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Bernhard Russi: «Es wird für den Skisport eng werden»

pat

12.1.2021

Bernhard Russi sieht das Glas trotz der Lauberhorn-Absage eher halb voll als halb leer.
Bild: Keystone

Die Absage der legendären Lauberhornrennen schmerzt Ski-Fans und Verantwortliche, auch wenn der Entscheid aufgrund der aktuellen Lage nachvollziehbar ist. Die Stimmen aus dem Ski-Zirkus.

Ski-Legende Bernhard Russi schreibt im «Blick», dass die FIS, Swiss Ski und das OK in Wengen den Entscheid «zwar mit Wehmut und zusätzlichen Sorgen» akzeptiert und unterstützt hätten. «Das Restrisiko einer zusätzlichen Ausbreitung der Pandemie wäre um einiges höher gewesen als die Risiken, die die Athleten am Hundschopf oder beim Ziel-S eingegangen wären.»

Er erinnert daran, dass auch schon viele andere Sportanlässe abgesagt werden mussten und kommt deshalb zum Schluss: «Eigentlich realisieren wir erst jetzt, wie viel Glück wir bis ­anhin gehabt haben.» Er sehe das Glas deshalb eher halb voll als halb leer. «Doch der Kanton Bern, die Schweiz haben mit der Absage nun auch aufgezeigt, wie hoch die Latte liegt. Daran werden sich auch andere Länder und Organisatoren messen müssen. Es wird für den Skisport eng werden!»

«Wir wollen nicht diejenigen sein, die den Weltcup an die Wand fahren»

Die Absage der Lauberhornrennen ist umso bitterer, da am Sonntag nach regen Diskussionen grünes Licht für die Durchführung erteilt wurde. Am Montag dann die Kehrtwende. Gundekar Giebel, Sprecher der Gesundheitsdirektion Bern, erklärt gegenüber «SRF», wie es so weit kommen konnte: «In den letzten 24 Stunden traten weniger, aber entscheidende Fälle ein. Unseren ursprünglichen Plan, den Weltcup-Tross von der Bevölkerung und den Touristen zu trennen, konnten wir so nicht umsetzen. Die Fälle, die über Nacht bekannt wurden, spielen sich nahe bei den Organisatoren ab.»

Lauberhorn-Chef Urs Näpflin spricht beim «SRF» von einer «absoluten Katastrophe». «Wir haben ein Jahr lang auf den Event hingearbeitet. Nun war alles bereit, wir hatten eine Hammer-Piste. Jetzt heisst es: zurückbauen, abbauen, Ende der Übung.»

Weil bei mehreren Tests die mutierte Variante aus Grossbritannien festgestellt wurde, hatte der Kanton Bern nochmals strengere Schutzmassnahmen gefordert. Tägliche Tests für die rund 1000 Beteiligten seien angedacht gewesen. Näpflin bezeichnete diese Massnahme beim «Tages-Anzeiger» als unverhältnismässig und undurchführbar. Auch die totale Abriegelung der Involvierten in den Hotels wäre kaum umsetzbar gewesen, meint der Lauberhorn-Chef. Hätte sich das Virus weiter verbreitet, hätte zudem für alle Beteiligten eine zweiwöchige Quarantäne gedroht. Näpflin dazu: «Wir wollen nicht diejenigen sein, die den Weltcup an die Wand fahren.»

«In erster Linie geht es aber darum, dass die Gefahr von Infektionen zu hoch war»

FIS-Renndirektor Markus Waldner sagt im Interview mit «SRF»: «Wir sind natürlich alle sehr traurig, der Kurs war bereits gesetzt. In zweiter Linie geht es auch um die WM. Sie ist das Highlight des Jahres und der Weg zu ihr muss absolut sicher sein. In erster Linie geht es aber darum, dass die Gefahr von Infektionen zu hoch war. Die Teams wurden früh genug unterwegs gestoppt.»

Der Entscheid – so hart er ist – stösst bei den Beteiligten insgesamt auf viel Verständnis. Eine sportliche Haltung, die die Verantwortlichen an den Tag legen. So soll es sein.

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