Paganini erhofft sich einiges von Lambiel

SDA

4.7.2020 - 05:04

Stéphane Lambiel gibt sein Wissen nun auch an Alexia Paganini weiter
Source: Keystone

Alexia Paganini will mit Stéphane Lambiel als Coach den nächsten Schritt machen. Die Zusammenarbeit verspricht einiges.

Die letzte Schweizer Medaille im Eiskunstlauf an internationalen Meisterschaften liegt neun Jahre zurück. Damals gewann die inzwischen zurückgetretene und Mutter gewordene Sarah Meier in Bern überraschend EM-Gold. In der Folge waren die Resultate der Schweizer lange Zeit nur Randnotizen, bis die in den USA geborene Alexia Paganini auftauchte, die neben dem amerikanischen auch den hiesigen Pass besitzt, da ihr Vater aus Brusio im Kanton Graubünden stammt.

Paganini läuft seit 2017 für die Schweiz, im vergangenen Januar belegte sie an den Europameisterschaften in Graz den 4. Rang. Zwar war sie gegen die drei vor ihr klassierten Russinnen – zwei von ihnen zeigten Vierfachsprünge – chancenlos, diese Lücke will sie nun aber verkleinern, und zwar mit Stéphane Lambiel als Coach. Der zweifache Weltmeister und Olympia-Zweite von 2006 war auf dem Eis ein Künstler par excellence und genau im artistischen Bereich sieht die 18-jährige Paganini noch einiges an Verbesserungsmöglichkeit.

«Ihre Bewegungen sind schon sehr, sehr gut, aber sie kann diese noch selbstbewusster ausführen», sagt Lambiel am Telefon gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Überhaupt habe sie noch ein sehr grosses Potenzial. «Das möchte ich gerne nutzen. Sie hat eine sehr schöne Persönlichkeit. Ich will ihre Grenzen nach oben verschieben.»

Paganini, die zuvor in Harrison im Bundesstaat New Jersey zu Hause war, wohnt seit dem 21. Mai im beschaulichen Champéry, wo sich die Schule von Lambiel befindet. Swiss Ice Skating bot ihr an, dort während der Coronavirus-Pandemie zu trainieren und übernahm die Kosten für den Flug, die Unterkunft sowie das Coaching. «Das war für mich eine gute Möglichkeit», erklärt Paganini. Also sagte sie zu. Und da sie ohnehin auf der Suche nach einer Gruppe in einer professionelleren Trainingsumgebung war, an der sie alle Einheiten am gleichen Ort absolvieren kann, entschied sie sich nun, bis auf Weiteres im Wallis zu bleiben. Sie lebt in einer Wohngemeinschaft. Über die Finanzierung nach Corona wurde noch nicht gesprochen.

Von Lambiel, den sie vorher nicht gut kannte, jedoch als Läufer bewunderte, ist sie begeistert: «Er versteht, wie wir uns im Training fühlen, ob wir glücklich oder traurig sind. Er holt aus allen das Beste heraus.» Ausserdem schätzt sie seine positive Herangehensweise. «So lange du deinen Job erledigst, ist alles gut.» Ansonsten könne er durchaus streng sein.

Paganini trainiert zusammen mit dem Letten Dennis Vasiljevs sowie den Japanern Koshiro Shimada und Shoma Uno. Letzterer gewann 2018 Olympia-Silber und wurde 2017 sowie 2018 jeweils WM-Zweiter. An einem normalen Tag wird drei Stunden auf dem Eis geübt und steht eine Stunde Kondition auf dem Programm. «Sie passt gut zu den anderen Läufern. Es ist eine sehr schöne Gruppe. Sie motivieren sich gegenseitig und geben sich Energie», sagt Lambiel.

Paganini hat vor drei Monaten die High School abgeschlossen. In «wahrscheinlich ein, zwei Jahren» will sie an die Universität gehen, dafür muss sie zuvor aber noch Prüfungen bestehen. Zunächst aber möchte sie im Eiskunstlauf den nächsten Schritt vollziehen. Die Programme sind bereits einstudiert – Lambiel hat die Kür gemacht, Choreografin Salomé Brunner das Kurzprogramm. Noch ist jedoch unklar, ob im Herbst Grands Prix durchgeführt werden. «Wenn nicht, dann starte ich an kleineren Wettkämpfen, um mich in Form zu halten und wettbewerbsfähig zu sein», so Paganini.

Schliesslich will sie für die allfälligen Europameisterschaften im Januar in Zagreb bereit sein. Ist eine Medaille realistisch? «Wenn alles zu meinen Gunsten ausfällt, dann könnte es möglich sein.» Lambiel erachtet es jedenfalls als machbar, in die Phalanx der übermächtig scheinenden Russinnen einzudringen, wenn es ihr gelingt, konstant gute Leistungen zu zeigen. «Wenn die Preisrichter das sehen, kommt sie automatisch in jene Gruppe von Läuferinnen, die den Russinnen gefährlich werden können», so Lambiel. Und dann sei eine Medaille möglich. Vielleicht tritt Paganini also schon bald in seine Fussstapfen und jene von Sarah Meier.

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