Athletin als auch ausserhalb des Sports. Diese Seite existiert bei Petra nicht.» Mit Magoni an der Seite gewann Maze vor acht Jahren den Gesamtweltcup.



Vlhova reagierte irritiert auf Magonis Äusserungen, schrieb auf Instagram, dass diese sie «in einer Zeit absoluter Freude getroffen» hätten. Sie wolle aber zunächst mit dem Trainer sprechen, bevor voreilig falsche Schlüsse gezogen werden. Magoni ruderte derweil zurück und erklärte, er habe das überhaupt nicht negativ gemeint: «Ich habe einen speziellen italienischen Ausdruck verwendet, um zu sagen, dass Petra eiserne Beine hat und nicht, dass sie wie ein Bügeleisen ist.»

Alles also nur ein Missverständnis? Möglich. Doch am Dienstagabend lässt Vlhova auf Instagram verlauten, dass sie und Magoni künftig getrennte Wege gehen werden. 

Allerdings scheint es kein böses Blut zu geben. Vlhova bedankt sich für «fantastische fünf Jahre mit Livio, in denen ich viel gelernt habe». Sie sei überaus dankbar für die Zeit, die Energie und den Perfektionismus, den der Coach stets vorgelebt hat. «Eine Tür geht zu, und Tausende andere gehen auf. Wir müssen nur herausfinden, welche die richtigen für uns sind», so die 25-Jährige. «Dieses Mal sind unsere Türen nicht die gleichen. Danke Livio Magoni.»

Magoni räumt Fehler ein

Der Trainer selbst kommt in dem Beitrag ebenfalls zu Wort. Auch er bedankt sich für die «wunderbaren und unglaublichen fünf Jahre mit einer herausragenden Athletin, die an mich und meine Methoden geglaubt hat». Und Magoni gesteht auch Fehler ein: «Entschuldigung für all meine Fehler in diesen fünf Jahren, aber ich garantiere euch, dass ich alles getan und gegeben habe, was ich hatte.»

Neben dem Gesamtweltcup gewann Vlhova mit Magoni unter anderem die kleine Slalom-Kugel und sechs WM-Medaillen, darunter Gold im Riesenslalom 2019 in Are. Ob der Bügeleisen-Spruch letztlich ausschlaggebend für die Trennung war, wird wohl ein Geheimnis bleiben.

Einen Nachfolger für Magoni hat Vlhova noch nicht bestimmt. Wer es immer auch sein wird: Er wird sich am erfolgreichen Wirken des Italieners messen lassen müssen und ein entsprechend schwieriges Erbe antreten.