Nicole Schmidhofer: Totalschaden im Knie und total viele Sponsoren

Von René Weder

22.12.2020

«Nici» Schmidhofer: Opfer eines verheerenden Sturzes und ein Stück weit auch ihrer Sponsoren, die hier schwarz abgedeckt werden. Und ja: Die Ärzte können nichts dafür. 
Bild: Keystone / bearbeitet

Die gute Nachricht: Nicole Schmidhofer glaubt an ihre Rückkehr in den Weltcup. Die Schlechte: Die Aussichten sind nicht rosig. Die Irritierende: Sponsoren nutzen die Gunst der Stunde.

Im Grunde genommen bietet die Situation wenig bis keine Gründe zur Freude. Nicole Schmidhofer meldet sich am Montag zwar guten Mutes aus einem Krankenbett des Grazer Unfallspitals, einhergehend folgen aber niederschmetternde Neuigkeiten des Ärzteteams: Die Österreicherin erleidet nach ihrem fürchterlichen Sturz in Val d'Isère von letzter Woche einen Verrenkunsgbruch im linken Knie, alle Bänder sind kaputt.

Die Saison ist futsch, wie das Knie, und es würde wohl an ein mittelgrosses Sport-Wunder grenzen, sollte Schmidhofer dereinst wieder um Siege im Weltcup mitfahren können. Es bleibt die Hoffnung und Schmidhofers Wille scheint grenzenlos. «Mir geht es gut, weil ich einen Plan habe», sagt die 31-Jährige. Das ist bemerkenswert und erfreulich. 

Aufmerksamkeit – ohne Rücksicht auf Verluste

Von dieser Einstellung wollen natürlich auch Schmidhofers Partner profitieren, weshalb es ein vorerst letztes Mal gilt, die Zitrone auszupressen: Etwas gar unnatürlich setzen sie die Steirerin, von vielen Schrammen im Gesicht gezeichnet, mit einer Logo-verzierten Wollmütze, einer Trinkflasche und einem Sponsoren-T-Shirt ins gewünschte Licht des an sich tristen Krankenzimmers.

Hinter ihr, man glaubt es kaum, steht – absolut zufällig – ein Paar Ski ihres Ausrüsters. Damit nicht genug: Eine unsägliche Sponsorenwand rundet das irritierende Gesamtbild ab, damit auf den Pressefotos auch zu sehen ist, wer Schmidhofer in den nächsten Wochen und Monaten neben Physiotherapeuten und Ärzten ebenfalls unterstützen soll. Für einen kurzen Moment stellt man sich die Fragen: Wo sind die Skistöcke? Die Schuhe? Weshalb haben die Ärzte keine Sponsoren? Und wieso zum Teufel trägt Schmidhofer nicht den offiziellen Rennanzug?

Man ist sich ja schon einiges gewohnt. Nicht zuletzt wunderten wir uns hierzulande schon in den 90er-Jahren über Werbeflächen auf den Hintern österreichischer Fussballer (#Po-Werbung) und auf deren Stutzen. Oder über das lächerlich anmutende Hochhalten von Trinkflaschen während eines TV-Interviews im Ski-Zielraum. Was aber im Falle von Schmidhofer dazu kommt, ist die offensichtliche Absicht der Sponsoren, auch in jenen Momenten Aufmerksamkeit zu erhalten, wo es eigentlich einzig und alleine darum ginge, über das Wohlergehen der Sportlerin zu informieren. 

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