ÖSV-Boss

Schröcksnadel stichelt gegen die Schweiz und irritiert mit Aussagen zum Klimawandel

pat

17.2.2021

Peter Schröcksnadel, Präsident des Österreichischen Skiverbandes, hat das Lachen nicht verloren.
Peter Schröcksnadel, Präsident des Österreichischen Skiverbandes, hat das Lachen nicht verloren.
Bild: Keystone

Peter Schröcksnadel ist seit 1990 Präsident des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV), bald wird er neue Zelte aufschlagen. In einem Interview äussert er sich zur Rivalität mit der Schweiz, aber auch zu Themen wie dem Klimawandel. Letzteres ist nicht sein Kerngebiet.

Mit gewissen Aussagen in einem Interview mit der NZZ sorgt Schröcksnadel für Aufsehen. Dass der Skisport aufgrund des Klimawandels in seiner Existenz bedroht wird, glaubt das Urgestein nicht: «Ich halte gar nichts vom Klimawandel und von Angstmacherei. Schauen Sie sich einmal diesen Winter an, da gibt es Orte mit 30 Grad minus. In den letzten 50 Jahren ist die durchschnittliche Schneehöhe nicht zurückgegangen und sind die Winter im Mittel nicht wärmer geworden. Nur die Sommer sind wärmer geworden.» Seine Erklärungen untermauert er mit weiteren Aussagen, die Wissenschaftler zur Weissglut treiben dürften. Von Prognosen für die nächsten 50 Jahre halte er ohnehin nichts: «Die können ja oft nicht einmal auf drei Tage hinaus das Wetter vorhersagen.»

«Ich bin in der Krebsforschung engagiert, in einem sehr aussichtsreichen Projekt. Das ist mir wichtiger als ein paar Zehntelsekunden.»

Mit 79 Jahren wird er Ende Saison zurücktreten, nicht weil er amtsmüde sei, sondern weil er noch andere Interessen habe. Keine Angst, er wird nicht Sprecher der Klimajugend: «Ich bin in der Krebsforschung engagiert, in einem sehr aussichtsreichen Projekt. Das ist mir wichtiger als ein paar Zehntelsekunden.» Als Direktor einer Firma hat er grosse Pläne und meint: «Das ist keine Hinterhofgeschichte, da sind höchst erfolgreiche Wissenschaftler dabei.» Bleibt zu hoffen, dass er diese Stimmen aus der Wissenschaft dann auch tatsächlich hört, denn in Sachen Klimawandel stossen die Experten bei ihm wie bereits erwähnt auf taube Ohren.



Schröcksnadel über die Nationenwertung

Dass sich Schröcksnadel im Skisport auskennt, steht ausser Frage. Und da äussert er sich bei der NZZ zur Rivalität zwischen Österreich und der Schweiz. Zwar führen die Österreicher an der Ski-WM im Medaillenspiegel, doch in der Weltcup-Nationenwertung hat die Schweiz die Nase erneut vorne. Das tut weh, beendeten die Österreicher doch zwischen 1990 und 2019 die Saison immer als Nummer eins – 2020 hätte eine Ausnahme bleiben sollen. Doch nun sieht es aus, als würden die Schweizer den Status als beste Skination der Gegenwart bestätigen. Was ist passiert?

«Ich finde dieses Duell ja super – nur hat es 30 Jahre lang nicht stattgefunden.»

Für Schröcksnadel ist klar: «Wir hatten auch Pech. Wir haben ein gutes Frauenteam, aber lauter Verletzte. Schmidhofer verletzt, Hütter, Ortlieb. Ihre Punkte fehlen uns. Da kannst du nichts machen. Wir wären eigentlich sehr stark, aber mit all den Verletzten sind wir heuer nicht sehr gut, das ist leider eine Tatsache.» Zumindest gleich stark wie die Schweiz würden sie dastehen, hätte die Verletzungshexe nicht so erbarmungslos zugeschlagen: «Da bin ich mir sehr sicher», so der Boss unserer Nachbarn.

Die Schweiz sei im Nachwuchs vor fünf, sechs Jahren besser aufgestellt gewesen und das sehe man nun. «Aber jetzt sind wir wieder besser. Das Problem ist halt: Wenn du überlegen bist, wirst du nachlässig. Das ist leider so», meint Schröcksnadel, der der Schweiz noch einen weiteren Seitenhieb verpasst: «Ich finde dieses Duell ja super – nur hat es 30 Jahre lang nicht stattgefunden.» Und wenn eine Nation zu stark sei, dann sei das auch blöd.

Die Österreicher hätten um die Jahrtausendwende reihenweise Fünf-, Sechsfachsiege herausgefahren, einmal haben sie gar die ersten neun Ränge belegt, erinnert sich Schröcksnadel. Das war am 21. Dezember 1998 im Super-G der Männer am Patscherkofel, ein wahrlich historischer Triumph (Video unten). «Das ist frustrierend für die anderen. Damals wurde gesagt, wir machten den Weltcup kaputt. Da ist etwas dran. Aber die Zeiten sind vorbei.» Sie hätten damals einen Vorsprung gehabt, doch den hätten die anderen über die Jahre aufgeholt. Geht es nach ihm, wird Österreich aber trotzdem bald wieder von ganz oben grüssen.

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